Silence Is Betrayal ist ein Gesamtkunstwerk! Sowohl vom Albumtitel, dem Cover, den Songtiteln und Texten als auch vom musikalischen Intent. Mit einer Menge reinrassiger Metalriffs veredelt, springt einen bei FIRST BLOOD das Ungemütliche, das falsch Laufende, die fiese Lebensbestie, direkt und ohne Vorwarnung ins Gesicht. Silence Is Betrayel steht zudem aussagetechnisch der aktuellen Streitschrift-Logik großartiger Autoren wie Jean Ziegler (Aufschrei des Gewissens) oder Stephane Hessel (Empört Euch!) in nichts nach. Mit Ein-Wort-Titeln betreibt die Band einen Kessel Buntes an Zivilisationskritik und Widerstand. Deshalb verwundert es mich, dass dieses Album, zumindest in den USA, noch nicht auf dem Index gelandet ist. Ein Blick ins Booklet sollte da schon genügen!
Textlich ist das Album also für jeden Politikinteressierten, Weltgeschehensbeobachter und Aktivisten eine wahre Wonne und auch über die benutzten musikalischen Ingredienzien der All-Star-MetalCoreler lässt sich nicht streiten: aggressiv, brutal, gewalttätig und alles zusammen fettenst produziert. Olle Leiern wie "erwachsen geworden" oder "jedes Riff, jeder Break, jeder Beatdown sitzt an der richtigen Stelle" haben zu einem Album nie besser gepasst als hier, sofern man halt gegen einen gewissen Anteil an Gangshouts und Beatdowns nichts einzuwenden hat. Songs hervorzuheben fällt - im Rahmen abgenutzter Floskeln - ebenfalls schwer, da alle Titel einen gleichbleibend hohen Qualitätslevel halten und zudem mit Zwischenspielen oder Zitat-Samples zu einem homogenen Ganzen verbunden wurden. Preamble, Resist und Detach, die sich wie eine Zecke in Gehörgang und Hirn festbeißen, sollten eventuelle Zweifler aber bereits nach kurzem Reinhören überzeugen. "How can we live life without ever questioning, How can we accept this world of inhumanity?"