Als ich diverse Trailer zum Spiel sah, dachte ich, dass Silent Hill 4 der sicherlich gruseligste Teil der Reihe werden würde. Für Leute, die zum ersten Mal ein Silent Hill Game spielen, ist das wahrscheinlich auch der Fall, jedoch nicht für die, die schon Bekanntschaft mit den grandiosen Vorgängern gemacht haben.
Im Gegensatz zu denen, leuchtet SH4 heller, als ein Weihnachtsbaum. Kein Radio, keine Taschenlampe, muss ja auch nicht sein. Jedoch lief mir so gut wie nie ein kalter Schauer über den Rücken. Die Kamera hinter Henry (die Spielfigur) ist zu weit nach hinten positioniert, sodass das Geschehen nicht so intensiv wirkt. Man hört fast nie eine Hintergrundmusik, die einen irgendwie nach vorne peitscht oder ihn in "Panik" versetzt. Auch über die Sounds und das Verhalten der Gegner musste ich manchmal lächeln. Rölpsende Krankenschwestern, Menschenaffen, die auf der Stelle hüpfen sind nur Beispiele. Sie sehen zwar nach wie vor erschreckend aus, nerven aber meist nur. Ab der zweiten Spielhälfte verfiel für mich dann der meiste Spielspaß, vor allem wegen seiner "hilfreichen" Begleitung. Es bremst einfach ständig den Spielfluss, wenn man warten muss, bis sie endlich an der Tür, durch die man gehen will, warten muss. Auch wenn man ihr keine Waffe in die Hand drückt, wendet sie sich trotzdem den Gegnern zu und ein Kampf scheint unausweichlich. Warum muss man auch jeden Abschnitt zweimal durchlaufen? Da bleibt einfach die Spannung weg. Zudem sind sie viel zu klein geraten. Zu wenig Schusswaffen gibt es auch, dafür zuviele Nahkampfwaffen. Wozu die zigtausend Golfschläger? Die Grafik hat eigentlich keinerlei Fortschritte gemacht, manchmal eher Rückschritte, da die Animationen einfach hölzern wirken.
Das mit dem Raum ist so eine Sache. Wenn man mitten im Spiel wieder einmal in seine Wohnung zurück muss, verfliegt die Atmosphäre (wenn sie denn mal aufkommt).
Andererseits ist es eine interessante Neuerung. Die Ego-Perspektive steuert sich zwar etwas starr, jedoch erlebt man das Geschehen im Raum "Live". Auch den Exorzismus, den man betreiben kann, ist eine gute Idee. Ebenfalls positiv ist das verbesserte Item-System, manchmal etwas zu wenig Platz, da man leider nur 10 Items tragen kann. Jedoch geht es schneller von der Hand. Der Sound an sich ist wieder einmal erstklassig (abgesehen von der nicht vorhandenen Musik und den Gegnern). Das Beste am Spiel ist immer noch die intelligente Story, die viel bietet und man auch erst gegen Ende erfährt, was da eigentlich vor sich geht. Man muss auch nicht die Vorgänger gespielt haben, um sie zu verstehen. 4 verschiedene Enden gibt es auch, leider einen viel zu unspektakulären Endkampf.
Insgesamt überwiegen für mich die Nachteile, leider. Man merkt einfach, dass sie das Spiel in nicht allzu großer Zeit entwickelt haben, vor allem wenn man einmal die Vorgänger gespielt hat, die ja sehr gut waren und es immer noch sind. Man brauch einfach nicht jedes Jahr einen neuen Silent Hill-Teil.
Dennoch finde ich einige schlechte Wertungen übertrieben, da sich doch einiges gebessert hat.
Silent Hill 4 - The Room ist kein schlechtes Spiel, für mich aber definitiv der schwächste Teil der Reihe.