Rupert Sheldrake, der sich mit seiner These von den "morphischen Feldern" einen Namen als Wissenschaftler im Grenzbereich zur Esoterik gemacht hat, forscht nach bislang ungeklärten Phänomenen. Ihn interessieren Fragen wie folgende:
Was hat es mit dem Placebo-Effekt auf sich?
Wie finden Brieftauben zu ihrem Heimatschlag?
Warum scheinen Haustiere genau zu wissen, wann ihre Besitzer nach Hause kommen?
Wie können die Arbeiter eines Termitenstaates wissen, wohin sie die Bausteine ihres Nestes, einem komplexen System aus Röhren und Gängen, setzen müssen?
Sheldrakes Erörterungen sind mitunter spannend zu lesen. Witzig und skurril muten Geschichten an wie etwa die Anekdoten über den Einsatz von Brieftauben im Ersten und Zweiten Weltkrieg, von denen manche mit Tapferkeitsmedaillen ausgezeichnet wurden, nachdem sie kriegswichtige Informationen transportiert hatten. Andere Geschichten hingegen, wie etwa jene von Hunden oder Katzen, die nach Jahren ihre alten Besitzer aufgespürt haben sollen, könnte man genau so auch in einer beliebigen Illustrierten beim Friseur lesen. Das Kapitel über die Veränderung physikalischer Konstanten wiederum ist stellenweise zu lange geraten, wenn es etwa um Abweichungen von Resultaten aus verschiedenen Experimenten mit drei Stellen hinter dem Komma geht.
Sheldrakes Verdienst ist es, zu provozieren, und das gelingt ihm besonders dann, wenn er seine eigenen "paranormalen" Hypothesen zurücknimmt und stattdessen den Ist-Zustand der Wissenschaft auf Schwächen abklopft.
Am provokantesten kommt das Kapitel über den Experimentator-Effekt daher. Dieser besagt, dass bei einem Experiment sowohl Versuchsaufbau als auch auch die Erwartungshaltung aller Beteiligten sich auf das Resultat des Experiments auswirken. Dabei steuere alles auf eine sich selbst erfüllende Prophezeiung zu. Am Ende komme genau das heraus, was man von Anfang an entdecken und beweisen wollte.
Tatsächlich klingt Sheldrakes Kritik plausibel, und der Experimentator-Effekt wird nun auch in einigen wissenschaftlichen Disziplinen berücksichtigt, aber Sheldrake geht das nicht weit genug - er fordert, den Experimentator-Effekt selbst zum Gegenstand der Forschung zu machen.