Als ich zum ersten Mal das Artwork des Grieschichen Neulings Elysion erblickte, packte mich doch etwas die Furcht. Das in Taft und Tüll verpackte Püppchen, wel-ches mich vom Frontcover anblickte, verhieß nichts Gutes und lies bei mir die Vorahnung aufkommen, es würde sich bei Silent scream" erneut um Nervenzerreibenden 08/15 Gothic Mampf handeln. Doch weit gefehlt, vielmehr vereint das hellenische Quartett die Qualitäten von Bands wie Lacuna Coil, Nightwish (musikalisch) und HIM (Theatralik).
Außerdem packte mich gleich zu Beginn die druckvolle Produktion des Albums, für dessen finalen Mix Studiogröße Ted Jenssen die Knöpfchen drehte, der bereits Iron Maiden, Slipknot oder Korn klangtechnisch veredelte. Selbst der bei mir normaler-weise nicht hoch im Kurs stehende weibliche Gesang von Fronterin Christianna passt hervorragend und ist keinesfalls so theatralisch wie bei vielen anderen Combos in diesem Genre. Songtechnisch aber ist Silent scream" leider ein, wie ich es nenne, Achterbahnalbum" geworden. Nach einem saustarken Beginn mit den drei besten Songs, dem harten und griffigen Dreamer", dem mystischen und besten Stück Kill my dreams" und dem packenden Never forever", langweilen die Griechen mit der Trallala Ballade Weakness in your eyes" und den drauffolgenden drei mehr als belanglosen Songs gar gewaltig. Bei Walk away" kommen dann endlich wieder die dominanten, aber niemals belanglos dahin geklimperten Keyboards zum tragen, wo hingegen bei nachfolgenden Loss" etwas zu offensichtlich bei HIM geklaut wurde, der Song an sich aber auch gut rüberkommt. Doch wie bei einer Achterbahn üblich kommt es mit den zwei abschließenden Songs zu einer Schussfahrt, denn diese sind ziemlich lieblos gestrickt und können zu keiner Zeit wirklich überzeugen. Einzig der Kate Bush artige Gesang bei Far from the edge" wusste mich zu begeistern.
Elysion ist mit Silent scream" ein solides Debüt gelungen, welches megastark an-fängt und sich dann leider etwas verliert. Wenn die Griechen an die drei ersten Songs anknüpfen und ein komplettes Album auf diesem Level einspielen, sollte einer höheren Bewertung nichts im Wege stehen. Dennoch bleibt positiv hängen, das sich das Quartett nicht auf vorgefertigten Schienen bewegt, sondern auch mal was Neues probiert und so etwas muss belohnt werden.