Mit diesen Worten habe ich das vorliegende Album zumindest in einer meiner Lieblingslisten beschrieben. Ein zugegebenermaßen gewagter Satz, der eigentlich danach schreit, etwas genauer ausgeführt zu werden. Setzt er doch diese eher junge Band auf eine Ebene mit drei Legenden im Bereich von progressivem Rock und Metal. Und das auch noch beim berühmt berüchtigten dritten Album.
Sollte die alte These, ebenjenes bestimme über das weitere Fortbestehen einer Band, ihre Berechtigung haben, so würde meine Aussage zu diesem Album ja noch einiges an Brisanz gewinnen.
Aber wie komme ich eigentlich dazu?
Den Gesang mit Mike Patton zu vergleichen, ist selbstverständlich in erster Linie eher rethorisch zu verstehen. Denn was dieser Kerl mit seiner Stimme anstellt, wird die nächsten paar Jahrzehnte wohl niemand auch nur imitieren können.
Und doch, ein wenig Patton-Feeling kommt beim Sänger von Textures schon auf. Seine Stimmvarianz ist der erste starke Punkt. Sein Wechsel zwischen brutalen Shouts und Screams, im Hardcore verwurzelt mit einer kleinen finster zähen Prise Sludge, und ausladenden Gesangslinien ist schlicht beeindruckend. Noch viel beeindruckender: Seine Gesangslinien haben trotz des pathetischen Grundklanges wirklich Eier. Seine kraftvolle, klangmalerische Stimme kann einiges und erinnert tatsächlich recht stark an den Gesang eines Patton.
Durch die detailliert vorgetragenen und doch irgendwie hymnisch getragenen Gesangsmelodien kommt zudem so etwas wie experimentelles Flair auf, das auch wieder ein wenig an den Meister erinnert.
Auch die Shouts haben durch ihren häufig erzählenden Duktus etwas Progressives an sich.
Nur was die Varianz der Stimmlage angeht, lässt der Sänger zu Wünschen übrig. Durch rhythmische Variation und fließende Übergänge zwischen den Stilen, schafft er es aber fast immer, diese Schwäche zu kompensieren.
Die instrumentale Arbeit mit Meshuggah zu vergleichen, ist dagegen nicht ganz so problematisch. Wie die Vorbilder erzeugen auch Textures mit komplex- virtuosem Schlagzeugspiel und technischen Gitarrenlinien im häufigen Rückgriff auf polyrhythmische Gebilde einen tonnenschweren Groove.
Im Gegenteil zum Vorbild trauen sie sich aber häufig auch an schnellere und simplere Rhythmen. Die Gitarren offenbaren dabei mit schweren Melodien und Breitwandriffing auch diverse Anklänge an Bands wie "Gojira" und schwenken dann und wann auch mal ein wenig in den Sludge.
Auch das Schlagzeug schöpft mit verschiedenen Techniken und diversen Blastbeats aus verschiedenen Richtungen und klingt eher organisch als berechnet.
Auch der Bass trägt mit dynamisch dunklen Linien seinen Teil bei, gerät jedoch meistens eher in den Hintergrund.
Das instrumentelle Gerüst wird stets von sphärischen Synthiewänden unterstützt und verdichtet. Gerade die zwar getragenen aber doch positiven Ambient-Flächen erinnern dabei oft an Townsend und sorgen für eine einzigartige, erhabene Atmosphäre.
Aber auch das Songwriting erinnert an den kanadischen Metal- Komponisten. Die Songs setzen sich aus mannigfaltigen Parts zusammen, die mal nebeneinander stehen, sich mal überschneiden. Fliegend werden Rhythmus und Tempo gewechselt, in jeden Song fließen unzählige Ideen und Melodien ein. Und doch bleibt der rote Faden erhalten. Die Melodiebögen sind stets erkennbar und werden durch den gesamten Song gezogen, sodass die Lieder nach einiger Einhörzeit durchaus ihren eigenen Charakter erhalten.
Aber eben erst nach einer gewissen Einhörzeit. Denn all die Progressivität und Ideenvielfalt hat natürlich den Preis, dass das Album seine Zeit braucht. Zumal die Lieder ob ihres eher ruhigen, warmen Grundklanges und der omnipräsenten Getragenheit am Anfang teilweise sehr ähnlich klingen. Glücklicherweise sind die Melodien trotz ihrer Detailverliebtheit allesamt ohrwurmtauglich und sämtliche Lieder sind mit perfekt inszenierten Spannungsbögen ausgestattet, was das gesamte Album spannend und motivierend anzuhören macht.
Natürlich kommen Textures letztendlich noch nicht an die ganz Großen heran. Dafür fehlt hier und dort die Abwechslung und Varianz, vielleicht auch noch ein wenig Mut zu wirklichen Experimenten. Aber sie beweisen mit diesem dichten, spannenden Album, dass sie in der Lage sind, die verschiedensten Einflüsse songwirksam zusammenzubringen, auch ohne, wie z.B. noch auf dem Vorgänger "Drawing Cyrcles" die harten Passagen streng von den weichen zu trennen.
Dieses Album ist in seiner Gesamtheit und Geschlossenheit pures Kopfkino und eine dicke Empfehlung an alle, die mit besagten Musikern etwas anfangen können.