Da ist es also, das umstrittene Silent Hill Spin-off "Book Of Memories". Silent Hill, das stand mal für Survival Horror der Extraklasse. Spätestens mit den ersten Mobile-Ablegern für's Handy kam beim einen oder anderen Fan der Verdacht auf, dass das Franchise einfach lieblos verwurstet wird, um auch noch den letzten Cent herauszupressen. Teile der Hauptreihe wurden an völlig unerfahrene Entwicklerstudios vergeben, deren einzige Leistung davor irgend ein Download-Game war, das mit Horror absolut nichts zu tun hat.
Und jetzt das... Silent Hill als Multiplayer-Spiel? Sicherlich, es ist nur ein Spin-off, aber es gibt zwei Dinge, die einfach nicht zusammengehören: Survival Horror und Multiplayer.
Kurz zur mageren Geschichte des Spiels: Man bekommt eines Tages von einem mysteriösen Postboten (übrigens dem selben, der in Silent Hill Downpour erscheint) ein ebenso mysteriöses Buch, das namensgebende Buch der Erinnerungen. Der Protagonist schreibt es um, und muss sich fortan durch mehr oder weniger labyrinthartige Dungeons schnetzeln. Alleine oder im Multiplayer.
Am Anfang darf man sich einen Charakter selbst zusammenbasteln, allerdings ist das Ganze mehr gewollt als gekonnt. Mal davon abgesehen, dass sowas in Spiele wie "Die Sims" gehört, sind die Auswahlmöglichkeiten derart gering, dass man die Figur eigentlich auch gleich so lassen kann, wie sie ist.
Danach landet man auch gleich im ersten Dungeon, in dem man von Valtiel begrüßt wird. Ja, Valtiel ist in diesem Spiel wohl sowas wie der nette Pförtner am Anfang jeder Zone - man bekommt sogar Geschenke von ihm, ist das nicht niedlich? Ja, braver Valtiel, fein! Hier hast du einen Keks! Also hört mal, es ist Valtiel! Eines der verstörendsten Monster der Silent Hill-Reihe! Wie kann man ihn nur zu sowas degradieren? Fehlt nur noch, dass Pyri mir die Türen aufhält...
Was dann folgt, ist stupides Dungeon-Crawling. Das Spiel besteht aus Zonen, jede Zone besteht aus miteinander verbundenen Räumen. Manche Türen sind offen, für andere braucht man einen Schlüssel. Schlüssel und andere Items liegen in Möbelstücken bzw. deren Schubladen. Das einzige, was man also tun muss, ist stupide herumzulaufen, und zu warten, bis irgendwo das X-Symbol erscheint, und man eine Schublade öffnen kann.
Dass man dabei nicht ganz ungestört ist, ist klar. Also dachten sich die Macher, greifen wir doch einfach in einen bunten Topf voller lustiger Monster aus dem gesamten Silent Hill Universum, und werfen das Zeug planlos ins Spiel. So trifft man also auf Nurses, Splitheads, Air Screamer, Insane Cancer, Flesh Lips... der geneigte Silent Hill Fan wird gleich merken, dass hier wirklich die Gegner aus sämtlichen Teilen missbraucht wurden.
Erwehren kann man sich der Monster mit diversen Schlag- und Schusswaffen - linke und rechte Hand. Manche Waffen werden beidhändig geführt, z. B. Baseballschläger und Stahlrohr. Einhändige Waffen sind z. B. das Messer, Fleischerbeil, Holzplanke und Pistole. Und weil wir das so lieben, sind die Waffen natürlich nicht unkaputtbar - nein, ganz im Gegenteil! Erst sind sie grün, dann gelb, dann rot, und dann sind sie... kaputt. Und somit verloren. Man kann sie zwar mit Werkzeugsets reparieren, die ebenfalls in Schubladen herumliegen, jedoch kann man immer nur die aktuell ausgerüsteten Waffen damit reparieren. Verpennt man das, sind die Waffen weg. Bis man sie irgendwo nochmal findet.
Durch eine Rucksack-Erweiterung kann man später zwar ein paar mehr Waffen tragen, allerdings ist das ganze Waffensystem sehr starr und schlecht umgesetzt. Die Gegner haben alle verschiedene Schwächen gegen verschiedene Waffen, im Grunde ist es aber egal, womit man sie bearbeitet - tot sind sie immer irgendwann. Ich persönlich habe zwar erst drei Zonen beendet, bin aber kein einziges Mal gestorben. Einen wählbaren Schwierigkeitsgrad gibt es nicht, und am Anfang erscheint es mir wie "Superleicht". Erst in Zone 3 wurde es etwas schwieriger.
Das Spiel beinhaltet auch einige RPG-Elemente, so gibt es Stufenaufstiege und Skillpoints. Außerdem kann man seine Werte mit Artefakten verbessern. Artefakte bekommt man durch das Erledigen von Aufgaben (Gegner töten) oder im Shop.
In jeder Zone muss man Puzzle-Notizen sammeln, um am Ende ein Rätsel zu lösen, und die Zone zu beenden. Außerdem gibt es in jeder Zone einen Raum, in dem man speichern kann. Der kommt allerdings oft erst ganz am Ende, so dass man sich erstmal durch alle Räume davor kämpfen muss. Hat man dann irgendwann keine Lust mehr, und den Speicherraum noch nicht gefunden, gehen alle Fortschritte verloren.
Es gibt ebenfalls immer einen Raum mit einem Shop. Der Verkäufer ist - wie sollte es anders sein - der Postbote. Man kann hier Waffen, Artefakte oder Items kaufen, z. B. auch Accessoires wie eine Hannibal-Maske oder einen Zylinder. Nett, aber warum zur Hölle braucht man das in einem Silent Hill? Damit man gut aussieht, wenn man die Nurses verdrischt? Die Waffen, die man kaufen kann, sind völlig überteuert, zumal sie auch so überall herumliegen. Verkaufen kann man auch, da man aber kaum was bei sich tragen kann, ist das ebenso nutzlos.
Noch ein paar Worte zum Multiplayer: Man kann über's Internet oder über Direktverbindung zu anderen PS Vitas mit anderen spielen. Man kann vorhandenen Spielen beitreten, und auch selbst welche hosten. Teamspeak über VOIP ist möglich, ich persönlich habe die Leute allerdings null verstanden. Da ich in die vorhandenen Spiele nie reingelassen wurde, weil sie voll oder schon im Gange waren, hab ich selbst eins gehostet, und sobald sich der erste in der Lobby eingefunden hatte, hab ich das Spiel gestartet. Dumm nur, dass der Kerl immer irgendwo war - nur nicht da, wo ich war. Der hat also seine eigene Erkundungstour gestartet, und wir konnten nur selten zusammen kämpfen. Irgendwann ist er dann einfach verschwunden. Ich muss sagen, da hat es alleine mehr Spaß gemacht.
Möglicherweise wäre es unterhaltsamer, wenn man mit Leuten von seiner Freundesliste zockt, aber da von denen noch niemand das Spiel hat, konnte ich das auch noch nicht testen. Ich kann mir aber nicht vorstellen, dass der Multiplayer das Spiel kurzweiliger macht, denn es ist einfach nach kurzer Zeit stinklangweilig. Die Räume sehen alle gleich aus, das Gegner-Geschnetzel ist einfach nur hirnlos und öde, und spätestens wenn man irgendwo einen Schlüssel oder ein anderes Item übersehen hat, und nochmal durch sämtliche Räume rennen muss, vergeht einem endgültig die Lust.
FAZIT:
Ich weiß wirklich nicht, was die Entwickler sich bei diesem Spiel gedacht haben. Als Silent Hill ist es einfach nur ein Armutszeugnis... nein, mehr als das. Es ist eine Frechheit! Und selbst mit anderem Namen wäre es ein stinklangweiliger, eintöniger Dungeon-Crawler, bei dem man spätestens nach 2 Stunden die Lust verliert.
Konami, hört endlich auf, Silent Hill zu verwursten und das Franchise mit solchem hirnlosen Müll zu vergewaltigen! Die Fans wollen Survival Horror, nicht Super Mario Hill oder Final Hilltasy! Book Of Memories ist ungefähr so gruselig wie Kirby's Dreamland. Als Horrorspiel also fail. Als Adventure ebenso fail, da es einen nach kurzer Zeit anödet. Multiplayer? Fail. Denn wenn man die Langeweile mit anderen teilt, wird es auch nicht aufregender.
Alles in allem sollte dieses Machwerk besser von allen echten Silent Hill Fans boykottiert werden, damit wir in Zukunft nicht mit noch mehr solchem Unfug überhäuft werden.