Nachdem ich schweren Herzens meiner D7000 den Rücken gekehrt habe und ins Sony-Lager gewechselt bin (Hauptgrund: GPS und ein paar andere Features, die bei Canikon frühestens in ein paar Jahren umgesetzt werden), brauchte ich für meine A65 ein passendes Reisezoom fürs leichte Gepäck. Ausprobiert habe ich folgende:
- Sony SAL 18-200
- Tamron 18-270 PZD
- Sigma 18-250 OS HSM
- Sigma 18-200 II HSM (für Canon und Nikon gibts dasselbe Modell mit OS = Stabilisator)
Die 150¤ Billig-Varianten der 18-200er von Tamron und Sigma blieben außen vor und das Sigma 18-200 HSM (Version I) ebenfalls - die hatte ich mir früher bereits angesehen, Qualität unbefriedigend.
Bei den vier getesteten Objektiven erlebte ich eine Überraschung: Ich hatte auf das Tamron gehofft, denn es war so schön klein und leicht, auch der PZD-Autofokus hatte es mir angetan. Leider erwies sich die Bildqualität zwar in etwa gleichauf mit dem Sigma 18-250, aber trotzdem dem Sigma 18-200 II sichtbar unterlegen. Es gab zwar Schwankungen bei verschiedenen Brennweiten/Blenden- Kombinationen, aber unterm Strich zeigte sich das 18-200 II als klarer und unerwarteter Sieger. Besonders deutlich wurde es im Weitwinkelbereich und bei Offenblende, da schwächelten die anderen Objektive stärker. Auffällig: Fast durchgehend war das 18-200 II an den Bildrändern schärfer als die Konkurrenten. Chromatische Aberrationen traten nur vergleichsweise moderat auf und waren nicht ernsthaft störend, ebenfalls ein Plus.
Eventuelle Verzeichnung und Vignettierung der Objektive habe ich nicht getestet, weil sie mich nicht interessieren - wenn hier wirklich im Einzelfall einmal Bedarf besteht, läßt sich das per DxO, Lightroom etc. korrigieren. Es müsste im Netz sogar Freeware für diesen Zweck existieren, soweit ich mich erinnere.
[Anmerkung: Bei original Sony Objektiven können Verzeichnung, Vigenttierung und CA zumindest von der Alpha 65 und 77 automatisch intern korrigiert werden]
Übrigens: Der letzte Platz ging, wenn auch knapp, an das Sony. Dessen Bildqualität lag zwar im Durchschnitt, dazu kam allerdings ein lahmer und lärmender, sprich: veralteter Autofokus, da ohne Ultraschallmotor. Hier wäre dringend Modellpflege vonnöten. Dasselbe gilt auch für das einzige andere DSLR/SLT-Superzoom von Sony, das 18-250. Ich habe es nicht getestet und werde mir auch die Mühe sparen - aus genau diesem Grund.
Als Referenz diente (außer Konkurrenz) ein Nikkor 18-200 VR II, das meiner Erfahrung nach momentan beste Superzoom auf dem Markt. Das Sigma 18-200 HSM II kommt zwar nicht ganz an das Nikkor ran (langsamerer und nicht ganz so zuverlässiger AF, Bildqualität knapp schlechter), bringt aber trotzdem eine solide Leistung.
Zusammenfassung:
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+ überdurchschnittliche Bildqualität (für ein Superzoom), meist auch bei Offenblende
+ leiser Ultraschall-AF
+ ordentliche Verarbeitung
+ fairer Preis
o AF durchschnittlich zuverlässig
- AF relativ langsam (das Tamron PZD ist z.B. wesentlich flotter)
- der Zoomring ist zu leichtgängig, Zoom Creep trat bereits wenige Tage nach dem Kauf auf
Das Sigma 18-200 II ist ungefähr genauso groß wie das Tamron 18-270 PZD, aber 50g schwerer (ca. 500g). Ungewohnt ist für mich der gegenläufig (im Vergleich zu Nikon und Tamron) drehende Zoomring. Die Verabreitung ist OK, es hat ein Metallbajonett und eine Gegenlichtblende wird mitgeliefert. Zoom Creep (ungewolltes Herausfahren des Tubus, wenn man z.B. die Kamera umhängen hat) tritt leider auf, ein Lock-Schalter in 18mm-Position ist aber immerhin vorhanden. Der Ultraschall-AF ist leise und durchschnittlich zuverlässig, Geschwindigkeitsrekorde stellt er aber absolut nicht auf - er bewegt sich diesbezüglich gerade noch so eben im grünen Bereich, würde ich sagen.
Fazit: Das Sigma 18-200 II ist zwar kein perfektes, aber unterm Strich ein ordentliches Objektiv zum fairen Preis, das man weiterempfehlen kann. Wenn es ausschließlich um die Bildqualität ginge, würde ich sogar knapp 5 Sterne geben, aber wegen obiger Minuspunkte gibts einen Stern Abzug.
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Update 25.03.12:
Ich hatte inzwischen Gelegenheit, noch ein zweites Tamron 18-270 PZD zu testen und war baff erstaunt: Die Bildqualität war deutlich besser als beim ersten Exemplar, ungefähr auf dem Niveau des Sigma II, wenn nicht sogar einen Tick darüber. Dafür zickte aber der (beim ersten PZD hervorragende) AF rum, er stotterte im Telebereich oft, trotz genügend Licht und Kontrast. Und zwar nicht nur ein Verzögerungs-Stottern, sondern es war deswegen teils nichtmal Auslösen möglich.
Seufz...es ist echt frustrierend, wenn Hersteller, die erwiesenermaßen erstklassige Ware liefern KÖNNTEN, dermaßen an der Qualitätskontrolle sparen. Wirklich schade.
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Update 04.05.12:
Da mir das Tamron eigentlich lieber wäre (kleiner, leichter, schnellerer AF) habe ich ein drittes 18-270 PZD ausprobiert: Bildqualität diesmal etwas schlechter als bei meinem Sigma 18-200 HSM II und schon wieder (!) das zuvor beschriebene AF-Stottern. Traurig.