Man benötigt Konzentration, um beim Lesen der Geschehnisse aus den verschiedenen Perspektiven nicht den Überblick zu verlieren. Wir als Leser sind es in den allermeisten Fällen gewohnt, aus der Perspektive einer einzelnen Figur eines Romans zu sehen. Oder aber wir haben es mit einer (nahezu) allwissenden, mehr oder weniger neutralen Erzählerstimme zu tun. In diesem Roman jedoch kommt die subjektive Sicht verschiedener Beteiligter sozusagen als "Kurzroman" zum Ausdruck. Es wird also keine Identifikationsmöglichkeit für den Leser angeboten, bzw. der Identifikationsmöglichkeiten gibt es exakt so viele wie es Perspektiven gibt. Perlman ist ein Meisterstück gelungen.
Und: Der Autor kann schreiben, sich so ausdrücken, wie man es als Romanautor können sollte.
Ich begrüße es, dass dieses Buch bald auch als Taschenbuch erscheinen soll und wünsche ihm viele Leser. Jedoch wie gesagt: Dieses Buch verzeiht es wohl kaum, wenn man das Lesen zwischendurch zu lange unterbricht. Bei mir war es so, dass ich, einmal in die Geschichte und ihre Facetten eingetaucht, kaum noch aufhören konnte noch wollte zu lesen, und sehr nachdenklich zurückblieb.
Zum Inhaltlichen lese man "Klappentext" und "Kurzbeschreibung". Es geht um die üblichen Probleme unserer heutigen westlichen Welt, (sieht man einmal von akuten finanziellen und gesundheitlichen Problemen ab): Liebe, Trennung, Patchwork-Familien, Kinderversorgung, Bindung und die Angst davor, den Wunsch, geliebt und anerkannt zu werden, Kränkungen.
Ich würde das Buch, auch wenn es bisher wesentlich unbeachteter blieb, sowohl thematisch als auch qualitativ in eine Reihe stellen mit den "Korrekturen" von J.Franzen, "Was ich liebte" von S.Hustvedt und "Middlesex" von J.Eugenides. Ich könnte mir vorstellen, dass Lesern, denen diese Bücher gefielen, auch beim Lesen der "Sieben Seiten der Wahrheit" großes Vergnügen hätten.