Achtung, hier liegt ein Problem vor, meine Rezension bezieht sich auf das *Sigma 18-200 DC HSM OS* für Nikon, Amazon führt aber meine Rezension auch unter dem Sigma 18-200 DC, also die Version ohne OS-Bildstabilisierung, welches ein gänzlich anderes Objektiv ist! Diese Version besitze ich zwar zufälligerweise auch, in einer Pentax-Version, aber meine Rezension bezieht sich auf das grössere, schwerere und teurere 18-200DC HSM OS.
Also, nach Klärung dieses Sachverhaltes, hier meine Rezension:
Eigentlich wollte ich mir das Nikkor 18-200 VR kaufen, aber als plötzlich das Sigma zu einem sehr guten Sonderpreis angeboten wurde, weit weniger als die Häfte vom Nikkor, da konnte ich nicht widerstehen und habe zugeschlagen. Bislang habe ich an meiner Nikon D90 mit einem Nikkor 18-105 VR gearbeitet und nun wollte ich einen grösseren Brennweitenbereich haben (18-200). Ferner fotografiere ich auch mit einer Pentax K20D.
Dieses Sigma Objektiv muss in meinem Fall gegen folgende Vergleichsobjektive bestehen:
- Ein Nikkor 18-105 VR an meiner Nikon D90
- Ein Nikkor 18-55 VR an meiner D90
- Ein Pentax DA 18-55 AL II an meiner Pentax K20D
- Ein Sigma 70-300 an meiner Pentax K20D
Und, im Vergleich mit den o.g. Objektiven, die auch alle nicht perfekt sind und jedes seine Vor- und Nachteile hat, muss ich sagen, das Sigma hinterlässt bei mir einen sehr zwiespältigen Eindruck. Gut und Schlecht liegen sehr nah beieinander.
Was mich am meisten stört ist die doch sehr starke Vignettierung (dunkle Ecken) an allen vier Ecken im gesamten Brennweitenbereich, besonders aber im Weitwinkelbereich von 18 bis 30 mm. Ich hatte noch nie ein so starkes Vignettierungsphänomen gesehen. Das trübt die Freude am Objektiv doch sehr, leider. Meine anderen, o.g. Objektive zeigen bei weitem nicht eine *solche* Vignettierung.
Dies ist sehr schade, denn einige anderen Eigenschaften sind bei diesem Sigma eigentlich ganz gut: Auflösung, Verzeichnung, Farben, etc.
Das Sigma macht äusserlich einen guten Eindruck, ist gross und schwer, sieht wertig aus, gut verarbeitet. Der Autofokus ist bei meinem Exemplar erstaunlich schnell und präzise im Bereich 18 bis 120 mm. Ab 120 mm aufwärts hat er allerdings Probleme, vor allem bei weit entfernten Gegenständen wie z.B. Berge, selbst bei guten Tageslichtverhältnissen. Übrigens besitzt nur die Nikon-Version dieses Objektivs einen schnellen Ultraschallmotor, HSM, die Canon-Version hingegen nicht.
Die Grösse und Schwere des Objektivs könnte man auch als Nachteil betrachten, das ist Geschmacksache. Ich sehe es eher positiv, die Schwere erzeugt bei mir das Gefühl dass stabile Mechanik und Glaslinsen verbaut wurden anstatt Plastiklinsen etc.
Auch sehe ich Probleme bei der Schärfe, vorwiegend im Bereich 50 - 80 mm und 150 bis 200 mm, in diesen Bereichen kommt es bei meinem Exemplar zu sichtbaren Unschärfen an den Seiten, links mehr als rechts. Das ganze linke Drittel des Fotos ist manchmal unscharf bei mir, sehr merkwürdig und sehr betrüblich. So etwas kenne ich nicht von meinem Nikkor 18-105 VR.
Ferner hat bei mir schon des öfteren die OS (Bildstabilisierung) versagt, manchmal funktioniert sie und manchmal nicht. Manchmal erhalte ich verwackelte Aufnahmen selbst bei 1/200sec (!), obwohl ich *ganz sicher* bin die Hand ruhig gehalten zu haben. Das ist nicht akzeptabel. Mit meinem Sigma 70-300 an meiner Pentax K20D (Bildstabilisierung am Sensor) passiert mir so etwas nie.
Auch die geringe Lichtstärke muss negativ erwähnt werden: Die Blende 3.5 steht wirklich nur bei 18 mm zur Verfügung (also genau bei der Brennweite die wegen der Vignettierung ungeniessbar ist), schon bei 20 mm geht die Blende auf 4.0. Bei 35 mm Blende 4.5. Schon bei 50 mm gibt es nur maximal Blende 5.6, bei 80 mm 6.0 und schon ab 100 mm aufwärts nur noch 6.3. Die geringe Lichtstärke im Zusammenhang mit dem mangelhaften OS wird zum Problem und produziert viele verwackelte Aufnahmen.
Positiv: die tonnenförmige Verzeichnung im WW-Bereich ist nur geringfügig und für ein Zoomobjektiv absolut in Ordnung, und die kissenförmige Verzeichnung im Telebereich ist sehr gering. Ferner: relativ guter Kontrast im Telebereich.
Ausserdem besitzt das Sigma ein Metallbajonett (mein Nikkor nur Kunststoffbajonett).
Na gut, die Vignettierung kann ich ja mit meinem DxO Programm korrigieren (es gibt ein Modul für dieses Sigma in meiner DxO Software), aber für die Schärfeprobleme und für die mangelhafte Bildstabilisierung gibt es keine Lösung, aus diesem Grunde behalte ich das Objektiv nicht.
Zusammenfassend:
POSITIV:
- Gute und wertige Verarbeitung
- Gute Haptik und Ergonomie
- gute bis sehr gute Werte für Auflösung und Verzeichnung
- keinerlei CA (lila Farbsäume) an meinem Exemplar
- schneller und präziser Autofokus (Ultraschall-Motor) bis 120mm (aber Probleme von 120 bis 200)
- schwer und stabil
- OS (Optische Stabilisierung) vorhanden
- Verzeichnung und Vignettierung lassen sich in DxO verbessern bzw. korrigieren (Objektiv ist in der Modul-Liste von DxO vertreten)
- Metallbajonett
NEGATIV:
- erhebliche Vignettierung im gesamten Brennweitenbereich
- merkwürdige Schärfeprobleme in einigen Bereichen
- sehr gross und schwer
- sehr geringe Lichtstärke, die vom mangelhaften OS nicht wett gemacht wird
- kamerainterne Bildbearbeitung meiner Nikon D90 funktioniert mit diesem Sigma nicht
- OS Bildstabilisierung funktioniert nicht zuverlässig, viele verwackelte Aufnahmen (das Problem liegt nicht "hinter der Kamera"!! Mit meiner Pentax K20D (Bildstabilisierung am Sensor) und einem Sigma 70-300 habe ich fast Null verwackelte Aufnahmen!!)
Fazit: Zwiespältig. Gutes Konzept, aber die Mängel und Nachteile sind für ambitionierte Amateur-Fotografen relativ gross. Für mich nicht befriedigende Performance insgesamt, trotz einiger Vorzüge. Ich habe das Objektiv zurück gegeben.
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