Es beginnt harmlos bei schönstem Sommerwetter in Potsdam: Ein dicker Küchenmeister schleppt, von Stechmücken geplagt, allerhand Speisen auf einen Weinbergshügel. Nebenbei liest er einen kleinen Liebesbrief, den ihm eine reisende, gelehrte und schöne Dame geschickt hat. In kleinen Schritten wird die Szene erweitert, und es dauert nicht lange, und Friedrich II., König in Preußen, sitzt höchstpersönlich mit Freunden beim "Pickernick" ... genau da, wo dann ein paar Jahre später Sanssouci, sein Bungalow im Grünen, stehen wird. Fast ohne, dass die LeserInnen es bemerken, weil sie von einer Speiseliste abgelenkt sind, die zum Zusammenbrechen fulminant ist, wird die weitere Handlung angesponnen. Der König berichtet, dass die neue Balletttänzerin Barbera, die in Berlin die neue Oper bereichern soll, nicht spurt. Wie er es tut, signalisiert jedem, der hier 0-8-15-Historien-Schmock erwartet/befürchtet, dass er einen Gang höher schalten muss/darf: Doch hat sich die Ballerine in Paris zuletzt reichlich widerspenstig gezeiget und ist mit einem Schotten in ihre Heimatstadt Venedig durchgebrannt. ... Seindt das nicht spaßig, wenn die Opera zu spielen beginnet, noch bevor man die Balletteuse im Hause hat?" Das ist grandios! Und entspricht exakt dem Königsdeutsch, das der Briefwechsel Friedrichs II. mit seinem Kammerier Fredersdorff dokumentiert. Wenn soviel Akuratesse und Komik (Langustier erfindet u.a. eine Wurstkreation, die jeder Berliner kennen dürfte ... und ein beim Picknick Eingenickter wird im alles wegspülenden Gewitter zurückgelassen) schon im ersten Kapitel stecken, dann geht man in die Knie, bei dem was folgt: Die Eröffnung der Oper im Beisein Voltaires wird zu einem Erlebnis, für das allein 9,80 gerechtfertigt wären. Ob man es will oder nicht, bekommt man eine komplette Venedigreise (der Autor muss dagewesen sein, und nicht nur einmal!) samt Spielcasinobesuch, Alchemistenvorführung, Einführung ins Bogenschießen, und ... jede Menge Küchenlatein. Laut FAZ hatte der Autor damals einen Sternekoch zum Freund; der wird selbst mit den Ohren geschlackert haben, was da alles aufs Tapet kommt. Honoré Langustier ist ein Küchenchef, dem selbst Amy Myers Auguste Didier nicht das Wasser reichen kann. Der kocht wirklich! Und nutzt freilich die Gelegenheit, die venezianische Küche kennenzulernen. Wer das gelesen hat, will allein des Essens wegen sofort nach Venedig aufbrechen! Und vor allem ... will er gleich den nächsten Langustier-Roman verschlingen. Garantiert! (Ach ja, fast hätte ich es vergessen: Der Mord ist wortwörtlich "blutig", und die Arbeit des Detektivkochs steht der des Kochdetektivs in nichts nach. Selbst wenn man sich wundert, dass eine historische Figur ... ach, nichts weiter verraten ...)