Wie viele Sterne soll man einem PT-Album, das zwischen den Psychedelic- und den Alternative - Welten hängt, geben? Ganze fünf Sterne ist die Antwort!
Wer Porcupine Tree kennt und schätzt, weiß, dass ihre psychedelische so wie auch ihre ProgPop - Phase anspruchsvoll, interessant und unterhaltsam sind. Wo "The Sky moves Sideways" der Höhepunkt ihrer Floyd-Ära, "Stupid Dream" der Wendepunkt zum Alternative und "In Absentia" ein nicht zu toppendes Meisterwerk war, ist "Signify" eine Art Cliffhanger, ein Außenseiter der PT-Alben.
Man findet in einigen Songs Hinwendung zu rockigeren, kompakteren Stücken, aber auch die typisch psychedelische Seite ist vertreten. Die Band spielt hier nun auch richtig zusammen, in der Besetzung Wilson, Maitland, Edwin und Barbieri.
"Bornlivedie" ist das Intro des Albums. Ein Ansager bereitet den Hörer anfangs auf den Trip vor, daraufhin bekommt man schon einen Vorgeschmack auf den Sound des Albums, in Form einer bombastischen Klangcollage.
Dann meldet eine Frauenstimme über eine Art Telefon, dass jetzt das eigentliche Album beginnt... los geht die Geisterbanfahrt!
"Signify" ist ein ziemlich harter Rocker, der ein bisschen an "Red" von King Crimson erinnert. Auf jeden Fall ist dies schon eine deutliche Wendung zum Alternativerock.
"Sleep of no Dreaming" ist ein etwas trauriger, psychedelischer und dramatischer Titel, der mich aber diesmal an "Sleep Together" vom Album "Fear of a Blank Planet" erinnert. Der Song wird getragen von Mellotronteppichen und verhallenden, wehklagenden Stimmen.
"Pagan" ist ein kurzer Lückenfüller, der aber, wenn man das Album ganz durchhört, seine volle Wirkung entfaltet. Düster und gruselig...
"Waiting Phase I + II" sind für mich praktisch ein ganzer Track. Die erste Phase gehört zu den wohl schönsten Popsongs, die PT je geschrieben haben. Die leise Percussion, die akustische Gitarre und der wunderbare Keyboardsound verbreiten eine sommerliche Stimmung, welche ab und zu von Gitarrensoli getragen wird. Die zweite Phase ist weitaus psychedelischer und sozusagen eine düstere Version der ersten Phase. Langsam wird Spannung aufgebaut, bis es zu einem bombastischen Klimax kommt.
"Sever" ist wieder weitaus rockiger, aber langsamer als "Signify". Es erinnert ein wenig an ein Delirium oder an einen Fiebertraum, mit all den Stimmen und Soundgimmicks.
"Idiot Prayer" ist der zweite Höhepunkt des Albums neben Waiting I+II. Es werden hier zwar Technobeats eingesetzt, die aber keinesfalls nach Discodance klingen, sondern einen unheimlich düsteren, psychedelischen Sog erzeugen.
"Every Home is Wired" zeigt wieder deutlich Wilsons Gespür fürs Songwriting. Ein weiterer Track in der Kategorie Alternativerock.
"Intermediate Jesus" wird von mir meist geskipped. Man kann ihn als Schwachpunkt bezeichnen, für Psychedelic- und Jam-Fans kann ich diesen Song jedoch nur empfehlen.
"Light Mass Prayers" hört sich zwar auf den ersten Durchgang schrecklich langweilig an, entfaltet aber genauso wie "Pagan", seine Wirkung nur im Kontext des Albums.
"Dark Matter" ist der letzte und dritte Höhepunkt des Albums. Eigentlich kann man diesen Song schwer beschreiben, man sollte ihn sich selber anhören.
Meine Empfehlung: Alle Lichter aus, möglichst dunkler Raum, CD rein und Lautstärke aufdrehen... Besser als jede Geisterbahnfahrt!
Wer PT von ihrer Songorientierten Phase kennt, sollte sich diese hier zulegen, um ihre beste CD ihrer Psychedelic Phase im Schrank zu haben.
Wer PT nur von "Sky moves Sideways" oder "Up the Downstair" kennt, muss unbedingt zugreifen... bester Einstieg für ihren Alternativesound.
Wer PT gar nicht kennt, sollte die Finger davon lassen... man würde nur abgeschreckt werden. Die sollten sich dann lieber "Stupid Dream" oder "Sky Moves Sideways" kaufen, um einen guten Einstieg zu bekommen.