Österreichisches Kino? Bei diesem Begriff dachte ich bislang eher an die Heimatschnulzen der 50er Jahre, denn leider schaffen es nur wenige österreichische Filme in deutsche Kinos. Ich bin seinerzeit eigentlich nur durch einem Flyer, der im Kinofoyer auslag, auf diesen Film aufmerksam geworden und saß ohne große Erwartungen im Kino. Was ich dann sah, hat mich geradezu vom Hocker gerissen.
"Silentium!" ist eine grotesk-bizarre Mischung aus Krimi und sarkastischer Komödie. Der Humor ist geradezu britisch-schwarz, allerdings bleibt einem das Lachen so manches Mal im Halse stecken, da die Handlung einen dann doch wieder auf den rabenschwarzen Boden der Tatsachen zurück zieht. In dieser Geschichte hat so ziemlich jeder Dreck am Stecken: die katholische Kirche, der Intendant der Salzburger Festspiele... trauen mag man da so gar niemanden.
Josef Hader schlurft als Brenner durch ein Komplott, das auch er erst ganz am Ende zu durchschauen scheint und dessen Ende einen zu Recht wütend macht. Wenn Wolf Haas beim Schreiben seiner Brenner-Romane bereits eine Verfilmung im Kopf hatte, dann muß er eigentlich an Josef Hader gedacht haben.
"Silentium!" ist -im Gegensatz zu "Komm, süßer Tod"- wesentlich dunkler und brutaler, die FSK 16 ist durchaus angebracht, da dieser Streifen nichts für zarte Gemüter ist. Einige Bilder bleiben dauerhaft im Gedächtnis verankert, ein Film also, über den man noch nachdenkt, wenn man das Dunkel des Kinos hinter sich gelassen hat.
Das Bonusmaterial ist ganz interessant, auf die Ausschnitte von der Berlinale hätte man aber auch verzichten können, vielleicht wäre hier ein klassisches Making-of besser gewesen.
Alles in allem ist "Silentium!" ein Thriller für die eher düsteren Momente im Leben mit einer durch die Bank weg wunderbaren Besetzung, neben Josef Hader u.a. Simon Schwarz (den man ja schon aus "Komm, süßer Tod" kennt) und ein grandioser -weil herrlich gegen den Strich besetzer- Joachim Król.
Wenn die katholische Kirche sich schon über die mittelmäßige Verfilmung des mittelmäßigen "Da Vinci Code" so aufgeregt hat, dann frage ich mich ernsthaft, warum sie dieses wunderbare Meisterwerk des österreichischen Films nicht mindestens genauso intensiv verdammt hat...
Kein Silentium nötig, dieser Film hat jede Menge lauten Applaus verdient!