Bislang entsprachen fast alle Horrorgames dem Standart dunkler Straßen, verlassener Häuser und heranwackelnder Zombies. Die Handlung war zwar immer atmosphärisch, jedoch meistens dünn, und beschränkte sich auf Verschwörungen, die Erweckung von Lebenden Toten und diverse Heimsuchungen. silent Hill 2 löst sich von diesem Schema TOTAL ab! Das Spiel beginnt unscheinbar, und man wiegt sich sofort in dem Gedanken, ein "Standart-Horrorgame" zu spielen. Man läuft durch dunkle Waldwege und verlassene Tunnels, bis man die Stadt erreicht. Die ersten Minuten des Spiels, kommen vom Flair her einem Teil der Resident-Evil Serie sehr Nahe, und viele bewerten bereits zu diesem Zeitpunkt übereilig, und sagen lauthals: "Müder RE-Abklatsch". So war auch mein Gedanke, als ich die ersten 3 Minuten gespielt habe, aber urplötzlich änderte sich meine Ansicht sehr schnell! Die Gegner sind keine "Standart-Zombies", und die Umgebungen wirken nicht so krampfhaft "unheimlich gemacht" wie in anderen Spielen. Die "Bösewichte" in Silent Hill 2 sind EINZIGARTIG. Sie wirken nicht auf "bösartige" Art furchteinflössend, sondern simpel und einfach verstörend, irre, krank, primitiv und abgefahren. Die Gegner sind diese Art "schlurfenden Grauens", die einen im Spiel zurückweichen lassen. Die Wimmelnde Bewegung der hölzernen - fast abstrakt wirkenden - "Holzpuppen", die spastisch zuckenden aufgedunsenen "Puppenköpfe" auf den Körpern verwesten Krankenhauspersonals, die absurden Pyramidenköpfe... es ist unmöglich diese Kreaturen wirklich zu beschreiben - geschweige ihnen Namen zu geben, sie einzuordnen, oder sie mit Monstern aus anderen Spielen zu vergleichen. Sie haben keine roten Augen oder scharfe Krallen, sondern bringen simpel und einfach tierhaft primitives bedrohliches - sowie teilweise EKELHAFTES und MYSTISCHES - Aussehen und Verhalten mit sich. alleine diese Tatsache, kitzelt schon zu Beginn an der Psyche des Gamers. Jeder Gegner passt auf eigenwillige Art perfekt in die jeweilige Umgebung, und die Umgebung ist mitunter einer der Hauptfaktoren, die einen großen Teil zum grotesken "Psycho-Grauen" dieses Spiels beitragen. Zu Beginn Beschränken sich die Umgebungen auf oberflächliche "Gruselzonen" (nächtliche verlassene Straßen, verlassene Gebäude....). Im Laufe des Spiels, ändert sich das aber auf schleichende Art. Die Umgebungen werden immer irrealer, abgefahrener und verstörender. Es wird einem das Gefühl vermittelt, in einem wahnsinnigen "Gefängnis ohne Mauer" zu sitzen, und einen bösen Traum zu durchleben, der schier kein Ende nehmen will. Egal ob man nun durch die Straßen von Silent Hill läuft, oder durch die engen Flure eines verlassenen Krankenhauses irrt...es herrscht ein durchgehend beklemmendes Gefühl. Die Dialoge - welche zu Beginn eher oberflächlich wirken - ändern sich im Einklang mit der Umgebung von oberflächlichen "Horrorfloskeln" in psychedelisch abgefahrenes Grauen in der reinsten Form. Dinge die in anderen PC-Spielen bislang tabu waren, werden in Silent Hill 2 mit erschreckender Intensität und geradlinigkeit in Szene gesetzt. Wer blutiges Actiongemetzel haben will, wird an Silent Hill keine Freude haben, denn hier geht es nicht um heraushängende Gedärme oder konstante Brutalität, sondern um PSYCHOLOGISCHEN Horror. Dieser psychologische Horror, wird in SH2 nicht nur als das Mittel zum Zweck verwendet, sondern als KUNSTFORM präsentiert. Raum für Raum - vom Anfang bis zum Ende des Spiels - bringt neue Erfahrungen mit sich, und schafft es - was bislang nur in wenigen Spielen der Fall war - eine durchgehende aber extrem abwechslungreiche (und vor allem SEHR TIEFGEHENDE) atmosphäre zu schaffen. Man muss viel Phantasie haben, wenn man SH2 wirklich spielen will, und in den Genuss dieses speziellen Nervenkitzels kommen will, denn wie bei einem guten Buch, spielt sich auch hier sehr viel im Kopf ab. Alleine die Tatsache, dass Gegner hier nicht mit Schusswaffen auf einen zustürmen, sondern (wie beispielsweise diese "Holzpuppen" - falls man sie so nennen kann) kränkelnd auf einen zuschlurfen, wackeln, wimmeln und trippeln, erzeugt starke Eindrücke von Krankheit, Ekel und dem Bewusstsein, total alleine mit primitiv gefährlichen "Dingen" in dieser Stadt gefangen zu sein. die Licht- / Schatteneffekte sind überaus gelungen, die Grafik ist teilweise hochauflösend, und es gibt nur einige wirklich pixelige Stellen (die aber widerum durch den tollen Nebel nicht auffallen). Spielt man länger, so kommt man bald darauf, dass es sich keineswegs um "seichten Horror" handelt, sondern um "etwas", das ich schlicht als "den reinen Wahnsinn" bezeichnen kann. Viele die glauben, dass Horror alleine auf exzessiver Brutalität beruht, können sich bei Silent Hill 2 vom Gegenteil überzeugen. SH2 ist kein plumper "Schreckgespenst-Horror", sondern die Geschichte eines Mannes, der seinen zügellosen Wahnsinn - getränkt von Schmerz, Hasse, Verzweiflung und Angst - durchlebt, und der von den hintersten schwärzesten Winkeln seiner Psyche langsam, schleichend aber beständig aus jeder Form der Realität gezogen wird. In meinen Augen ist Silent Hill 2 nicht nur ein Horrorgame, sondern ein wahres KUNSTWERK, was psychologischen Horror anbelangt. Von den erstren Eindrücken bis zur Endsequenz, spielt SH2 auf der Klaviatur der Nerven, des Unbehagens, und der eigenen Angstempfindungen.