"Siegel der Nacht" ist anders als seine Vorgängerbücher. Denn Mercy ist nicht mehr allein, sie ist nun mit Adam zusammen - für Mercy noch ein wenig ungewohnt. Wo sie früher alleine agieren musste, hat sie nun einen Alpha-Werwolf an ihrer Seite mit einem Rudel im Hintergrund. Möglicherweise wird diese neue Konstellation bei manchen Lesern nicht gut ankommen, da die neue Geschichte eben nicht dem altbekannten Handlungsmuster - Mercy gerät in Schwierigkeiten und versucht zunächst, allein wieder rauszufinden - folgt. Ich fand diese Entwicklung aber sehr gelungen und konsequent umgesetzt. Denn die Figuren müssen sich weiterentwickeln, um authentisch zu bleiben.
Siegel der Nacht startet einige Wochen und Monate nach dem Ende des Vorgängerbandes. Mercy muss sich um Stefan, den Vampir kümmern und dafür sorgen, dass er wieder seelisch und körperlich auf die Beine kommt. Und wenn da eben Schundfilm-Abende mit Nosferatu dazugehören, umso besser! Und da wären noch die Probleme, die es mit sich bringt, wenn die eigene Mutter die Hochzeit plant und ankündigt, Schmetterlinge und Ballons steigen zu lassen. Ich will hier nicht zuviel verraten. Es lohnt sich aber, das Buch allein schon wegen der Hochzeit zu kaufen. Ich musste sehr grinsen und hatte beim Lesen viel Spaß!
Der Honeymoon führt das junge Paar an ein abgelegenes Fleckchen. Dort sind sie zunächst allein, müssen aber natürlich wieder allerlei Schwierigkeiten bewältigen. Auch das ist neu, denn bislang spielte sich die Handlung in den Tri-Citys ab. Wir erfahren in diesem Band mehr über Mercys Vater und Hintergründe zu ihrem Dasein als Walker, als Gestaltwandler. Damit liefert die Autorin eine sinnvolle Ergänzung. Die Geschichte plätschert zunächst ein wenig dahin. Das hat mir als großer Mercy-Fan aber nichts ausgemacht. Die Autorin versteht es nämlich, ihre Leser auch dann zu unterhalten, wenn das Action-Level niedrig bleibt. Wir können Mercy und Adam dabei zuschauen, wie sie sich als Ehepaar aneinander gewöhnen. Sie agieren als Team nicht gegeneinader, sondern miteinander. Nicht immer ist es einfach, doch wir dürfen mit Vergnügen dabei zuschauen, wie die Beiden das hinkriegen. Und im Falle eines Streites kann man die Sache ja immer noch mit einem Hasen-Geschenk regeln, nicht wahr?
Das Buch bietet Lesern alles, was man liebt: Witzige Dialoge, Situationskomik mit ganz viel Gefühl und nicht zuletzt auch eine sehr riskante, waghalsige Aufgabe. Ich hätte nicht gedacht, dass es Patricia Briggs noch einmal schafft, der Geschichte erneut einen solch unwiderstehlichen Schwung zu verleihen. Sie verläuft wie gesagt etwas anders als gewohnt, das hat mich als beisterteter Leser jedoch in keinster Weise gestört.