Als gewerblicher Fotograf nutze ich vorwiegend leistungsstarke Linsen, die neben einem hohen Preis leider auch oft ein großes Gewicht aufweisen und im Zoombereich eng begrenzt sind. Für unterwegs und auf Reisen sind solche professionellen Objektive daher nicht wirklich die beste Wahl. Da der Platz begrenzt ist und man auch nicht aus Gewichtsgründen einen ganzen Rucksack packen will, ist hier eine Alternative nötig, die einerseits akzeptable Bildqualität bietet, andererseits aber kompakt, leicht und preislich günstig ist. Aus Gründen der Bildqualität verzichtete ich auf ein einzelnes >Suppenzoom< (18-200, 18-250, etc.) und entschied mich für die Kombination 18-50 und 50-200 von Sigma, welche qualitativ eine Klasse über den üblichen Kit-Linsen liegen soll. Da es meine ersten Objektive von Sigma waren, wartete ich sehnsüchtig, die Objektive zu testen. Nach einer herben Enttäuschung durch das 18-50 2,8-4,5 DC OS HSM (siehe dortige Rezension), musste nun auch das Sigma 50-200 4-5,6 DC OS HSM für einen ausgiebigen Test herhalten.
Zur allgemeinen Fertigungsqualität kann man sagen, dass es sich um eine sehr hochwertige Optik handelt. Zoom- und Fokusring sitzen straff, sind allerdings für manuelle Fokussierung zu steil ausgelegt. Der leichte, aber hochwertige und stabile Kunststoff ist mit einer Art Samt überzogen und wirkt, zusammen mit den goldenen Schriftzügen, nahezu edel. Ein Metallbajonett vervollständigt den positiven ersten Eindruck. Beim Durchfahren des Zoombereichs fährt der vordere Tubus nur wenige Zentimeter aus, was versehentlichem Anstoßen entgegen wirken könnte. Die Frontlinse rotiert, dank Innenfokussierung, nicht mit und ermöglich somit die Verwendung von Circular Polfiltern. Die serienmäßig im Lieferumfang enthaltene Sonnenblende ist ausreichend groß dimensioniert, um Flares und Ghosting weitgehend zu vermeiden. Die geriffelte Oberfläche auf der Innenseite vermindert dabei Reflexe, die von der Sonnenblende selbst ausgehen könnten.
Zu den optischen Qualitäten des Objektivs kann man im Großen und Ganzen sagen, dass sie im Verhältnis zum Preis meine Erwartungen erfüllten und teils übertrafen. Größtes Manko aber bleibt die Schärfe. Es ist nicht so, dass das Objektiv unscharfe Bilder produziert, aber gerade bei Offenblende liefert es doch merklich weiche Bilder über das gesamte Bildfeld. Um eine Stufe abgeblendet bessert sich die Schärfe etwas, bleibt jedoch einen Tick hinter vergleichbaren Objektiven (z.B. Tamron 70-300) zurück. Vorteilhafter Weise, hinterlässt die Auflösung einen recht gleichmäßigen Eindruck im Bild und fällt nicht zusätzlich zu den Rändern/Ecken ab, was auf eine gute Zentrierung schließen lässt. Seine Stärken spielt das Sigma 50-200 im Bereich der Fehlerkorrektur aus. Es sind nämlich kaum welche vorhanden. Vignettierungen (Randabdunklungen) sind nur bei Offenblende und am kurzen Ende (50 bis 70 mm) zu sehen, lassen sich aber sehr gut korrigieren. CAs sind nahezu kein Thema für das Sigma. Sonst häufig bei Teleobjektiven anzutreffen, findet man Farbsäume nur an ausgesprochen stark ausgeprägten Kontrastkanten (Hell Dunkel). Abgeblendet und unter normalen fotografischen Bedingungen spielen die CAs keine Rolle. Auch die Verzeichnung hält sich in Grenzen. Die leichte Tonnen- (am kurzen Ende) bzw. Kissenform (am langen Ende) fällt kaum ins Gewicht und lässt sich recht einfach korrigieren. Flares und Ghostings durch Lichtreflexionen sind sehr gering und unauffällig, wenn die serienmäßige Sonnenblende verwendet wird. Farblich ist das Sigma neutral abgestimmt. Kühler zwar, als vergleichbare Tamron-Produkte, aber immernoch recht angenehm. Kontraste und Farben stellt das Objektiv sehr gut dar.
Der OS-Bildstabilisator liefert gute Ergebnisse ab. Eine Verbesserung um 2 Blendenstufen erreicht nicht ganz den, in der Kamera eingebauten Stabilisator (ca. +3 EV), bietet dafür aber ein stabilisiertes Sucherbild auch bei Sony und Minolta. Daher kann ich keinerlei negative Kritik am leisen Stabi selbst üben. Selbst das leichte Klappern der beweglichen Linsen (im ausgeschalteten Zustand) stört nicht, war aber anfangs doch ungewohnt.
Negativster Punkt bleibt der Autofokusantrieb. Zwar ist der AF äußerst treffsicher und kaum hörbar, aber es dauert eine gefühlte Ewigkeit, bis der HSM-Motor den Schärfebereich komplett durchfahren hat. Gerade von HSM hatte ich mir hier deutlich mehr erwartet. Bietet hier, überraschender Weise, der Stangenantrieb der Minolta- und Tamronobjektive schnellere Geschwindigkeiten. Letzten Endes war der langsame Fokus auch der Hauptgrund für mich, >nur< 4 Sterne zu vergeben.
Zusammenfassung:
+ akzeptable Schärfe über den gesamten Bildbereich / gute Zentrierung (ideal bei f 5,6 bis 11,0)
+ kaum Chromatische Aberrationen
+ geringe Verzeichnung
+ Vignette bereits um 1EV abgeblendet kaum zu sehen
+ leiser und treffsicherer Fokus, kaum 'Pumpen'
+ super Verarbeitung
+ gutes Gewicht (rel. leicht)
- sichtbar weiche Bilder bei Offenblende
- sehr langsamer HSM-AF-Motor
- zu steile Übersetzung des manuellen Fokus
Abschließend lässt sich sagen, dass Sigma hier ein guter Wurf gelungen ist, den man fast weiterempfehlen kann. Ich kann mich sehr glücklich schätzen, ein gutes Exemplar erwischt zu haben. Treten auch bei dieser Optik die Sigma-typischen Qualitätsschwankungen auf, dann braucht der Käufer ein dickes Fell, um den Sigma-Service zu überstehen. Auch wenn ich dieses Objektiv aus meiner Sicht jedem preisbewussten Käufer empfehlen kann, so hat mich doch die Erfahrung mit dem Sigma-Service und dem 18-50 HSM (siehe Rezension) geprägt. Trotz der hier vergebenen 4 Sterne, bleibt für mich Sigma eine Marke, die ich leider ein erstes und letztes Mal gekauft habe.