Ich muss mich jedesmal totlachen, wenn ich Leute sagen höre, "Signs" sei ein schlechter Horrorfilm. Das ist er nicht. Er ist auch kein guter Horrorfilm. Er ist nämlich gar kein Horrorfilm. Wer das behauptet, ist auf M. Night Shyamalans cleveren Trick reingefallen. Der indische Meisterregisseur hat sich lediglich einer mysteriösen Ausgangshandlung bedient (die berühmten Kornkreise im Feld), um seine eigentliche Message einem breiteren Publikum zugänglich zu machen. "Signs" ist in Wirklichkeit ein Religionsfilm im Gruselgewand. Es geht hier nämlich nicht um die Frage "Wie kriegen wir die Außerirdischen klein?", sondern der großartig inszenierte Film behandelt wichtigere Themen: Wird unser Leben von fremder Hand gelenkt oder ist alles nur Zufall und sind wir unseres eigenen Schicksals Schmied?
Dass es diese Frage ist, die im Mittelpunkt steht, sieht man schon daran, dass der doppeldeutige Titel sich, je länger die Handlung fortschreitet, immer weniger auf die Zeichen im Kornfeld konzentriert und immer mehr auf die Zeichen des Himmels. Am Ende fügen sich alle Filmfragmente, bei denen man bis dahin dachte "Was soll das denn jetzt?" zu einem sinnvollen Bild zusammen, das mich vor Ehrfurcht erstarren ließ.
Der religiöseste Film, den ich kenne. Und bitte köpft mich nicht: in meinen Augen noch ergreifender und aussagekräftiger als "The Sixth Sense".
Jaja, von den bisher fünf M.Night Shyamalan-Filmen hat dieser mich am meisten angesprochen. Allein für die Tatsache, dass mein Lieblingsregisseur die Handlung nicht für ein globales Massenhysterie-Machwerk missbraucht, sondern sich ganz auf die eine Familie beschränkt, verdient meinen Dank. Was wäre das für ein Fehler gewesen, hunderte von Nebenfiguren in den Film zu packen. Die Wirkung, die er im kleinsten Kreise erzielt, ist viel größer. Die religiöse Botschaft wäre in der anderen Form auch mit Sicherheit untergegangen.
Zusätzlich zur brillanten Regie kommt wundervolle James Newton Howard-Musik und eine 1A - Performance von Mel Gibson. Besonderes Lob auch an die zwei Kinder, die ihren Part absolut glaubwürdig spielen.
Jetzt SPOILERWARNUNG! Der folgende, letzte Abschnitt behandelt das Ende.
Ich kenne keinen zweiten Film, bei dem die allerletzte Szene zugleich die kürzeste, bewegendste und wichtigste ist, obwohl man ihr das nicht auf den ersten Blick ansieht. Wie Mel Gibson ganz unscheinbar wirkend nach der Rettung seines Sohnes in Priesterkleidung aus dem Bild schreitet, im Hintergrund seine glückliche Familie am Frühstückstisch redend, das ist so schlicht und doch so ergreifend. Der ehemalige Priester hat durch alles was geschah seinen Glauben wiedergefunden.
Fazit: Es gibt keine Zufälle. Jemand achtet auf uns.
Und keine Widerrede bitte.