Amy Chua ist mit Ihrer Methode zur Erziehung ihrer Kinder gescheitert. Dennoch hatte Sie den Mut, ihre Geschichte in einem Buch zu veröffentlichen. Jeder, der das Buch liest wird zu dem Schluss kommen, dass es besser ist, ihrem Erziehungsbeispiel nicht zu folgen.
Monika Löhle entblößt mit ihrem Gegenbuch die bereits von Amy Chua selbst offenbarten Schwächen noch intensiver. In einem flüssig zu lesenden, jedoch recht oberlehrerhaften Schreibstil attackiert sie den aus verschiedenen Gründen bemerkenswerten Bestseller von Amy Chua.
Amy Chua hat viel falsch gemacht! Aber sie führt einen für den Rezensenten neuen Begriff in die Diskussion ein: "'Circulus virtuosus'". Gemeint ist damit ein sich selbst verstärkender Kreislauf, sofern man durch Fleiß, harter Arbeit, Disziplin und Engagement Erfolge provoziert, die dann zu weiterem Engagement auf höherer Ebene motivieren.
Die im Folgenden zitierte Kritik von Monika Löhle an dem geschickt von Amy Chua gewählten Begriff entlarvt die analytischen Schwächen von Monika Löhle auf eine erschreckende Weise:
Das Zitat aus Löhles Buch dürfte für sich selbst sprechen:
"'Im deutschen Sprachgebrauch gibt es den Circulus virtuosus gar nicht. Vermutlich meint sie den Cuculus vitiosus, der aber einen Teufelskreislauf beschreibt: Ein System, das sich ständig selbst bestärkt und so seinen Zustand immer weiter verschlechtert. Ist hier ein lapsus linguae unterlaufen? Sie wollte doch nicht ihre eigene Erziehung als eine sich nach unten drehende Spirale bezeichnen. Es könnte auch ein Freudscher Versprecher sein, also eine sprachliche Fehlleistung, bei der man seine eigentliche Absicht Verbergen will, sie aber durch falsche Wortwahl peinlich aufdeckt.
Plausibel wäre es für mich, dass sie dieses Trimmen auf Erfolg als Perpetuum Mobile bezeichnen wollte und nur einfach den falschen Begriff wählte. Gemeint ist damit ein System, das, einmal in Gang gesetzt, ewig in Bewegung bleibt, ohne dass man weitere Energie zuführen muss. Allerdings ist in der Physik längst bewiesen, dass ein solches System, nach dem jahrhundertelang von den klügsten Köpfen geforscht und gefahndet wurde, auf der Erde nicht möglich ist, also niemals konstruiert werden kann. Genauso wenig gibt es für den Erfolg eines Menschen ein Perpetuum Mobile."
Die Unterstellungen Löhles sind völlig aus der Luft gegriffen. Amy Chuas Credo war doch nun eindeutig: Ohne permanentes Engagement, also dem sukzessiven Zuführen neuer Energie, wird die Meisterschaft nicht zu erreichen sein.
Monika Löhle scheint hier ein Opfer Ihrer Ausbildung als Mathematiklehrerin geworden zu sein. In der Mathematik ist es üblich, eine Behauptung in Form einer Gleichung aufzustellen. Diese wird dann solange vereinfacht, bis klar ersichtlich ist, ob die Gleichung stimmig ist oder nicht. Falls nicht, muss die ursprüngliche Behauptung falsch sein. Das Problem ist nur, dass im vorliegenden Fall die Behauptung nichts mit Amy Chua zu tun hat. Insofern sind die diesbezüglichen Schlüsse Monika Löhles auch nicht zulässig.
Löhles Buch konkludiert fünf Grundprinzipien der Erziehung: Liebe, Achtung, Kooperation, Struktur und Förderung. Nichts Neues also. Neu ist aber der Zusatz "Siegen kann man später". Warum dies so ist - immerhin auch der Titel des Buches - wird mit keinem Satz erwähnt. Der Volksmund weiß schon über Generationen: Früh übt sich, wer ein Meister werden will. Das alte Prinzip <fördern durch fordern> wird durch Amy Chuas Circulus virtuosus um eine wichtige Facette ergänzt. Der Schüler braucht Erfolgserlebnisse, positives Feedback und Anerkennung der Leistung um jeden Tag aufs Neue zusätzliche Energie aufzubringen.
Auch wenn Chua es weit übertrieben hat und drastische Fehler eingestehen musste: Ihr Buch enthält viel Neues und Bedenkenswertes.
Löhles Buch bleibt jedoch sehr weit hinter den Erwartungen zurück. Ein reißerischer Titel sollte wohl im Fahrwasser einer Bestsellerautorin den eigenen Bekanntheitsgrad steigern. Amy Chua hat eine Diskussion angeregt. Das Gegenbuch Löhles kann da nicht mithalten. Zudem bleibt Monika Löhle die Erklärung ihres Buchtitels "Siegen kann man später" schuldig.