Die Compilation "Silence" beinhaltet die Stücke der letzten gemeinsamen Studiosessions des American Quartet von Keith Jarrett mit Paul Motian an den Drums, Charlie Haden am Bass und dem Saxophonisten Dewey Redman. Ursprünglich sind diese Aufnahmen 1977 als LPs "Byablue" und "Bop-Be" erschienen. Bis auf drei arg experimentell klingende Titel mit Weltmusik-Einschlag sind alle Stücke auf der CD "Silence" vereint.
Jarretts American Quartett deckt eine recht große Bandbreite verschiedener Jazz-Stilrichtungen der 1970er Jahre ab. Das zweite Charakteristikum ist die einigermaßen gleichmäßige Verteilung der Kompositionen auf alle vier Ausnahme-Jazzer. Während die beiden (recht problematischen, wenig zugänglichen) Alben "Mysteries" und "Shades" ausschließlich Jarrett-Stücke enthalten, gibt es auf "Silence" nur ein einziges von Keith Jarrett komponiertes Stück, mit "Bop-Be" allerdings eine sehr tolle, beschwingt-groovige Nummer. Die anderen Stücke wurden von Motian, Redman und Haden bzw. Alec Wilder/Loonis McGlohon geschrieben; ein Titel ("Rainbow") ist von Margot Jarrett, des Meisters erster Ehefrau.
Es soll bei diesen Aufnahmen unter den Musikern Spannungen gegeben haben, weswegen es auch schließlich zur Auflösung des Quartets gekommen ist. Man merkt das der Musik nicht an: "Silence" ist eine recht gelungene Zusammenstellung von entspannten und zumeist eingängigen Titeln des American Quartet. Redmans Saxophon ist selten zu aufdringlich (wie teilweise in "Mushi Mushi" und "Pocket Full Of Cherry"), dafür erlebt man das Quartett in großer Frische bei "Trieste" und "Blackberry Winter" sowie in konzentrierter Lyrik bei "Rainbow" und "Silence", einer fantastischen Charlie-Haden-Komposition. "Gotta Get Some Sleep" ist etwas roher geraten.
Neben dem Sampler "The Impulse Story" ist "Silence" trotz einiger schwächerer Passagen eine der empfehlenswerten Scheiben des American Quartet.