Wenn ich noch einmal einen (unbegründeten) Vergleich mit Tolkien lesen muss, dann schreibe ich selber Bücher. Was Tolkien geleistet hat liegt weniger in seinen literarischen Werken sondern vielmehr in der Erschaffung eines Mythos, wie ihn England zuvor nicht hatte.
Kay erschafft hier leider gar nichts. Alle "Story-Elemente" (soweit man von einer Story sprechen kann, sind es doch eigentlich nur Versatzstücke, die man schon dutzendfach vorher gelesen hat) fügen sich nur widerwillig aneinander, mit Schmalz und Honig verklebt lassen sie weder die Protagonisten als Menschen erscheinen noch Spannung oder Interesse an der Parallelwelt Fionavar aufkommen.
Es stößt schon ab, daß Studenten aus Toronto den (nicht wirklich erklärten) grausamen Mord an einem fremden Wesen gleich zu Beginn des Buches einfach hinnehmen. Daß sie mit ein paar fadenscheinigen Worten abgespeist sich auf völlige Phantastik einlassen - und in einer anderen Welt Tod, Meuchelei, Chaos einfach akzeptieren. Solch eindimensionale Charaktere habe ich seit der Hardcore-SF Ära nicht mehr gesehen. Erstaunlich, daß erst im Tod einer der "Charaktere" tatsächlich Menschlichkeit zeigt - ansonsten agieren hier nur Statisten, leere Namen und ein Plot, wie er im "Rad der Zeit" von Jordan, bei Goodkind und all den anderen "Standards" auch verwendet wird.
Man kann Fionavar lesen, man kann vielleicht sogar Spaß daran haben - wen man es als leichte, wenig Konzentration erfordernde "Nebenbei"-Lektüre nimmt. Anteil an den Schicksalen, Mitgefühl oder gar "Mitfiebern" sollte man aber beim Lesen nicht erwarten, dafür ist das alles einfach zu banal.