"Silbermond und Kupfermünze" erzählt die Geschichte eines genialen Malers. Der vierzigjährige Londoner Börsenmakler Charles Strickland durchbricht unerwartet seinen bisherigen Lebenskreis, verläßt Frau und Kinder und gibt materielle Sicherheit und bürgerliche Existenz auf, um fortan nur noch zu malen. Von fanatischem Schaffensdrang besessen, alle künstlerischen und gesellschaftlichen Konventionen mißachtend, führt er erst in Paris, dann in Marseille ein armseliges Dasein. Auf Tahiti findet er schließlich, wonach er verzweifelt sucht: Schönheit und paradiesische Unschuld. Hier entstehen seine fremdartig-schönen Meisterwerke, bevor sich sein tragisches Schicksal vollendet. In der Gestalt Stricklands spiegeln sich unverkennbar Züge des französischen Malers Paul Gauguin, obwohl es nicht William Somerset Maughams (1874 - 1965) Absicht war, einen Gauguin-Roman zu schreiben. Ihn interessierte vielmehr das Problem des künstlerischen Genies und seiner Durchsetzung in der bürgerlichen Gesellschaft, das er aus verschiedenen Blickwinkeln erhellt, ohne dem Leser eine bequeme Lösung zu präsentieren. Manfred Orlick, Halle