Ich bin normalerweise ausschließlich im Nikonhauseigenen Objektivrevier unterwegs, doch angesichts des wesentlich teureren Nikon-Objektives, das zusätzlich noch weniger Bildwinkel bietet, wenngleich auch mit konstanter Lichtstärke, so habe ich mich dennoch aufgrund des wesentlich günstigeren Preises für das Sigma entschieden. Aufgrund des Preises, aber auch aufgrund des Umstandes, das ich in diversen Foto-Foren schon zahlreiche Fotos gesehen hab, die mit diesem Foto aufgenommen worden sind und die mich hinsichtlich Bildqualität überzeugt haben.
Grundsätzlich muss man sich vor Augen halten, dass es sich hier um ein sog. Superweitwinkelzoom handelt, das natürlich gerade in punkto Verzeichnug und Vignettierung wesentlich schwieriger zu korregieren ist, als ein Standardzoom oder ein "normales" Weitwinkelzoom, ohne dabei die Produktionskosten zu sprengen.
Das Objektiv wird in einem gut gepolstertem Köcher mit Reissverschluss geliefert, der aus einem wasserabweisendem Material besteht und in dessen Boden und Deckel Schaumstoff eingelassen ist, so dass das Objektiv gut fixiert wird. Eine Gegenlicht-/Sonnenblende ist im Lieferumfang ebenso enthalten wie Garantiekarte und Artikelbeschreibung.
Aussagen von Vorrezensenten, dass das Objektiv ausschließlich aus Kunststoff gefertigt wäre, kann ich nicht nachvollziehen. Das Objektiv präsentiert sich in ausgesprochen hochqualitativer Fertigung und besteht sehr wohl zum Teil aus Metall, was man nicht nur beim Angreifen spürt, sondern auch beim Aufheben. Ich bin gerade was das "Angreifen" eines Objektivs betrifft, sehr anspruchsvoll. Mir persönlich sind die Einsteigerobjektive der Hersteller ein Greuel, weil diese mit Ausnahmen der Linsen tatsächlich oftmals Kunststoff pur sind, auf das Sigma trifft dies keinesfalls zu.
Die Einstellringe haben keinerlei Spiel, der Brennweiteneinstellring geht weder zu locker, noch zu streng, noch weist er Widerstände auf, sondern gleitet angenehm von 10 mm auf 20 mm.
Absolut faszinierend der Fokusierring, der analoges Feeling vermittelt. Bei einem Weitwinkelzoom und in Zeiten von AF zwar vernachlässigbar, aber dennoch ein erstaunliches Feature.
Besonders gefällt mir auch der Umstand, dass das Objektiv bei Verstellen der Brennweite seine Baulänge nur marginal ändert und die Ästhetik, wenn man mir die Verwendung dieses Begriffs in einem Atemzug mit einem Objektiv gestattet, erhalten bleibt. Da gibt es keinen Tubus, der auf einmal aus dem Inneren der Optik fährt und das Ganze zu einem lang gezogenem, unansehlichen Teil werden lässt. *grinst*
Die Innenfokusierung bewirkt, dass die Frontlinse sowohl bei Änderung der Brennweite, als auch beim Fokussieren unbeweglich bleibt. Gerade beim Einsatz von Filtern oder Vorsätzen ist dies praktisch. Wenn man zum Beispiel gerade einen Polarisationsfilter passend eingestellt hat, dann aber nochmals die Brennweite ändert, so "verdreht" sich der Polfilter nicht erneut.
Die Abbildungsleistung bei offener Blende ist bei allen Brennweitenbereichen als gut bis sehr gut, auch im Randbereich, zu bezeichnen. Abgeblendet auf Blende 8 steigt die Schärfe nochmal kräftig an. Das Objektiv besitzt zumindest eine asphärische Linse, was sich in der Bildqualität auch entsprechend niederschlägt, wie man anhand der Aufnahmen erkennen kann.
Die Vignettierung hält sich selbst bei Offenblende erstaunlich in Grenzen und ist niemals störend, kann natürlich im Nachhinein sehr einfach per Software gänzlich behoben werden.
Hierbei gilt zu beachten, dass das Objektiv zu den sog. "DC"-Objektiven von Sigma zählt, also nicht für Vollformatkameras (24x36 mm-Sensor oder analog) oder Digitalkameras mit einem Sensor größer des APS-C konzipiert ist. Verwendete man das Objektiv an derartigen Kameras dennoch, wären starke Vignettierungen und Einbußen bei Abbildungsleistung die Folge.
Absolut begeistert bin ich von diesem Objektiv jedoch was die Verzeichnung betrifft. Selbst bei 10 mm ist diese minimal. Es versteht sich von selbst, dass man das Objektiv bei der Aufnahme entsprechend sorgfältig zum Motiv ausrichten muss, da anderenfalls durch die starke Betonung des Vordergrundes gerade Linien "kippen", was von manchen irrtümlicherweise oft mit Verzeichnung verwechselt wird. Von Verzeichnung spricht man, wenn eine gerade Linie am Bildrand verkrümmt dargestellt wird. Nicht zu verwechseln mit der erwähnten perspektivischen Verzerrung, die allen Superweit- und Weitwinkel-Objektiven gemein ist.
Mein Nikkor VR 18-200 hat bei 18 mm eine deutlich sichtbare tonnenförmige Verzeichnung. Das Sigma 10-20 hat selbst bei 10 mm nicht mal annähernd so viel Verzeichnung, jedoch ebenfalls leicht tonnenförmig. Allerdings sollte man deswegen vom 18-200er nicht schlecht denken, schließlich ist es ein Unterschied, ob man ein Zweifachzoom oder ein Elffachzoom korregieren muss. Fazit ist jedoch, dass das 18-200er für Architekturaufnahmen mit Weitwinkel nur eingeschränkt, das Sigma 10-20er bedenkenlos einsetzbar ist.
Der Ultraschallmotor ist schnell und leise, jedoch eine Spur lauter, als jener der Nikon-Objektive 18-200 und 18-70, wird jedoch vom Geräusch her niemals "störend".
Die beiden einzig negativen Merkmale des Sigma-Objektivs sind:
Der Objektivdeckel und die hintere Abdeckung! Die Frontabdeckung hält nicht besonders gut in montiertem Zustand und die hintere Abdeckung ist mehr als fummelig anzuschrauben.
Beides wird demnächst gegen die Original-Nikonteile ausgetauscht. Ich verstehe nicht, wie man so tolle Objektive bauen, aber bei den Abdeckungen so pfuschen kann. *lacht und schüttelt den Kopf*
Das Objektiv selbst hingegen ... fünf Sterne! Dankeschön Sigma.
PS: Inwiefern es innerhalb der Objektivserie Streuungen gibt, kann ich natürlich nicht sagen, Serien-Streuungen betreffen in der Regel vorwiegend Abbildungsleistungen, weniger die mechanische Qualität.