"Die gelbe Zone" ist der erste Band der vierteiligen Comic-Reihe "Siebengestirn". Sie stammt aus der Feder von André Houot, der hier sowohl als Texter als auch als Zeichner tätig war. Gleich auf den ersten Blick wird einem die Ähnlichkeit seines Stils zu den Werken von Moebius bewusst, aber man denkt vielleicht auch an Leo, der Comics wie "Betelgeuze" oder "Aldebaran" erschaffen hat. Sehr parallel zu den Arbeiten von letzterem ist vor allen Dingen die Weltengestaltung zu sehen. Grundsätzlich befinden wir uns in einer Umgebung, die der Erde, wie wir sie kennen, sehr ähnlich ist. Mit der Zeit wird sie aber immer fremder. Die Lebewesen und Pflanzen sind extrem ungewöhnlich und verbergen das eine oder andere Geheimnis. So gibt es zum Beispiel Tiere, die einem Büffel sehr ähnlich sehen, aber ein wirklich merkwürdiges Maul haben, das eher an eine Pflanze oder einen Meeresbewohner erinnert. Gezeichnet wurde in sehr genauen Strichen und Schraffuren, die für großen Detailreichtum in den Bildern sorgen.
Die gesamte Welt steckt voller Geheimnisse, ganz so wie der Protagonist auch, denn über Chronover weiß man eigentlich so gut wie nichts. Er wirkt ein wenig wie ein Indiana Jones in einer Science Fiction-Umgebung - wer er wirklich ist, bleibt aber sowohl seinen Mitreisenden als auch dem Leser verborgen. Was man erfährt, ist, dass er von irgendwem gejagt wird, dass er außergewöhnliche, kämpferische Eigenschaften besitzt und dass er seltsame Visionen hat, die ihm selbst allerdings auch Rätsel aufgeben. Einerseits hätte man sich gewünscht, bereits im ersten Band etwas mehr zu den Hintergründen zu erfahren, andererseits macht das natürlich sehr neugierig auf die noch folgenden Teile.
Erzählt wird von einer düsteren Zukunft und fremden Welten. Wie so oft gab es eine Katastrophe, der ein Großteil der Welt und viele Menschen zum Opfer gefallen sind. Dass die Grundidee nicht ganz neu ist, mag man aufgrund der großen Bandbreite an innovativen Einfällen, auf die man hier ansonsten trifft, aber gerne verzeihen. Was hingegen ein wenig stört, ist, wie viel Handlung André Houot in die verhältnismäßig wenigen Seiten gepackt hat. Einige Erzähl-Abschnitte nehmen nur wenige Bilder ein und gerade zu Anfang wird dem Leser eine große Menge an Geschehen präsentiert, ohne dass näher auf die Charaktere eingegangen wird. Dadurch dauert es eine Weile, bis man bestimmte Figuren besser kennenlernt und sich deswegen der Geschichte näher fühlt.
"Die gelbe Zone" ist in jedem Fall ein gelungener Auftakt der "Siebengestirn"-Reihe, für den die Vergleiche mit den großen den Genres, wie zum Beispiel Moebius, ein großes Lob darstellen. Es bleibt abzuwarten, wie sich die Handlung entwickelt und ob die kleinen Schwächen noch ausgemerzt werden können. Der Auftakt verspricht jedoch Großes.