Ich bin ein begeisterter Kinder und Jugendbuch Leser und freute mich sehr, als ich 'Silbertod' im Bücherregal entdeckte. Die Covergestaltung ist recht ansprechend und auch der Klappentext verspricht ein innovatives, neues und einzigartiges, spannendes Lesevergnügen.
Auch die durchweg positiven Rezensionen auf amazon.de bewegten mich zum Kauf des Buches. Leider wurde ich etwas enttäuscht.
'Silbertod' verfügt über eine große Schrift, was das Lesen erleichtert und dazu führt, das man es innerhalb weniger Tage ausgelesen hat. Die Sprache ist einfach gehalten, ab und zu gibt es ein paar Fachwörter, aber im Großen und Ganzem ist es linguistisch gesehen keine große Herausforderung für Kinder und Erwachsene.
Die Beschreibungen von Charakteren, Schauplätzen und Vorkommnissen wirken sehr lebendig und kreieren eine unverwechselbare und einzigartige Atmosphäre. Außerdem erhält der Leser so einen guten Zugang zu der Welt in 'Silbertod'. Leider merkt man an einigen Stellen Higgins krampfhafte Versuche, die Charaktere rund und vielseitig/vielschichtig zu charakterisieren.
Vom Aufbau her, ist 'Silbertod' sehr kinderfreundlich. Unterteilt in 42 kurze Kapitel eignet sich das Buch hervorragend zum Vorlesen, bzw. bietet immer eine gute Möglichkeit Lesepausen einzulegen.
Bei der Gestaltung von Namen für Schauplätze und Charaktere erwies sich die Autorin als kleine Schöpferin und beeindruckten mich sehr.
Wie bereits erwähnt, ist der Klappentext recht spannend, doch 'Silbertod' mangelt es sehr an seiner Umsetzung. An einigen Stellen ist die Geschichte langatmig, eintönig und langweilig. Für ein Buch, dass in der Jugendbuchabteilung (ab 12 Jahren) zu finden ist, ist die Geschichte an sich etwas zu platt und einfach. Das Werk erscheint wie eine riesige Exposition eines viel größeren (von Higgins erdachten) Universums. Das Ende ist offen und es gibt Verweise auf das erste Buch der Autorin (Das schwarze Buch der Geheimnisse), was weitere Bücher und Fortsetzungen versprechen lässt. Finde ich persönlich jetzt nicht so angenehm, da ich mal wieder EIN Buch mit abgeschlossener Handlung lesen wollte und mich nicht 'schon wieder' auf eine neue Buchreihe einlassen wollte.
Die Autorin reichert zudem ihr Werk mit zu vielen überflüssigen Informationen über Personen und Charakteren an, die für die Haupthandlung absolut nicht relevant sind (noch nicht, wahrscheinlich greift sie auf diese Personen in Folgebänden zurück) und ihr massiv schaden. Dadurch verliert die Geschichte ihren Reiz, 'dümpelt' zäh und träge vor sich hin wie der Foedus selbst und das eigentliche Rätsel um den Silber Apfel Mörder geht zunehmend unter/verloren.
Im Englischen heißt das Buch 'Der Knochenmagier', was ich als Titel weitaus treffender finde, als der gewählte 'Silbertod', denn wie bereits erwähnt, spielt der groß angekündigte Silber Apfel Mörder nur eine sehr kleine Nebenrolle in der zwielichtigen Stadt Urbs Umida.
Auf den letzten 40 Seiten gewinnt die Handlung zwar etwas an Fahrt, jedoch ist die Auflösung des Buches und ihrer vielen Rätsel etwas zu kurz abgefertigt und zu schnell aufgelöst worden. Meiner Meinung nach scheitert die Autorin daran, einen spannenden Kriminalroman für Kinder zu schreiben, denn ihre 'Hinweise' die sie dem Leser etwas holperig beim Lesen unter geschoben hat und die in der Auflösung genannt werden , sind teilweise etwas zurecht gebastelt und nicht sehr klug verknüpft bzw. in die Handlung eingebettet. So verlor das Mitraten 'Wer steckt hinter dem mysteriösen Mörder?' komplett seinen Reiz und man wurde beim Lesen von dieser Frage auch viel zu sehr durch Nebenhandlungen und der Vorstellung von neuen Charakteren abgelenkt.
Kurze Zusammenfassung:
Leider hält der interessante Klappentext nicht was er verspricht. Es fehlt 'Silbertod' an Spannung, seine Handlung ist zu gradlinig, jedoch sind die letzten 40 Seiten ok und das Ende ist offen gehalten.
Zum Ausleihen aus der Bibliothek ist das Buch ganz in Ordnung, jedoch würde ich es Zu hause als essentieller Teil einer guten Kinder und Jugendbuch Literatur nicht vermissen.