Das mag sich jetzt seltsam anhören, aber genau daran musste ich bei -Sieben Leben- denken. Wie oft kommt es vor, dass die Verfilmung eines Lieblingsbuches misslingt. Nur selten ist ein Regisseur in der Lage verschiedene Handlungsfäden, die scheinbar ziellos gestreut vor einem liegen, zu einem dichten, festen und packenden Geschichtenknäuel zu verbinden. Gabrielle Muccino hat genau das geschafft. Dabei sind die ersten zwanzig Minuten des Films nicht leicht anzuschauen. Zu zerrissen und verworren scheinen die Sequenzen aus Ben Thomas(Will Smith) Leben, als das man darin einen Sinn erkennen könnte. Aber ich kann jedem Zuschauer nur raten: Schalten sie auf keinen Fall ab! Sie würden einen ergreifenden, tief bewegenden Film verpassen.
Ben Thomas driftet scheinbar ziellos durch sein Leben. Er sucht Menschen auf, die sich in Notsituationen befinden. Davon gibt es in L.A. reichlich. Ben hat nur noch sporadischen Kontakt zu seinem Bruder, was mit dem Rest seiner Familie passiert ist, können wir nur ahnen. Wir folgen Ben zu Menschen, die Schutz benötigen oder denen nur noch ein wichtiges Organ, wie z.B. eine Niere, die Augen, Rückenmark oder ein Herz das Leben retten können. Dabei ist Bens Ziel für uns nur diffus erkennbar. Als er Emily(Rosario Dawson) kennenlernt, die dringend ein neues Herz benötigt, scheint sich so etwas wie Liebe zwischen den beiden ungleichen Partnern zu entwickeln. Aber Emily hat keine Ahnung, welche Dämonen in Bens Vergangenheit lauern...
-Sieben Leben- zeigt eindrucksvoll, wie stark Will Smith als Schauspieler agieren kann. Sein Ben Thomas ist so klar strukturiert und lebensecht, dass man ihn fast als real ansieht. Auch Rosario Dawson überzeugt. Gabrielle Muccino hat mit der Geschichte einen perfekten Kreis geformt, beginnt langsam, zärtlich, behutsam und steigert sich zu einem furiosen Finale. Unterlegt wird das Ganze mit einem breiten Soundmix von Blues, Soul und gelungenen Coverversionen. Die radikalen Schnitte machen es am Anfang nicht leicht, der Story zu folgen, aber sie erweisen sich im Lauf des Films als unabdinglich, um diesen grandiosen Spannungsbogen zu erzeugen.
So bleibt für mich nur ein begeisterndes Fazit. Was für eine Geschichte! Wer auf gefühlsbetontes, intelligentes Kino steht, der ist hier richtig. Wer mehr Action und Spaß braucht, sollte die DVD aus dem Player lassen. Aber dann werden sie auf jeden Fall etwas verpassen.