Der Kauf dieses Objektives hat eine Vorgeschichte:
zuerst hatte ich mir das Modell ohne OS bestellt -ich nenne er hier HSM- , von dem ich im Grunde sehr begeistert war, ich gebe zu auch wegen des Preises, jedoch fehlte mir der Stabilisator.
somit stellte sich also die Frage:
gebe ich den horrenden Preis für ein Nikkor 70-200 1:2,8 VRII -kurz VRII- aus oder riskiere ich einen Blick auf, oder besser durch das Sigma. Ich habe mich also für letzteres entschieden.
Erwartung:
Hatten meine besherigen Sigmas (17-70 1:2,8-4,0 und 10-20 1:3,5) gegenüber den Nikkoren stets ein Alleinstellungsmerkmal, so hat das VRII einen direkten Konkurrenten von Sigma - eben dieses Modell, ich nenne es hier OS.
Somit erwarte ich auch eine vergleichbare Leistung, optisch und mechanisch.
Da ich in der angenehmen Situation bin, beide Linsen gleichzeitig zu testen, werde ich diese Rezension teilweise dialektisch formulieren. Auch werde ich auf das HSM eingehen.
Gehäuse/Haptik:
Es ist Kunststoff. Das kann an kühlen Tagen durchaus von Vorteil sein, die Finger werden nicht so schnell kalt wie z.B. am VRII, im Ernst: Sehr solide gebaut, im Vergleich zum HSM fast schon filigraner, interessant: Zoom- und Fokusring sind jetzt vertauscht und drehen andersherum. Die Anordnung enstspricht nun dem VRII, nur dreht der Zoomring entgegengetzt - sei's drum...
Die Verarbeitung ist prima. Nichts klappert -im ausgeschalteten Zustand, siehe weiter unten- oder wackelt, so soll es sein.
Der Aluring, an dem der Stativfuß angebracht ist, ist innen mit Kunststoff ausgekleidet, damit beim Drehen sich keine Riefen im Objektiv bilden, das ist ein gutes Detail. Der Ring lässt -wie beim HSM- auch ohne Demontage der Linse abnehmen. Im Gegensatz zum HSM gibt es einen M/AF-Schalter.
Der Sonnenblende möchte ich hier einen eigenen Absatz widmen:
Die Verlängerung für Kameras mit DX-Sensor wie für meine D300s ist wirklich lieb gemeint, aber leider völlig unpraktisch: Zum einen wird das Ding nochmal 2,5 cm länger, zum anderen muss man den Obekjektivdeckel auf die Verlängerung setzen und wenn man die Sonnenblende verkehrt herum auf die Linse aufsetzen möchte, muss sie auf die Verlängerung, welche fest am Objektiv bleibt/bleiben sollte . Will man die Sonnenblende wieder richtigherum aufsetzen, löst sich im ungünstigen Fall -also fast immer- die Verlängerung vom Objektiv statt der Blende von der Verlängerung - und dann geht das Gefummel los - eine verkehrtherum sitzende Sonnenblende von der Verlängerung lösen - viel Spass!
Die Verlängerung bleibt im Karton, zumal die Sonnenblende die des HSM und erst recht die des VRII um Längen überragt (wieso eigentlich, ich dachte der Öffnungswinkel wäre gleich...).
Gewicht:
Vielleicht etwas leichter als das VRII aber unwesentlich, ein lichtstarkes Tele wiegt eben 1,5kg.
Optik:
Im Gegensatz zu dem ersten Rezensenten habe ich bei meinen "Fotoreihen" eine andere Feststellung gemacht: Nach meiner Beurteilung wird die Linse nach "oben heraus", also <170mm etwas weicher und zwar bei allen Blendenstufen. Die Abbildungsleistungen bei Brennweite kleiner 170mm sind auch bei Offfenblende untadelig und nimmt je kleiner die Brennweite wird, immer weiter zu. Bei 70mm und Blende 5.6 werden die Bilder knackscharf. Das soll jetzt nicht heißen, die Linse wäre bei 200mm @ 1:2,8 unbrauchbar, die Abbildung ist gut, aber eben ein klein wenig weicher. Da ich die Linse nicht im Studio verwende, kann ich damit leben.
Das VRII ist durch den ganzen Brennweitenbereich konstanter, abgeblendet etwas schärfer als bei Offenblende.
Leider hat das OS nicht mehr die tolle Naheinstellgrenze von 1m, wie sie das HSM hatte. Es ist jetzt mit 1,4 gleichauf mit dem VRII.
Auf CA habe ich die Linsen nicht explizit untersucht, konnte jedoch bei der ersten Sichtung meiner Aufnahmen nichts besonderes feststellen.
Stabilisator:
Das war für mich DAS Kriterium, soviel Geld in diesen Brocken zu investieren. Sigma und Nikon verfolgen hier eine etwas unterschiedliche Strategie, wie beim VRII bietet das Sigma 2 unterschiedliche Modi: Anders als das VRII kann mann hier zwischen einer horizontalen und einer horzontalen+vertikalen Stabilisierung wählen. Grund: der Stabi greift ziemlich rigide ein und kann bei kleinen Schwenks das Bild schon einmal kurz "festnageln". Der positve Effekt ist: mann kann bei max. Brennweite bei schon fast irrwitzig langen Verschlusszeiten verwachlungsfreie Bilder ablichten. Wir reden von 1/20tel @ 200mm mit aufgelegtem Ellenbogen.
Das VR des Nikkor ist da etwas zaghafter, es erlaubt im Normal-Modus auch Schwenks und bietet den Active-Modus zur Stabilisierung aus sich bewegenden Fahrzeugen. Mit dem VRII war dann aber bei 1/40tel @ 200mm Schluß. Ab diesem Wert waren die Bilder verwackelt.
Noch etwas: Das VRII arbeitet deutlich LEISER, beim Sigma klingt es, als würde jedesmal der Kreisel eines Gyrosensors hochfahren. Dem ist bestimmt nicht so, aber jedesmal wenn ich den Auslöser antippe, ertönt ein deutliches "RATSCH". Eine verzögerte Funktion des OS habe keine festellen können.
AF:
Schnell, leise, treffsicher ohne front- oder backfocus, die Leistung der Sigmas sind dem VRII mindestens ebenbürtig.
Das HSM kann näher ran, bei dem VRII ist bei 1,4m Schluss, Das OS fokussiert bis 1,3m manuell bis 1,2m
Resümee:
Bis zum jetzigen Zeitpunkt kann ich sagen, dass ich sehr zufrieden bin. Sigma hat da was ordenliches zusammengesteckt.
Allzuviel habe ich noch nicht abgelichtet und der erste Außeneinsatz steht noch bevor, jedoch bin ich guten Mutes und werde bei Gelegenheit meine Erfahrungen anfügen. Bis jetzt 5 Stars!
Addendum vom 10.04.2012:
Also habe ich nun mehrere Außeneinsätze und auch ein Konzert erfolgreich hinter mich gebracht.
Bei dem schieren Gewicht ist mitunter etwas Überwindung vonnöten, jedoch habe ich es bisher nicht bereut den Trumm mitzuschleppen. Ganz am Rande erwähnt: ein
Kata 3N1-30 SLR-Sling-Rucksack leistet hier gute Dienste.
Konzertfotografie:
Leider hatte der Beleuchter wohl seinen dunklen Tag, somit hatte ich sehr wenig Licht zur Verfügung. Aus beinahe endlosen Serien mit ISO1600 bei Offenblende und Verschlusszeiten länger als 1/20 sek. kamen dann doch noch ein paar brauchbare Bilder heraus (die Band war jedenfalls sehr begeistert). Hier machte sich der OS mehr als bezahlt, das Sucherbild steht förmlich still, blöd nur, dass die Musiker sich immer bewegen...
Außeneinsatz:
Schneller, zuverlässiger AF: Vögel, Motorräder, Züge, alles was sich bewegt wird sauber eingefangen. Der OS sollte bei Schwenks wirklich auf "2" gestellt werden, sonst "hüpft" das Motiv im Sucher (und auf dem Sensor) hin und her. Die lange Sonnenblende (s.o.) schattet auch ohne Verlängerung die Frontlinse gut ab. Aufnahmen gegen das Licht bringen keine besonders starke Reflexionen. Ich verwende einen
Hoya UV Pro1 Digital Filter 77mmZum Schluss möchte ich noch auf den Bericht in dpreview.com verweisen: [...] die Tests wurden jedoch mit einer Canon 7D bzw. 5D mk2 gemacht.