Nach mittlerweile 3 Kaffeeautomaten italienischer Herkunft innerhalb 6 Jahren war ich mit meinen Nerven am Ende. Erst eine Gaggia, dann eine Saeco und zuletzt eine Delonghi. Alle drei Maschinen bereiteten ziemlichen Ärger und waren regelmäßig defekt. Eigentlich war ich schon fast so weit, wieder auf eine einfache Filterkaffeemaschine umzusteigen. Doch das ist nur schwer möglich, wenn man sich in vielen Jahren an den Luxus jederzeit auf Knopfdruck verfügbaren Kaffees gewöhnt hat.
Gerne hätte ich nun einer Jura eine Chance gegeben. Doch das Killerkriterium dort ist die nicht herausnehmbare Brühgruppe. Und nach den drei Italienern weiß ich, was sich in diesem Bereich für Kaffeereste ansammeln. Da sollte man unbedingt einmal pro Woche eine gründliche Innenreinigung durchführen um Schimmelbildung zu vermeiden. Bei Jura geht das leider nur mit teurer und umweltschädlicher Chemie.
Nach längerer Recherche bin ich auf die Siemens EQ.7 Plus Serie gestoßen. Obwohl mir das Design anfänglich gar nicht gefallen hat, habe ich mich aufgrund der technischen Möglichkeiten für die I-Series Granit entschieden. Ganz nebenbei bemerkt habe ich mich mittlerweile an das ungewöhnliche Design gewöhnt und finde die Maschine eigentlich sogar ausgesprochen schick.
Nun zu meinen Erfahrungen. Beginnen wir mit dem Positiven:
Die Maschine ist nach dem Einschalten in absoluter Rekordzeit betriebsbereit. Ich glaube kaum dass das überhaupt noch zu toppen ist. Die Bedienung ist gut durchdacht, das Grafikdisplay ist aussagekräftig, gut zu lesen und sieht auch sehr gut aus. Das Mahlwerk ist tatsächlich flüsterleise - absolut kein Vergleich zu meinen Vorgängermaschinen. Auch die sonstigen Geräusche bei der Kaffeezubereitung sind auf vergleichsweise niedrigstem Niveau. Kaffee- und Milchauslauf sind höhenverstellbar, da passen wirklich alle nur denkbaren Kaffeetassen und auch hohe Gläser problemlos drunter. Wassertank und Bohnenbehälter sind groß dimensioniert, das spart ebenfalls Zeit und Nerven, da nicht so häufig aufgefüllt werden muss.
Die Entnahme der Abtropfschale und des Kaffeesatzbehälters ist ein Kinderspiel. Die Brühgruppe zu entnehmen ist etwas fummeliger als bei den Italienern. Dafür verdreckt diese aber kaum, selbst nach einer Woche sind kaum Kaffeereste feststellbar.
Nun zum Wichtigstem, dem Kaffeegeschmack! Hier setzt die Siemens wirklich Maßstäbe. Es ist unglaublich, wie geschmacksintensiv die EQ.7 Plus Kaffee aus exakt den gleichen Bohnen zubereitet, die ich bereits seit Jahr und Tag in den anderen Automaten verwendet habe. Selbst bei niedrigster Aromastärke ist der Kaffee sehr viel intensiver als in der kräftigsten Stufe bei den vorher verwendeten Automaten. Darüber hinaus ist der Kaffee sehr heiß. Ich habe 85°C gemessen, da kann man wirklich nicht meckern.
Milchmixgetränke bereitet die Siemens ebenfalls auf Knopfdruck zu, die Ergebnisse überzeugen auf ganzer Linie. Besonders die Reinigungsfunktion ist äußerst einfach und komfortabel zu handhaben.
Natürlich ist die EQ.7 Plus I-Series für einen Kaffeevollautomaten sehr teuer. Deshalb hatte ich mir auch die bauähnliche Bosch VeroBar 100 angesehen, die wesentlich günstiger zu haben ist. Doch von der wesentlich billigeren optischen und haptischen Anmutung mal abgesehen, schmeckte leider auch der Kaffee überhaupt nicht (hatte meine eigenen Bohnen zum Testen mitgenommen). Er war einfach nur gallebitter und schmeckte nach Chemie. Regelrecht ungenießbar. Ob das nun ein fehlerhaftes Gerät war, kann ich nicht beurteilen. Aber auch die Verarbeitung wirkte im Vergleich zur Siemens wirklich sehr, sehr billig, da hat man auf die vielen Jahre der Nutzung seitens der Optik wirklich nicht viel Freude.
Darüber hinaus ist die Siemens auch technisch sehr viel besser ausgestattet. Bislang hatte ich keine Maschine, die derartig auf individuelle Bedürfnisse einstellbar ist. Die Kaffeestärke ist in 5 Stufen anpassbar. Für die Kaffeemenge gibt es drei Grundeinstellungen, die dann jeweils noch in weiteren 5 Stufen feinjustiert werden kann. Die Temperatur ist in drei Stufen regelbar. Das Infodisplay informiert neben den bereits bezogenen Getränken auch über die restlichen Tassen bis zur Entkalkung, Reinigung oder Wechsel des Wasserfilters. Ebenfalls praktisch: Die optional zuschaltbare Standby-Uhr. Auf dem großen Display lässt sich somit immer schön die Zeit ablesen. Bleibt abschließend zu erwähnen, dass es sich beim EQ.7 Plus um ein sehr energieeffizientes Gerät mit einem minimalen Stromverbrauch handelt.
Doch es gibt durchaus auch Negatives:
Der Wasserverbrauch der Maschine ist recht hoch, da die Maschine offenbar bei jedem Tassenbezug eine interne Spülung durchführt. Der Drehschalter wirkt nicht sonderlich hochwertig und ist nicht griffig genug (glattes Hartplastik). Der Standbyknopf hat einen merkwürdigen Druckpunkt. So kommt es des Öfteren vor, dass die Maschine zwar auf den Einschalter reagiert, dann aber trotzdem unvermittelt wieder abschaltet. Aufgrund dieses Fehlers hatte ich die Maschine bereits einmal getauscht. Doch nach 2 Wochen Nutzung hat die neue Maschine das gleiche Problem. Dafür läßt sich die Brühgruppe beim Austauschgerät sehr leicht entfernen, beim ersten Gerät ist man fast dabei verzweifelt. Gestern wollte ich eine Tasse Kaffee beziehen, es wurde gemahlen und die Pumpe sprang an, doch es kam kein Kaffee aus dem Auslauf. Beim zweiten Versuch klappte es dann. Im Gegensatz zur ersten Maschine ist das Austauschgerät wesentlich lauter. Dies resultiert aus irgend einem intern verbauten Blechteil, welches Resonanzen verursacht. Auch ist die Servicetür weniger passgenau als bei der ersten Maschine. Darüber hinaus schließt der Deckel des Bohnenbehälterns nicht richtig, er wackelt ziemlich auf dem Dichtring hin und her. Offenbar gibt es eine ziemliche Serienstreuung. Gefertigt wird dieser Kaffeeautomat in Slovenien. Angesichts des sehr hohen Gerätepreises hätte man hier eigentlich ein echtes "Made in Germany" mit konstanterer Fertigungsqualität erwarten können.
Abschließend muß ich sagen, dass ich nicht sicher bin, ob man die Maschine weiterempfehlen kann. Seitens Funktionalität, Design und Kaffeegeschmack würde ich 5 Sterne vergeben. Doch auch Fertigungsqualität und Langzeitzuverlässigkeit sind wichtig. Obwohl ich letztere noch nicht beurteilen kann, schwant mir angesichts der bereits jetzt auftretenden Probleme nichts Gutes.
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Update meiner Erfahrungen: Die vielen Macken des Austauschgeräts haben mich bewogen auch dieses zurückzusenden und nochmals einen Austausch zu wagen. Warum habe ich mich nicht endgültig für ein anderes Gerät entschieden? Nun, der Siemens EQ.7 Plus überzeugt durchaus mit seiner genialen Funktionalität und dem unübertroffen guten Kaffeegeschmack. Das nunmehr dritte Gerät ist im Gegensatz zum zweiten Austauschgerät wieder perfekt verarbeitet, hat aber ebenfalls das Problem mit dem Standbyschalter. Da die Seriennummern der drei Geräte nahezu fortlaufend waren, vermute ich einen Serienfehler innerhalb einer gewissen Charge. Ich werde jetzt damit leben, notfalls kann der Schalter ja noch auf Garantiebasis getauscht werden.
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Update nach einem knappen Vierteljahr: Mittlerweile lebe ich damit, auch beim dritten Austauschgerät meist zwei Mal auf den Einschalter drücken zu müssen, bis die Maschine startet. Ansonsten habe ich nichts auszusetzen. Prima Funktionalität und toller Kaffeegeschmack. Dennoch ist die Sache mit dem Schalter ärgerlich.
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Update 25.11.2011: Nach nunmehr einen halben Jahr Nutzung macht die Maschine alles so, wie man es sich wünscht, vom Ein/Ausschalter einmal abgesehen. Ohne diesen Mangel könnte man die Maschine fast als perfekt bezeichnen. Deshalb ändere ich die Bewertung von 3 auf 4 Sterne.