Sigur Rós

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the instrumental version of brennisteinn, now available to listen: https://t.co/gGKKmESBHp merch here: http://t.co/rsr49B4CxK


Biografie

Með suð í eyrum við spilum endalaust

Laut Sigur Rós-Frontmann Jón ‘Jónsi’ Þór Birgisson galten für seine Band bei der Entstehung ihres fünften Albums zwei Parolen: „Tempo“ und „Spaß“- nicht unbedingt Begriffe, die einem als Erstes in den Sinn kommen würden, um einem Besucher vom Mars das Gesamtwerk von Islands meistgefeiertem Ensemble zu beschreiben. Beide Attribute erweisen sich jedoch als wesentliche Elemente einer Platte, die zu gleichen Teilen vor Lebensfreude, einer außerordentlichen Zerbrechlichkeit sowie – langjährigen SR-Fans ist dies nicht neu – einer rapide zunehmenden ... Lesen Sie mehr

Með suð í eyrum við spilum endalaust

Laut Sigur Rós-Frontmann Jón ‘Jónsi’ Þór Birgisson galten für seine Band bei der Entstehung ihres fünften Albums zwei Parolen: „Tempo“ und „Spaß“- nicht unbedingt Begriffe, die einem als Erstes in den Sinn kommen würden, um einem Besucher vom Mars das Gesamtwerk von Islands meistgefeiertem Ensemble zu beschreiben. Beide Attribute erweisen sich jedoch als wesentliche Elemente einer Platte, die zu gleichen Teilen vor Lebensfreude, einer außerordentlichen Zerbrechlichkeit sowie – langjährigen SR-Fans ist dies nicht neu – einer rapide zunehmenden Transzendenz sprüht. Während letzteres Attribut Sigur Rós’ Veröffentlichungen seit ihrem von Effektpedalen geprägten 1997er Debütalbum Von kennzeichnet, markiert Með suð í eyrum við spilum endalaust den Höhepunkt eines evolutionären Zyklus, mit dem es dem Quartett aus Reykjavik gelingt, sämtlichen stereotypen Assoziationen mit ihrem geologisch einzigartigen Heimatland elegant aus dem Wege zu gehen.

Natürlich werden sie es nie ganz schaffen, die Eigenarten, die Magie und das Mysterium Islands hinter sich zu lassen – was ja im Grunde auch gar nicht ihre Absicht ist –, und trotz ihrer wieder aufgefrischten Überschwänglichkeit liefern Sigur Rós Anno 2008 immer noch jene Schwindel erregende symphonische Schönheit, von deren Raffinesse andere zeitgenössische Rockgruppen nur träumen können. Während melancholische Erhabenheit für Sigur Rós längst zum Standard gehört, hebt sich das neue Album von seinen Vorgängern durch Songs ab, die zugänglich intim sind, geradezu jubelnd klingen und – ganz recht – „Spaß“ machen. Kurz und gut, Sigur Rós beherrschen inzwischen sommerliche wie winterliche Klänge, wie Bassist Georg Hólm bestätigt: „Bei den Aufnahmen zu diesem Album fühlten wir uns ungewöhnlich energiegeladen. Außerdem entstanden die meisten Songs im Sommer … Wir haben schon immer Stücke geschrieben, die wir selbst für ‚fröhlich’ hielten – aber offenbar ist es uns bisher noch nie gelungen, dies entsprechend zu artikulieren …“

Obwohl das Album übersetzt ‚Mit einem Summen im Ohr spielen wir endlos’ heißt, gibt es von den Aufnahmen wenig Interessantes zu berichten. Der Weg von den ursprünglichen New Yorker Studiosessions mit Produzent Mark ‚Flood’ Ellis zu dem komplett gemasterten ‚Produkt’ nahm erstaunlicherweise nur knapp fünf Monate in Anspruch; der Begriff „Tempo“ war also tatsächlich Programm. Ganz offensichtlich hatte man aus dem Sommer 2006 gelernt, als Sigur Rós eine Reihe von Spontangigs in ganz Island spielten – einschließlich ihres ersten Auftritts ohne Elektrizität –, zu sehen in dem verführerischen Film Heima aus dem Jahr 2007 (der laut Jónsi „den vier Nerds die Kapuze vom Gesicht reißt“) sowie auf dem dazugehörigen Live-/Akustikalbum Hvarf-Heim. „Das Reizvolle daran war die Erkenntnis, dass es sich tatsächlich um Songs handelt, dass es tatsächlich eine Songstruktur gibt …“ gibt Georg zu und erinnert sich daran wie es war, als die Band zum ersten Mal ohne Verstärker oder Effekte spielte. Die Energie und Kargheit dieser ‚unplugged’-Auftritte hatten großen Einfluss auf das neue Album. „Viele der Songs entstanden auf Akustikinstrumenten, erst später stiegen wir auf andere Instrumente um, wobei wir uns manchmal für eine Mischung aus akustisch und elektrisch entschieden.“

Með suð… ist das erste Sigur Rós-Album, das hauptsächlich außerhalb Islands aufgenommen wurde; einige von Jónsis charakteristisch chorknabenhaften Vocals wurden in den Egrem-Studios im exotischen Havanna eingesungen, einem Ort, der gewählt wurde, als der düstere nordische Winter ein wenig zu beklemmend schien. Und so beginnt Með suð… denn auch weit abseits vom Februar-Trübsinn mit einem munter wummernden Fanfarenstoß namens ‚Gobbledigook’ (eine bewusste Anspielung auf Jónsis längst vergangene Vorliebe dafür, in jener erfundenen Sprache, die einst ‚Hopelandic’ genannt wurde, zu singen) und endet mit dem niederschmetternd sanften, von Blechbläsern liebkosten Nocturne ‚All Alright’, dem ersten Sigur Rós-Song in englischer Sprache.

Dazwischen liegt eine Litanei aus herzerwärmenden SR-Klassikern, einschließlich des atemlosen, erbarmungslos hook-lastigen ‚Inní mér syngur vitleysingur’ (In mir singt ein Wahnsinniger), einer gebieterischen Legierung aus akustischem Post-Rock und elegischer Hymne, die den Titel ‚Góðan daginn’ (Guten Morgen) trägt, und dem glückseligen, sich ständig steigernden ‚Við spilum endalaust’ (‚Wir spielen endlos’). Eine sublime Falsett-Vokalouvertüre, das vollkommen euphorische Crescendo-Finale namens ‚Festival’, zeigt derweil Sigur Rós auf dem Höhepunkt ihrer erstaunlichen, vielseitigen Fähigkeiten. ‚Ara Batur’ (Ruderboot) ist das einzige Zugeständnis dieses Albums an monumentale Orchestrierungen und wurde in einem Durchgang in den Abbey Road-Studios mit Unterstützung des Kammerorchesters London Sinfonietta sowie des Chors der London Oratory Boys’ School aufgenommen. Das Stück klingt sogar noch überwältigender und (vom Text her) wagnerianischer als diese Beschreibung vermuten lassen würde.

Solch ambitionierte Anliegen sind meilenweit entfernt von Sigur Rós’ bescheidenen Anfängen in Reykjavik, damals in den Grunge-besessenen frühen 1990ern. Benannt nach Jónsis kleiner Schwester und seiner verstorbenen Großmutter Sigurrós (‚Siegesrose’), wurde die Band von den Freunden Jónsi, Georg und Schlagzeuger Ágúst Ævar Gunnarsson gegründet. Zum Teil von Spiritualized und The Verve beeinflusst, stieß das bereits erwähnte Von (Hoffnung) bei seinem Erscheinen 1997 auf lokale Anerkennung, bevor Gunnarsson durch Orri Páll Dýrason ersetzt wurde und der begnadete Live-Keyboarder/Multiinstrumentalist Kjartan Sveinsson kurze Zeit später bei Sigur Rós einstieg. 1999 folgte Ágætis byrjun (Ein annehmbarer Start), ihr Debüt beim UK-Label FatCat und definitiv ein Kritikererfolg, während das darauffolgende ( ) 2002 weitere Lobeshymnen kassierte und der Band Fans wie David Bowie und Radiohead-Frontmann Thom Yorke bescherte. Es folgten ein Vertrag mit EMI sowie Ba Ba Ti Ki Di Do, eine traumhaft schillernde EP mit von Merce Cunningham in Auftrag gegebener Tanzmusik und das nicht minder gelungene Takk (Danke) im Jahr 2005 – ein Longplayer, dem wir die internationale Hitsingle Hoppípolla verdanken, jenen immer wieder gern genommenen TV-/Kinosoundtrack und bis heute bekanntesten Song der Band. Die nicht minder von der Kritik gepriesenen Veröffentlichungen Heima (DVD) und Hvarf/Heim folgten im vergangenen Jahr.

Was uns wiederum zu Með suð í eyrum við spilum endalaust zurückbringt, einem Album, dessen elf prägnante Essays eine Band spiegeln, deren neu entdeckte Spontaneität zu einem Zusammenspiel passt, das an die Synergie eines Schweizer Uhrenmechanismus erinnert. Georg Hólms Bass und Orri Páll Dýrasons fließende Drums katapultieren das Album ständig nach vorn, während Kjartan Sveinsson jede Menge Gänsehaut erzeugendes Keyboard-Konfetti verstreut und die mitreißenden Texturen des Saitenquartetts Amiina sowie eine schmerzliche Blechbläserabteilung geschickt arrangiert. Birgissons mehrere Oktaven umfassende Vocals befördern den Hörer sekundenschnell aus flüsternder Intimität in himmlische Stratosphären.

Das Magazin Q mutmaßte jüngst, dass Sigur Rós mit Með suð… nun „über ihren Kultstatus hinausgewachsen sind“. Der stets bescheidene Georg Hólm dagegen findet, dass sie bisher gerade einmal den halben Weg zur umfassenden Sanierung zurückgelegt haben. Die neue Platte, so meint er, steht „… mit einem Fuß auf neuem Terrain, aber wir sind noch nicht ganz dort angekommen. Vielleicht beim nächsten Mal …”

Es lohnt sich, Sigur Rós im Auge zu behalten. Zwar mögen sie soeben die wunderbar zugänglichste Platte ihrer bisherigen Laufbahn abgeliefert haben, doch der „Spaß“, so will es scheinen, hat gerade erst begonnen.

(David Sheppard)

Diese Biografie wurde von den Künstlern oder deren Vertretern bereitgestellt.

Með suð í eyrum við spilum endalaust

Laut Sigur Rós-Frontmann Jón ‘Jónsi’ Þór Birgisson galten für seine Band bei der Entstehung ihres fünften Albums zwei Parolen: „Tempo“ und „Spaß“- nicht unbedingt Begriffe, die einem als Erstes in den Sinn kommen würden, um einem Besucher vom Mars das Gesamtwerk von Islands meistgefeiertem Ensemble zu beschreiben. Beide Attribute erweisen sich jedoch als wesentliche Elemente einer Platte, die zu gleichen Teilen vor Lebensfreude, einer außerordentlichen Zerbrechlichkeit sowie – langjährigen SR-Fans ist dies nicht neu – einer rapide zunehmenden Transzendenz sprüht. Während letzteres Attribut Sigur Rós’ Veröffentlichungen seit ihrem von Effektpedalen geprägten 1997er Debütalbum Von kennzeichnet, markiert Með suð í eyrum við spilum endalaust den Höhepunkt eines evolutionären Zyklus, mit dem es dem Quartett aus Reykjavik gelingt, sämtlichen stereotypen Assoziationen mit ihrem geologisch einzigartigen Heimatland elegant aus dem Wege zu gehen.

Natürlich werden sie es nie ganz schaffen, die Eigenarten, die Magie und das Mysterium Islands hinter sich zu lassen – was ja im Grunde auch gar nicht ihre Absicht ist –, und trotz ihrer wieder aufgefrischten Überschwänglichkeit liefern Sigur Rós Anno 2008 immer noch jene Schwindel erregende symphonische Schönheit, von deren Raffinesse andere zeitgenössische Rockgruppen nur träumen können. Während melancholische Erhabenheit für Sigur Rós längst zum Standard gehört, hebt sich das neue Album von seinen Vorgängern durch Songs ab, die zugänglich intim sind, geradezu jubelnd klingen und – ganz recht – „Spaß“ machen. Kurz und gut, Sigur Rós beherrschen inzwischen sommerliche wie winterliche Klänge, wie Bassist Georg Hólm bestätigt: „Bei den Aufnahmen zu diesem Album fühlten wir uns ungewöhnlich energiegeladen. Außerdem entstanden die meisten Songs im Sommer … Wir haben schon immer Stücke geschrieben, die wir selbst für ‚fröhlich’ hielten – aber offenbar ist es uns bisher noch nie gelungen, dies entsprechend zu artikulieren …“

Obwohl das Album übersetzt ‚Mit einem Summen im Ohr spielen wir endlos’ heißt, gibt es von den Aufnahmen wenig Interessantes zu berichten. Der Weg von den ursprünglichen New Yorker Studiosessions mit Produzent Mark ‚Flood’ Ellis zu dem komplett gemasterten ‚Produkt’ nahm erstaunlicherweise nur knapp fünf Monate in Anspruch; der Begriff „Tempo“ war also tatsächlich Programm. Ganz offensichtlich hatte man aus dem Sommer 2006 gelernt, als Sigur Rós eine Reihe von Spontangigs in ganz Island spielten – einschließlich ihres ersten Auftritts ohne Elektrizität –, zu sehen in dem verführerischen Film Heima aus dem Jahr 2007 (der laut Jónsi „den vier Nerds die Kapuze vom Gesicht reißt“) sowie auf dem dazugehörigen Live-/Akustikalbum Hvarf-Heim. „Das Reizvolle daran war die Erkenntnis, dass es sich tatsächlich um Songs handelt, dass es tatsächlich eine Songstruktur gibt …“ gibt Georg zu und erinnert sich daran wie es war, als die Band zum ersten Mal ohne Verstärker oder Effekte spielte. Die Energie und Kargheit dieser ‚unplugged’-Auftritte hatten großen Einfluss auf das neue Album. „Viele der Songs entstanden auf Akustikinstrumenten, erst später stiegen wir auf andere Instrumente um, wobei wir uns manchmal für eine Mischung aus akustisch und elektrisch entschieden.“

Með suð… ist das erste Sigur Rós-Album, das hauptsächlich außerhalb Islands aufgenommen wurde; einige von Jónsis charakteristisch chorknabenhaften Vocals wurden in den Egrem-Studios im exotischen Havanna eingesungen, einem Ort, der gewählt wurde, als der düstere nordische Winter ein wenig zu beklemmend schien. Und so beginnt Með suð… denn auch weit abseits vom Februar-Trübsinn mit einem munter wummernden Fanfarenstoß namens ‚Gobbledigook’ (eine bewusste Anspielung auf Jónsis längst vergangene Vorliebe dafür, in jener erfundenen Sprache, die einst ‚Hopelandic’ genannt wurde, zu singen) und endet mit dem niederschmetternd sanften, von Blechbläsern liebkosten Nocturne ‚All Alright’, dem ersten Sigur Rós-Song in englischer Sprache.

Dazwischen liegt eine Litanei aus herzerwärmenden SR-Klassikern, einschließlich des atemlosen, erbarmungslos hook-lastigen ‚Inní mér syngur vitleysingur’ (In mir singt ein Wahnsinniger), einer gebieterischen Legierung aus akustischem Post-Rock und elegischer Hymne, die den Titel ‚Góðan daginn’ (Guten Morgen) trägt, und dem glückseligen, sich ständig steigernden ‚Við spilum endalaust’ (‚Wir spielen endlos’). Eine sublime Falsett-Vokalouvertüre, das vollkommen euphorische Crescendo-Finale namens ‚Festival’, zeigt derweil Sigur Rós auf dem Höhepunkt ihrer erstaunlichen, vielseitigen Fähigkeiten. ‚Ara Batur’ (Ruderboot) ist das einzige Zugeständnis dieses Albums an monumentale Orchestrierungen und wurde in einem Durchgang in den Abbey Road-Studios mit Unterstützung des Kammerorchesters London Sinfonietta sowie des Chors der London Oratory Boys’ School aufgenommen. Das Stück klingt sogar noch überwältigender und (vom Text her) wagnerianischer als diese Beschreibung vermuten lassen würde.

Solch ambitionierte Anliegen sind meilenweit entfernt von Sigur Rós’ bescheidenen Anfängen in Reykjavik, damals in den Grunge-besessenen frühen 1990ern. Benannt nach Jónsis kleiner Schwester und seiner verstorbenen Großmutter Sigurrós (‚Siegesrose’), wurde die Band von den Freunden Jónsi, Georg und Schlagzeuger Ágúst Ævar Gunnarsson gegründet. Zum Teil von Spiritualized und The Verve beeinflusst, stieß das bereits erwähnte Von (Hoffnung) bei seinem Erscheinen 1997 auf lokale Anerkennung, bevor Gunnarsson durch Orri Páll Dýrason ersetzt wurde und der begnadete Live-Keyboarder/Multiinstrumentalist Kjartan Sveinsson kurze Zeit später bei Sigur Rós einstieg. 1999 folgte Ágætis byrjun (Ein annehmbarer Start), ihr Debüt beim UK-Label FatCat und definitiv ein Kritikererfolg, während das darauffolgende ( ) 2002 weitere Lobeshymnen kassierte und der Band Fans wie David Bowie und Radiohead-Frontmann Thom Yorke bescherte. Es folgten ein Vertrag mit EMI sowie Ba Ba Ti Ki Di Do, eine traumhaft schillernde EP mit von Merce Cunningham in Auftrag gegebener Tanzmusik und das nicht minder gelungene Takk (Danke) im Jahr 2005 – ein Longplayer, dem wir die internationale Hitsingle Hoppípolla verdanken, jenen immer wieder gern genommenen TV-/Kinosoundtrack und bis heute bekanntesten Song der Band. Die nicht minder von der Kritik gepriesenen Veröffentlichungen Heima (DVD) und Hvarf/Heim folgten im vergangenen Jahr.

Was uns wiederum zu Með suð í eyrum við spilum endalaust zurückbringt, einem Album, dessen elf prägnante Essays eine Band spiegeln, deren neu entdeckte Spontaneität zu einem Zusammenspiel passt, das an die Synergie eines Schweizer Uhrenmechanismus erinnert. Georg Hólms Bass und Orri Páll Dýrasons fließende Drums katapultieren das Album ständig nach vorn, während Kjartan Sveinsson jede Menge Gänsehaut erzeugendes Keyboard-Konfetti verstreut und die mitreißenden Texturen des Saitenquartetts Amiina sowie eine schmerzliche Blechbläserabteilung geschickt arrangiert. Birgissons mehrere Oktaven umfassende Vocals befördern den Hörer sekundenschnell aus flüsternder Intimität in himmlische Stratosphären.

Das Magazin Q mutmaßte jüngst, dass Sigur Rós mit Með suð… nun „über ihren Kultstatus hinausgewachsen sind“. Der stets bescheidene Georg Hólm dagegen findet, dass sie bisher gerade einmal den halben Weg zur umfassenden Sanierung zurückgelegt haben. Die neue Platte, so meint er, steht „… mit einem Fuß auf neuem Terrain, aber wir sind noch nicht ganz dort angekommen. Vielleicht beim nächsten Mal …”

Es lohnt sich, Sigur Rós im Auge zu behalten. Zwar mögen sie soeben die wunderbar zugänglichste Platte ihrer bisherigen Laufbahn abgeliefert haben, doch der „Spaß“, so will es scheinen, hat gerade erst begonnen.

(David Sheppard)

Diese Biografie wurde von den Künstlern oder deren Vertretern bereitgestellt.

Með suð í eyrum við spilum endalaust

Laut Sigur Rós-Frontmann Jón ‘Jónsi’ Þór Birgisson galten für seine Band bei der Entstehung ihres fünften Albums zwei Parolen: „Tempo“ und „Spaß“- nicht unbedingt Begriffe, die einem als Erstes in den Sinn kommen würden, um einem Besucher vom Mars das Gesamtwerk von Islands meistgefeiertem Ensemble zu beschreiben. Beide Attribute erweisen sich jedoch als wesentliche Elemente einer Platte, die zu gleichen Teilen vor Lebensfreude, einer außerordentlichen Zerbrechlichkeit sowie – langjährigen SR-Fans ist dies nicht neu – einer rapide zunehmenden Transzendenz sprüht. Während letzteres Attribut Sigur Rós’ Veröffentlichungen seit ihrem von Effektpedalen geprägten 1997er Debütalbum Von kennzeichnet, markiert Með suð í eyrum við spilum endalaust den Höhepunkt eines evolutionären Zyklus, mit dem es dem Quartett aus Reykjavik gelingt, sämtlichen stereotypen Assoziationen mit ihrem geologisch einzigartigen Heimatland elegant aus dem Wege zu gehen.

Natürlich werden sie es nie ganz schaffen, die Eigenarten, die Magie und das Mysterium Islands hinter sich zu lassen – was ja im Grunde auch gar nicht ihre Absicht ist –, und trotz ihrer wieder aufgefrischten Überschwänglichkeit liefern Sigur Rós Anno 2008 immer noch jene Schwindel erregende symphonische Schönheit, von deren Raffinesse andere zeitgenössische Rockgruppen nur träumen können. Während melancholische Erhabenheit für Sigur Rós längst zum Standard gehört, hebt sich das neue Album von seinen Vorgängern durch Songs ab, die zugänglich intim sind, geradezu jubelnd klingen und – ganz recht – „Spaß“ machen. Kurz und gut, Sigur Rós beherrschen inzwischen sommerliche wie winterliche Klänge, wie Bassist Georg Hólm bestätigt: „Bei den Aufnahmen zu diesem Album fühlten wir uns ungewöhnlich energiegeladen. Außerdem entstanden die meisten Songs im Sommer … Wir haben schon immer Stücke geschrieben, die wir selbst für ‚fröhlich’ hielten – aber offenbar ist es uns bisher noch nie gelungen, dies entsprechend zu artikulieren …“

Obwohl das Album übersetzt ‚Mit einem Summen im Ohr spielen wir endlos’ heißt, gibt es von den Aufnahmen wenig Interessantes zu berichten. Der Weg von den ursprünglichen New Yorker Studiosessions mit Produzent Mark ‚Flood’ Ellis zu dem komplett gemasterten ‚Produkt’ nahm erstaunlicherweise nur knapp fünf Monate in Anspruch; der Begriff „Tempo“ war also tatsächlich Programm. Ganz offensichtlich hatte man aus dem Sommer 2006 gelernt, als Sigur Rós eine Reihe von Spontangigs in ganz Island spielten – einschließlich ihres ersten Auftritts ohne Elektrizität –, zu sehen in dem verführerischen Film Heima aus dem Jahr 2007 (der laut Jónsi „den vier Nerds die Kapuze vom Gesicht reißt“) sowie auf dem dazugehörigen Live-/Akustikalbum Hvarf-Heim. „Das Reizvolle daran war die Erkenntnis, dass es sich tatsächlich um Songs handelt, dass es tatsächlich eine Songstruktur gibt …“ gibt Georg zu und erinnert sich daran wie es war, als die Band zum ersten Mal ohne Verstärker oder Effekte spielte. Die Energie und Kargheit dieser ‚unplugged’-Auftritte hatten großen Einfluss auf das neue Album. „Viele der Songs entstanden auf Akustikinstrumenten, erst später stiegen wir auf andere Instrumente um, wobei wir uns manchmal für eine Mischung aus akustisch und elektrisch entschieden.“

Með suð… ist das erste Sigur Rós-Album, das hauptsächlich außerhalb Islands aufgenommen wurde; einige von Jónsis charakteristisch chorknabenhaften Vocals wurden in den Egrem-Studios im exotischen Havanna eingesungen, einem Ort, der gewählt wurde, als der düstere nordische Winter ein wenig zu beklemmend schien. Und so beginnt Með suð… denn auch weit abseits vom Februar-Trübsinn mit einem munter wummernden Fanfarenstoß namens ‚Gobbledigook’ (eine bewusste Anspielung auf Jónsis längst vergangene Vorliebe dafür, in jener erfundenen Sprache, die einst ‚Hopelandic’ genannt wurde, zu singen) und endet mit dem niederschmetternd sanften, von Blechbläsern liebkosten Nocturne ‚All Alright’, dem ersten Sigur Rós-Song in englischer Sprache.

Dazwischen liegt eine Litanei aus herzerwärmenden SR-Klassikern, einschließlich des atemlosen, erbarmungslos hook-lastigen ‚Inní mér syngur vitleysingur’ (In mir singt ein Wahnsinniger), einer gebieterischen Legierung aus akustischem Post-Rock und elegischer Hymne, die den Titel ‚Góðan daginn’ (Guten Morgen) trägt, und dem glückseligen, sich ständig steigernden ‚Við spilum endalaust’ (‚Wir spielen endlos’). Eine sublime Falsett-Vokalouvertüre, das vollkommen euphorische Crescendo-Finale namens ‚Festival’, zeigt derweil Sigur Rós auf dem Höhepunkt ihrer erstaunlichen, vielseitigen Fähigkeiten. ‚Ara Batur’ (Ruderboot) ist das einzige Zugeständnis dieses Albums an monumentale Orchestrierungen und wurde in einem Durchgang in den Abbey Road-Studios mit Unterstützung des Kammerorchesters London Sinfonietta sowie des Chors der London Oratory Boys’ School aufgenommen. Das Stück klingt sogar noch überwältigender und (vom Text her) wagnerianischer als diese Beschreibung vermuten lassen würde.

Solch ambitionierte Anliegen sind meilenweit entfernt von Sigur Rós’ bescheidenen Anfängen in Reykjavik, damals in den Grunge-besessenen frühen 1990ern. Benannt nach Jónsis kleiner Schwester und seiner verstorbenen Großmutter Sigurrós (‚Siegesrose’), wurde die Band von den Freunden Jónsi, Georg und Schlagzeuger Ágúst Ævar Gunnarsson gegründet. Zum Teil von Spiritualized und The Verve beeinflusst, stieß das bereits erwähnte Von (Hoffnung) bei seinem Erscheinen 1997 auf lokale Anerkennung, bevor Gunnarsson durch Orri Páll Dýrason ersetzt wurde und der begnadete Live-Keyboarder/Multiinstrumentalist Kjartan Sveinsson kurze Zeit später bei Sigur Rós einstieg. 1999 folgte Ágætis byrjun (Ein annehmbarer Start), ihr Debüt beim UK-Label FatCat und definitiv ein Kritikererfolg, während das darauffolgende ( ) 2002 weitere Lobeshymnen kassierte und der Band Fans wie David Bowie und Radiohead-Frontmann Thom Yorke bescherte. Es folgten ein Vertrag mit EMI sowie Ba Ba Ti Ki Di Do, eine traumhaft schillernde EP mit von Merce Cunningham in Auftrag gegebener Tanzmusik und das nicht minder gelungene Takk (Danke) im Jahr 2005 – ein Longplayer, dem wir die internationale Hitsingle Hoppípolla verdanken, jenen immer wieder gern genommenen TV-/Kinosoundtrack und bis heute bekanntesten Song der Band. Die nicht minder von der Kritik gepriesenen Veröffentlichungen Heima (DVD) und Hvarf/Heim folgten im vergangenen Jahr.

Was uns wiederum zu Með suð í eyrum við spilum endalaust zurückbringt, einem Album, dessen elf prägnante Essays eine Band spiegeln, deren neu entdeckte Spontaneität zu einem Zusammenspiel passt, das an die Synergie eines Schweizer Uhrenmechanismus erinnert. Georg Hólms Bass und Orri Páll Dýrasons fließende Drums katapultieren das Album ständig nach vorn, während Kjartan Sveinsson jede Menge Gänsehaut erzeugendes Keyboard-Konfetti verstreut und die mitreißenden Texturen des Saitenquartetts Amiina sowie eine schmerzliche Blechbläserabteilung geschickt arrangiert. Birgissons mehrere Oktaven umfassende Vocals befördern den Hörer sekundenschnell aus flüsternder Intimität in himmlische Stratosphären.

Das Magazin Q mutmaßte jüngst, dass Sigur Rós mit Með suð… nun „über ihren Kultstatus hinausgewachsen sind“. Der stets bescheidene Georg Hólm dagegen findet, dass sie bisher gerade einmal den halben Weg zur umfassenden Sanierung zurückgelegt haben. Die neue Platte, so meint er, steht „… mit einem Fuß auf neuem Terrain, aber wir sind noch nicht ganz dort angekommen. Vielleicht beim nächsten Mal …”

Es lohnt sich, Sigur Rós im Auge zu behalten. Zwar mögen sie soeben die wunderbar zugänglichste Platte ihrer bisherigen Laufbahn abgeliefert haben, doch der „Spaß“, so will es scheinen, hat gerade erst begonnen.

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