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Doch Estampie verharren nicht, wie befürchtet, in Stagnation. Die CD beinhaltet hinsichtlich Arrangement, Melodik, Klang und musikalischer Struktur einiges Neues.
Die ersten drei Stücke gehören zum Besten, was Estampie je veröffentlicht haben. "Al Jorn - Alonso" eröffnet das Album mit wunderschönem mehrstimmigen Gesang (wird aber noch weit übertroffen vom später folgenden "AL Jorn - Carceras" ). Chor und Solostimme klingen sakral, aber nicht altbacken. Die anschließenden "A Voi Gente" und "Trotto" sind meisterhaft arrangiert. Besonders die Dudelsackpassagen in beiden Stücken sind äußerst gelungen, aber auch der Rhythmuswechsel in "Trotto" ist sensationell. Melodisch heben sich beide Stücke von den immer wiederkehrenden melodischen Phrasen der letzten Veröffentlichungen von Popp sehr angenehm ab. Die drei Stücke erinnern ein bisschen an "Aion" von Dead Can Dance, dies gilt besonders für die Struktur der Stücke. Sie klingen wie am Computer arrangiert, kombinieren diese Kompositionsweise aber mit dem frischen Klang des Live gespielten, was Dead Can Dance leider im Studio immer fehlte. Auch wenn es sich nicht um die schönsten Melodien von Estampie handelt, so wird hier in Bezug auf den Klang, die Arrangements und die Songstruktur ein neuer Level erreicht.
Leider, leider hält der Rest der CD nicht, was die ersten Titel versprechen. Es gibt zwar noch weitere schöne Melodien, ausgefeilte Arrangements und ungewöhnliche Strukturen, aber die Perfektion des Einstiegs wird nicht wieder erreicht. Erwähnenswert auf jeden Fall noch "Estampie VIII" (ich verstehe die Nummerierung überhaupt nicht) mit seiner orientalisch klingenden Melodie und vor allem: seinem langsamen Tempo. Die Melodien der übrigen Stücke gehen irgendwie nicht so richtig ins Ohr, bei "Bona Condit" und "Cry De La Mort" finde ich sie sogar schwer zu ertragen (und nebenbei: bei diesen Stücken klingt die Stimme von Sigrid Hausen, als ginge es ihr auch so!). Vielleicht muss ich mich aber auch nur in die Stücke länger einhören.
Vorläufiges Fazit: Die neue Estampie verlässt den eingeschlagenen Weg der Stagnation, ob es sich um ein neues "Meisterwerk" wie "Ondas" handelt scheint mir noch zweifelhaft.
Selbst in der geringeren Amazon-Qualität (das Original klingt deutlich besser) gefällt mir die Estampie-Version sehr viel besser. Für meinen Geschmack ist die Augsburger Version ist eine typisch akademische Nachempfindung, während Estampie eine künstlerische Version liefert.
Zur Beurteilung meiner Einschätzung Ihrerseits bewerte ich hier die vier Alben, die ich gekauft habe: "Kreuzritter" von 1996 liefert nach meiner Auffassung sehr viel weniger brilliante Stücke (nähmlich nur "Maugrez touz sainz") als "Ondas" (2000) ("Reis Glorios", "Disse Mi", "O Fortuna", "EstampieV", "Voi ch'amate"), "Fin Amor" (2002) ("Hanter dro", "Sancte Sator", "Fin Amor", "Wessobrunner Gebet") oder "Signum" (2004) ("A voi gente", "Sine nomine", "Non e gran cousa", "Bona condit"). Ich bevorzuge etwas mehr die Rhythmusbetonten Titel.
Für mich ist "Signum" kaum weniger genial als "Ondas".
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