Was macht ein erfolgreicher Schriftsteller, der von seinem Erfolg schier überwältigt wird? Jedes Jahr flattern Hunderte von Anfragen nach Lesungen und Vorträgen auf seinem Schreibtisch. Kaum ein Buchhändler, Volkshochschule oder Kulturverein, der auf ihn und seine brillante Fabulierkunst verzichten möchte. Wenn man sich dann auch noch dem Publikum verpflichtet fühlt und aus Liebe zu ihm niemanden enttäuschen möchte (was bei einem Autor wohl eher selten ist), ist guter Rat teuer. Dieser kommt in Gestalt eines guten Freundes (kostenfrei) mit der überraschenden Frage: Warum engagierst du eigentlich keinen Doppelgänger? Bald wird der Plan in die Tat umgesetzt und zehn! „Rafik Schamis" in der hohen Kunst des freien Erzählens a la Rafik geschult. Sieben überstehen den Härtetest und werden ins Rennen geschickt. Natürlich entwickeln sich nun allerlei Turbulenzen, denn die Doppelgänger sind auch ausgeprägte Individualisten und bedürfen der ständigen Anleitung und Kontrolle des Originals. Eingebettet in viele Anekdoten-tragische und komische, frivole und melancholische- erzählt der Autor mit leichter Hand und sprachlicher Virtuosität. Natürlich streben die Ereignisse einem kuriosen Höhepunkt zu, denn es kann nur einen Rafik Schami geben. Es sind 160 Buschseiten Lesevergnügen pur. Ohne Frage trägt die Erzählung viele autobiographische Züge und gebannt begleiten wir Herrn Schami und seine Doppelgänger von Lesung zu Lesung. Rafik Schami zeigt uns, dass intelligente Unterhaltung auf hohem Niveau möglich ist. Gerade den Lesemuffeln unter uns möchte man als „Einstieg" dieses herrliche schmale Bändchen empfehlen. Übrigens ist dem Hanser Verlag (wie gewohnt) eine schöne Buchgestaltung gelungen.