Haben uns the Knife bisher mit zwei überragenden Releases beglückt, so bekommen wir auch dieses Mal eine aus dem Mainstream herausragende, wenn nicht zu sagen überragende Platte. War das erste Album noch sehr verspielt und the Knife noch auf ihrem Weg zur musikalischen Selbstfindung, so klang das zweite Album dann schon wesentlich gereifter. Das Erstlingswerk „the Knife" kann man als Kollaboration aller bis dahin erdachten Sounds sehen, bei der versucht wurde die größtmögliche Abwechslung vorherrschen zu lassen und einen guten Mix aus tanzbaren und mehr entspannenden Tracks zu erzeugen. Der Nachfolger „Deep Cuts" verfolgte vielmehr einen roten Faden, der den Zuhörer durch das ganze Album führte. Es fügt sich nahtlos ein, unter Berücksichtigung des Kriteriums der Veränderung, und wirkt in sich geschlossener und deutlich reifer. Wenn sie auf dem Erstling konsequent handelten, dann handeln sie hier noch konsequenter und man sollte es vermeiden einen Song zu überspringen, da alles rein ablauftechnisch wohl durchdacht ist.
Bei aller Betrachtungsvielfalt muss man hier auch das oben angesprochene Kriterium der subjektiven Betrachtung der Musik beachten. Der Eine möchte es gar nicht als Entwicklung sehen, wenn sich eine Band verändert; der andere sagt hingegen es wäre doch ein großer Schritt nach vorne seit dem letzten Release. Letztendlich bleibt es dem Künstler/den Künstlern selbst überlassen, ob und wie sie ihre Musik ausleben und verändern. Doch trotz der Veränderungen in ihrer Musik sind sie sich auf eine Art treu geblieben: Man hört sie immer noch unter 1000 Bands heraus. Sie haben diesen unverfälschlichen genialen Erkennungswert und sind doch so variabel was ihre Songs angeht. Auch dieses Mal lassen sich die beiden Geschwister Olof und Karin Dreijer nicht beirren und gehen ihren Weg konsequent weiter. In ihrer forschen Art und immer noch einen Schritt unkonventioneller als zuvor erleben wir mit ihrem neuen Werk „Silent Shout" so etwas wie ein Kompromiss aus konservativem 80er Elektropop und vielen kleinen Details, vor allem die progressiven Beats betreffend, aus zwei verschiedenen Zeitebenen. Das Ganze klingt im Gesamtkonzept sehr dancefloortauglich, ist aber auch für den Hausgebrauch sehr wohl zu gebrauchen. Die Produktion läuft auf sehr hohem Niveau und überzeugt auf allen denkbaren Kriterien. Kennt man the Knife nicht, kommt man nicht drum herum sich alle drei bisher veröffentlichten Werke zu ergattern, da jedes einen ganz eigenen Sound besitzt ohne aber eben diesen typischen Charme zu unterbinden.
Doch was unter Garantie jeder wissen sollte: Mit diesem Album haben the Knife das wahrscheinlich beste Elektroalbum in diesem Jahr, vielleicht sogar in diesem bisherigen 3. Jahrtausend geschaffen. Was hier in jedem einzelnen Song an mehrspurigen Synthesizern aufgefahren wird und vor allem auch Karins Stimme, die auf diesem Album so gut wie nie natürlichen Weges daherkommt, tragen zu einem unvergesslichen Hörerlebnis bei. Wer von einem Album mehr erwartet, als für gut 50 Minuten in eine andere Welt entführt zu werden, ist hier an der richtigen Adresse. Kollaborationen wie „Marble House" mit dem sympathischen Jay Jay Johanson machen einfach unheimlich viel Freude, zumal jeder Song auch eine andere Herangehensweise als Intention in sich trägt. Die erste Single „Silent Shout" zielt da eher auf den Club ab, wohingegen das angesprochene „Marble House" fast wie eine Ballade daherkommt. „We Share Our Mothers Health" klingt einfach verrückt, der Beat macht einen einfach nur wild und wer hier nicht zappelt wie das Kaninchen vor einer saftigen Möhre, der ernährt sich auf eine falsche Art und Weise. Das zweieinhalb minütige „Na Na Na" mittendrin wirkt dann als reine Erholungsquelle und nicht etwa wie ein Auffüller. Ein Album kann man in diesem Genre nicht besser gestalten: ekstatisch, hypnotisch, sehnsüchtig, eindringlich, tiefgreifend, betörend und treibend. Nicht weniger als diese Synonyme darf man für diesen Output verwenden. Liebhaber von Bands wie Røyksopp, Client, Fischerspooner und Freeform Five werden diese Musik auch mögen. Man darf also gespannt sein, was uns in Zukunft noch alles von diesen beiden Protagonisten dargeboten werden wird. Ein Hoch auf die skandinavische Popwelt mit all ihren Facetten!!! © 2006 skandi