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Sigur-Rós-Musik ist episch, langsam, getragen, weit -- beinah ein Postkartenklischee für die Ohren von ihrer isländischen Heimat, dafür aber doch zu unkitschig. Koordinaten, die -- mit einigen Abweichungen bei gleich hohem Fesselungsgrad -- grundsätzlich auch auf ( ) zutreffen. Zum einen singt Gitarrist Jon Thor Birgisson, der sein Instrument gern mit dem Geigenbogen spielt, diesmal keine Texte -- was allerdings kaum einen Unterschied machen wird für alle, die auch die isländischen Texte auf den Vorgängern nicht verstanden und sein hohes, beinah feminines Klagen vor allem Klangfarbe wahrnahmen. Zum anderen scheint ( ), aufgenommen in einer ehemaligen, zum Tonstudio umgebauten und freistehenden Schwimmhalle in Island, durchaus etwas mehr Licht zu besitzen und wirkt weniger orchestral als das schwere, streichersatte Ágætis Byrjun. Der genussvollen, menschlichen Melancholie tut das keinen Abbruch: Sie findet eben bei Tagesbeleuchtung statt.
Kaum vorstellbar, dass solche Musik von anderen kopiert werden könnte. Wobei -- es gibt ja nichts, das es nicht doch gibt. Sonst gäbe es wohl auch Sigur Rós nicht. --Rolf Jäger
Manchmal werfen Debütalben so lange Schatten, dass ihnen eine Band kaum entrinnen kann. Das majestätisch schöne Ágaetis Byrjun von Sigur Rós gehört dazu, und jedes Nachfolgewerk drohte daran zu scheitern. Doch die leicht verschrobenen Isländer scheitern nicht, denn sie haben sich etwas einfallen lassen. Nicht, dass sie ihre Musik neu erfunden hätten: Sigur Rós arbeiten erneut mit wunderschönen, episch breiten Klangteppichen, wechselnden Dynamiken, dem Spiel von laut und leise und dem unverständlichen Gesang in der selbst erfundenen, mystischen Sprache Hopelandish.
Etwas karger und feinfühliger klingt diesmal alles. Von Nuancen abgesehen, könnte die Rezension zu Ágaetis Byrjun trotzdem vollständig übernommen werden. Was auch daran liegt, dass die Gruppe von der Atlantikinsel ihre Stücke zwar im eigenen Studio Alafoss aufgenommen und dann in Peter Gabriels Realworld-Studio abgemischt hat, doch ausgefeilt wurden sie während der vielen Liveauftritte. Konzertgänger werden deshalb schon Teile der Tracks des Zweitwerkes kennen, das von Sigur Rós den schlichten Titel ( ) erhielt.
Auch die acht Songs bleiben ohne Namen, im Booklet findet sich für jeden eine unbeschriebene Seite aus Transparentpapier, die noch gefüllt werden muss. Dazu kann jeder auf die Homepage der Skandinavier gehen und seine eigenen Texte eingeben, und dann werden aus den meistgewählten Worten und Satzwendungen die Lyrics zusammengestellt. Das dürfte einmalig in der Popgeschichte sein: ( ) ist also noch gar nicht komplett, hinreißend und tief emotional klingt es trotzdem. --Sven Niechziol
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