Die Geschichte ist allein schon deshalb interessant, weil sie im Gewühl aller entstehenden Publikationen tatsächlich etwas völlig Neues zu bieten weiß. Im Zentrum stehen nicht nur Fledermäuse an sich, sondern auch ihre Sicht der Dinge und der Welt, ihre Feinde und die Unterschiede zwischen verschiedenen Arten.
All dies ist ebenso gelungen in die Geschichte des flügge werdenden Schatten eingewoben wie die Tatsache, dass der kanadische Autor Kenneth Oppel sich auch redlich und erfolgreich bemüht hat, sich auch sprachlich in die Fledermäuse hinein zu denken. Farben außer silber, schwarz und weiß finden sich nur an genau einer Stelle - wohl am ehesten ein übersehener Schnitzer -, denn Fledermäuse verfügen nicht über Farbsehen. Stattdessen haben sie weitreichende Möglichkeiten, sich durch Klangsehen zu orientieren und mitzuteilen, und auch dies hat der Autor gekonnt umgesetzt - auch, wenn das Wort "Klang" dadurch in sicherlich dreistelliger Zahl in dem Buch vorkommt.
Sprecher Jens Wawrczeck, der den meisten Leuten als Peter Shaw aus der Hörspiel-Reihe "Die drei ???" bekannt sein dürfte, liest diese geringfügig gekürzte Fassung. Seine feste Verbundenheit mit dem vorgenannten Peter macht es dem Hörer nicht ganz so leicht zu Anfang, sich in die Fledermaus-Geschichte einzufinden, doch rasch hat man sich an seine Stimme gewöhnt und lauscht begeistert der Lesung. Auch Wawarczeck beherrscht das vielgerühmte Talent, den einzelnen Charakteren eigene Stimmen durch Modulation der eigenen zu geben. Unterstützt wird er dabei durch diverse Verzerrungen und technische Veränderungen, die jedoch so dezent eingesetzt wurden, dass sie nicht störend wirken.
Nur bei dem Sprechen der Marina enttäuscht der Sprecher, da er ihr eine für ihr Alter zu maskulin und auch zu erwachsen wirkende Stimme verleiht, wohingegen Schatten mit seiner Kinderstimme weit abschlägt. Das macht es schwer, die stetige Annäherung der beiden Fledermäuse aneinander zu glauben und nachzuvollziehen, so gut sie auch rein textlich umgesetzt wurde.
Auch manche Betonungen, die beispielsweise aus einer Ariel eher eine "Arielle" werden lassen, sind etwas ärgerlich.