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Sieben Jahre: Roman
 
 

Sieben Jahre: Roman [Kindle Edition]

Peter Stamm
4.1 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (34 Kundenrezensionen)

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Produktbeschreibungen

Kurzbeschreibung

Sonja ist schön und intelligent und lebt mit Alex. Eine vorbildliche Ehe, er müsste glücklich sein. Aber wann ist die Liebe schon einfach? Und wie funktioniert das Glück? Iwona wäre neben Sonja fast unsichtbar, sie ist spröde und grau. Aber Alex fühlt sich lebendig bei ihr – und weiß nicht, warum. Sie liebt ihn. Er trifft sie immer wieder, und als sie von ihm schwanger wird und das Kind kriegt, das Sonja sich wünscht, setzt er alles aufs Spiel.
Peter Stamm erzählt so lakonisch und leidenschaftlich wie kein anderer von widerstreitenden Gefühlen und der Sehnsucht nach dem Leben. ›Sieben Jahre‹ ist ein großer Roman über die Zumutung des Glücks, geliebt zu werden.

Über den Autor

Peter Stamm, geb. 1963, studierte nach einer kaufmännischen Lehre einige Semester Anglistik, Psychologie, Psychopathologie und Wirtschaftsinformatik. Längere Aufenthalte in Paris, New York und Skandinavien. Er lebt mit seiner Familie in Winterthur. Er arbeitete in verschiedenen Berufen, unter anderem in Paris und New York. Seit 1990 arbeitet er als freier Autor und Journalist. Er schrieb mehr als ein Dutzend Hörspiele.Peter Stamm, geboren 1963, studierte nach einer kaufmännischen Lehre einige Semester Anglistik, Psychologie, Psychopathologie und Wirtschaftsinformatik. Längere Aufenthalte in Paris, New York und Skandinavien. Seit 1990 freier Autor und Journalist. Verfasste mehrere Hörspiele, ein Theaterstück und arbeitet seit 1997 als Redakteur für die Literaturzeitschrift "Entwürfe für Literatur". Peter Stamm lebt heute in Zürich.

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50 von 57 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von ludwigwitzani TOP 500 REZENSENT
Format:Gebundene Ausgabe
Im Mittelpunkt des vorliegenden Romans steht der Architekturstudent Alexander, den nach dem Abschluss seines Studiums seine schöne und erheblich begabtere Kollegin Sonja heiratet. An den Ekstasen der Liebe und der körperlichen Erfüllung hapert es zwar ein wenig, aber dafür gründen Alex und Sonja eine gemeinsame Architekturfirma, arbeiten nahezu rund um die Uhr, beschäftigen zeitweise zwanzig Mitarbeiter und erwerben all die Statussymbole der gutbürgerlichen Gesellschaft.
So weit so langweilig. Wenn da nicht die rätselhafte Iwona wäre, eine absolut unattraktive, ungebildete und lethargische junge Polin, die Alex noch in seiner Junggesellenzeit kennen geleint hatte und zu der er sich auf eine perverse Weise hingezogen fühlt. "Ihr weißes, unberührtes Fleisch hatte etwas Pflanzenhaftes, Vegetatives, die Falten der Haut, die voller Mutermale war und das krause Schamhaar. Ich war fast bewusstlos vor Lust."(S. 58f.)
Aber auch hier kommt Alex nicht zum Ziel, denn "eindringen" darf er nicht. Aber das macht nichts, wenn er nur manchmal in Zeiten der seelischen De"ompression seinen Kopf auf ihren fülligen Muterbusen betten darf. Willkommen ist er stets, denn die junge Polin scheint Alex auf eine für ihn unbekannte, entschiedene und unwiderlegbare Weise zu lieben.
So lebt Alex eine Zeitlang zwei kümmerliche Leben, bis er eines Tages doch noch mit Iwona schläft und sie schwanger wird. Was nun? Sonja wegen Iwona zu verlassen, kommt für Alex nicht in Frage, aber verheimlichen lässt sich nun auch nichts mehr. Aber Alex, der in diesen Passagen des Romans entgültig zu einem ekelhaften Widerling wird, weiß Rat: er überredet Iwona das Kind sofort nach der Geburt für Alex zur Adoption freizugeben, weil es dann in einer optimaleren bürgerlichen Umgebung aufwachsen kann. Merkwürdigerweise ist Sonja, die keine Kinder bekommen kann, einverstanden.
Aber damit ist die Geschichte noch nicht zuende. Iwona verschwindet für Jahre von der Bildfläche, doch die Architekturfirma von Alex und Sonja geht in die Insolvenz. Harte Jahre stehen an, in den Alex fast zum Alkoholiker wird, während Sonja mit aller Kraft versucht, die Firma zu entschulden. Am Ende ist die Firma gerettet, doch die Ehe zerstört. Sonja verläßt ihren Mann (Endlich! denkt der Leser), Alex bleibt zurück und fühlt sich plötzlich sehr leicht und wach, "als sei ich nach einer langen Bewusstlosigkeit endlich wieder zu mir gekommen." (S.284)
Damit endet das Buch und lässt den Leser beunruhigt zurück. Man hat den Roman in einem Rutsch gelesen, kommt mit der Psychologie der Protagonisten nur schwer zu Rande. Jede der Figuren besitzt Ecken und Kanten, deren Gesamtheit einfach keine bündige Form ergibt. Sonja ist begabt, belastbar aber leidenschaftslos, Iwona ist muffig bis in die Spitzen ihres Liebestöters, aber unbeirrbar in ihrer Liebe zum Widerling. Alex ist die mit Abstand unerfreulichste Gestalt des Buches. Während er sich über das gutbürgerliche Gehabe seiner Schwiegereltern nicht genug mokieren kann, lässt er Iwona gegenüber den Oberschichtler heraushängen. Zerfressen von Minderwertigkeitsgefühlen kann er sich weder an Sonja, die ihm weit überlegen ist, noch an Iwona, die ihm zu unterlegen ist, gewöhnen. So verfängt er sich in einem sadomasochistischen Lebensmodell, indem er ein Leben in einem ihm fremden Milieu erträgt, um sich insgeheim an einer wehrlosen Frau zu rächen, die alles für ihn tut, weil sie ihn unrettbar liebt.
Peter Stamm hat die exemplarische Geschichte eines seelischen Autisten geschrieben, der sich am wohlsten fühlt, wenn ihm niemand zu nahe kommt. Obwohl der Protagonist eine durch und durch unsympathische Natur ist, wird es nur wenige geben, die sich in manchen seiner Züge, vor allem dem stupiden Gefühl der Schuldlosigkeit, die er bei all seinen Schandtaten bewahrt, nicht hier und da ein Stück weit wieder erkennen werden. Der vorliegende Roman verfügt im Übermaß über das, was ein gutes Buch unbedingt braucht - eine von der ersten bis zur letzen Seite fesselnde Sprache. Ohne alle poetischen Überhöhungen, Metaphern oder Satzgirlanden gelingt es dem Autor seine Geschichte mit klaren, sehr eindeutigen Sätzen, so zu erzählen, dass sich der Leser sofort mitten in das Geschehen hineinversetzt fühlt. "Du bist, was Du liebst, nicht wer dich liebt", heißt es auf S. 200. Wie gesagt: beunruhigend. Aber unbedingt empfehlenswert.
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23 von 26 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
präzise Eleganz 6. Oktober 2009
Von MMMichael
Format:Gebundene Ausgabe
Ein Mann der scheinbar alles hat kommt mit seinem Leben nicht klar, weil ihm menschliche Wärme fehlt.

So könnte man den Roman vielleicht kurz beschreiben.

Natürlich werden Details geschildert: die Karriere als Architekt, die Ehe mit einer brillianten, kühlen, gesellschaftsfähigen Frau, die Sehnsucht nach einer anderen Frau, die genau das nicht ist.

Was mich an diesem Buch so fasziniert, ist aber weniger die Geschichte. Es ist die Sprache, die ohne Sinnbilder auskommt, ohne Ausschweifungen und lange Sätze, ohne alles Beiwerk. Sogar auf die wörtliche Rede wird verzichtet.

Knapp, fast lakonisch beschreibt Peter Stamm die Seele eines Suchenden und erzeugt präzise und eindringlich eine Stimmung, die mich noch lange begleitet hat.

Dies ist eines der Bücher, die man nicht beschreiben kann. Man muss es lesen.

Man muss es unbedingt lesen, es ist großartig!
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26 von 30 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Günter Nawe "Herodot" TOP 100 REZENSENT VINE™-PRODUKTTESTER
Format:Gebundene Ausgabe
Eine der interessantesten Liebesgeschichten der Weltliteratur steht im Alten Testament. Es ist die Geschichte von Jakob und Rahel und Leah. Sie fällt einem ein, wenn man Peter Stamms neuen Roman "Sieben Jahre" liest. Sieben Jahre sind es - wie bei Jakob, die vergehen, und sieben Jahre bei Alex, bis...

Zwei unterschiedliche Frauen und ein Mann, zwei Lebens- und Liebesentwürfe, die so gar nichts miteinander zu tun haben. Da ist die schöne Sonja, intelligent, als Architektin höchst erfolgreich, und da ist Polin Iwona, ein hässliches Entlein, aus dem nie ein Schwan werden wird, arm wie eine Kirchenmaus, fromm und bigott. Und da ist Alex, ebenfalls Architekt, ein junger Mann, unentschieden und unentschlossen. Mit Sonja ist er seit Studentenzeiten zusammen; sie wird seine Frau. Iwona hat er per Zufall in einem Biergarten kennen gelernt - und ist ihr in einer Art sexuelle Obsession verfallen. Er ist seither - wie es an einer Stelle heißt: "der Zumutung des Glücks, geliebt zu werden" ausgesetzt.

Peter Stamm gehört wohl zu den bedeutendsten Gegenwartsautoren, ein Meister der Lakonie, der Beziehungspsychologie als eine Form der Literatur und ein hervorragender "Architekt" literarischer Konstruktionen, wie es schon die Romane "Agnes" und "An einem Tag wie diesem" zeigten. Auch in "Sieben Jahre" hat er ein kleines Meisterwerk geliefert. Die häufigen Perspektivwechsel schaffen in "Sieben Jahre" keine Verwirrung, sondern dienen der Spannung. Die Betrachtung der Geschichte von unterschiedlichen Seiten aus und machen auf besondere Weise die Komplexität dieser postmodernen Liebesgeschichte aus. Der "Beichtcharakter", in dem phasenweise erzählt wird, führt allerdings nicht zu Absolution.

Auch nach Hochzeit mit Sonja bekommt Alex Iwona, die ihm bis zur Hörigkeit verfallen ist, nicht aus dem Kopf. Immer wieder sucht er den Kontakt zu ihr. Es kommt zu kurzen Begegnungen, die sich vorwiegend im Bett abspielen. Diese Begegnungen füllen seine Lebensleere, unter der Alex trotz seiner vermeintlich glücklichen Verbindung mit Sonja zu leiden hat. Sonja weiß von Iwona. Aber sie haben sich eingerichtet in dieser Dreiecksgeschichte. Als Iwona ein Kind bekommt wird es von Sonja und Alex adoptiert. Sie führen ein richtiges Leben unter falschen Voraussetzungen. Jakob hatte es da leichter gehabt mit Rahel und Leah. Dann ein Brief nach sieben Jahren. Und wieder fährt Alex zu Iwona. Sonja hat sich mittlerweile von ihm getrennt. Ihr gemeinsames Architekturbüro ist insolvent. Alex verwahrlost zunehmend, fängt an zu trinken - er ist gescheitert.

Den dunklen Seiten des Gefühlslebens ist nicht beizukommen, im Leben nicht und nicht im Roman. Peter Stamm weiß eindringlich, mit einem Schuss Doppelbödigkeit davon zu erzählen. Und so ist ihm ein großer Roman über das kleine Glück und seine Unmöglichkeit, eine moderne Geschichte über ein altes Thema entstanden.
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Veröffentlicht am 21. April 2010 von Marco Schueller
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