Schon der Opener "Create" zieht den Hörer in seinen Bann und erinnert an tropfsteinhöhlenartige Diskogruften, in denen die Klänge fluoreszieren und die Tanzenden, verschmolzen zu einer homogenen Masse, im Strudel der Beats wabern. Mit "Signs" beleuchten Bauchklang alle Facetten der modernen Clubsounds auf einem Album und gleichzeitig funkelt jeder einzelne Track für sich genommen in einem speziellen Licht. "In the Hour" hat via Kopfhörer nicht ganz so viel Energie wie live, glänzt aber mit einer Stimmung, die ein bisschen an den winselnden Pink-Floyd-bastelt-Eiswüste-Sound ähnlich dem Gitarrenpart in "Marooned" erinnert.
Bauchklang treten seit acht Jahren in der Besetzung Gerald Huber (beatbox, human sounds), Alex Boeck (human bass), Christian Birawsky a.k.a Bina (mouthpercussion, human sounds, beatbox), Phillip Sageder (human sounds, backing vocals), Andreas Fraenzl (lead vocals, human sounds) auf. Der Bandname ist Programm, ist "Ausdruck eines Gefühls, die Verbindung des Klanges mit dem emotionalen Zentrum Bauch", so Boeck. Das österreichische Quintett hat sich von den Kleinkunstbühnen und Pop-Coversongs wegentwickelt und ist mit der Neuerfindung des A-Cappella eher im Club-Kontext zu verorten - daher auch der Namenszusatz "vocal groove project". Nach zwei Studio-, einem Live-Album und zahlreichen internationalen Auftritten bei renommierten Festivals, wie zum Beispiel dem "Festival International de Jazz de Montreal", ist "Signs", ihr drittes Studio-Album, nun in Deutschland erhältlich.
Die Platte erinnert in den vocals noch an die HipHop-Einflüsse der vorigen Alben - nicht zuletzt durch die prominente Mitarbeit der US-"Spoken Word"-Ikone Ursula Rucker, dem französischen Beatboxer Tez und dem Poetry Slammer Rouda. Hinzu mischen sich sphärische Ethno-Klangflächen und mit bewährt vorwärts treibender Rhythmik gluckert im Untergrund der unvergleichliche Bass. "Are you ready to see the signs?" ist die rhetorische Frage, unter deren Schirm die ganze Platte steht. Die Texte handeln von Zeichen, vom Nachdenken über die Zukunft der Menschheit und des Gesellschaftssystems. Man kann sie ohne Weiteres als deep bezeichnen. Zeichen muss man sehen wollen, man muss dafür bereit sein, sie zu sehen, bei Bauchklang lohnt es sich hinzusehen - beziehungsweise hinzuhören. Mit stimmlich präziser Virtuosität, stimmgewaltiger Mouth Percussion und Human Beatboxing knüpft das Quintett einen ganz speziellen Klangteppich zwischen Dub und Drum'n'Bass, zwischen dem Repetitiven des Electro und dem Echolotartigen des Trance; imitiert sogar den typischen Scratching-Sound der DJs.
Es ist eine so musikalisch-poetische wie tanzbar-hypnotische Platte, die ihre Faszination nicht zuletzt aus der Tatsache zieht, dass all die elektronisch anmutenden Klänge human-made sind. Aber an der Stelle, an der sich die Frage nach dem Zuerst von Huhn oder Ei, Synthie oder Human stellt, bleibt "Signs" nicht stehen. Auch wenn man das Quintett einmal live erlebt hat, oder sich bewusst macht, dass dieses Hörerlebnis pure organic sounds sind, bleibt die Bezauberung durchaus erhalten.
Mit "Blues" klingt die Platte über gut drei Minuten ganz entspannt aus, und auch wenn sich das Stück selbst in den Hintergrund spielt, so doch nicht in die Belanglosigkeit. Denn wenn dann nach zehn Titeln wieder Stille einkehrt, fehlt etwas.