Aus der Amazon.de-Redaktion
Patriotische Ekstase und nationalistischer Stolz gehören zu den Kennzeichen fast aller postrevolutionärer Staaten. Und in kaum einem anderen werden sie mit Fähnchen und Hymnen so voller Inbrunst kultiviert wie in den USA. Nicht zu vergessen der Personenkult, einmal mehr augenfällig geworden in dem ungeheuren Anklang, den Joseph J. Ellis mit seinem Bestseller
Founding Brothers. The Revolutionary Generation fand, der zwei Jahre nach Erscheinen unter dem Titel
Sie schufen Amerika. Die Gründergeneration von John Adams bis George Washington nun auch auf Deutsch vorliegt.
Nichts weniger als den begehrten Pulitzer-Preis konnte der am Mount Holyoke College in Massachusetts lehrende Professor, der in seinem Heimatland mit biografischen Werken über den einen oder anderen US-Gründervater bereits zu einem der angeblich einflussreichsten Historiker avancierte, für sein Werk einheimsen. Doch während die Lektüre des Buches für manchen seiner Landsleute offenbar einem Erweckungserlebnis gleichkam -- "Mit Ausnahme der Bibel war dies das interessanteste Buch, das ich jemals gelesen habe", heißt es etwa in einer amerikanischen Leserrezension --, könnte sich bei uneingeweihteren Ausländern leicht Langeweile einstellen.
Zu Recht wird zwar die unkonventionelle literarische Art der Geschichtsschreibung gelobt, die von angloamerikanischen Historikern gepflegt wird. Doch das episodenhafte Herumhüpfen in der amerikanischen Frühgeschichte, wie es Ellis hier betreibt, erscheint über weite Strecken reichlich bemüht. Zumal sich bei einigen Ereignissen, die der Autor in seinen Essays in den Blick nimmt, die Frage nach der historischen Relevanz oder zumindest nach der Originalität stellt.
Für die Ermüdung könnte nicht zuletzt die den Lesefluss hemmende holprige Übersetzung verantwortlich sein, die zum Ärgernis wird, wo die Redaktion Sätze wie diese durchgehen ließ: "Madison lag mit Dysenterie im Bett, Edmund Randolph blieb in Virginia, um sich um seine Frau zu kümmern, die bei der Geburt eines totgeborenen Kindes fast gestorben wäre, und, was das allerbedrohlichste war, George Washington erkrankte an Grippe und entwickelte Lungenkomplikationen, welche die Ärzte für lebensgefährlich hielten." Ungewöhnlich für ein Buch aus dem C.H. Beck Verlag! --Roland Detsch
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Buchnotiz zu : Die Zeit, 02.10.2002
Es geht um die Gründungszeit der Vereinigten Staaten, über die, so Hans Pleschinski, der Autor Joseph J. Ellis "erstaunliche Details" zu berichten weiß. So beispielsweise, dass die Akten des Staates, als 1800 die Hauptstadt von Philadelphia nach Washington verlegt wurde, "in sieben Kisten" passte. Weiter geht es mit der Geschichte, wie durch George Washington die Präsidialdemokratie entstand und wer Thomas Jefferson war, der die Unabhängigkeitserklärung verfasste. Es ist vor allem ein Thema des Buchs, das Pleschinski fasziniert: Der "wunderbare und folgenreiche Aufbruch" der amerikanischen Gründerväter, die - alles sehr energische Männer - Gerechtigkeit und das freie Streben nach Glück für alle Amerikaner zu sichern suchten.
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Buchnotiz zu : Süddeutsche Zeitung, 09.10.2002
Gert Raethel reagiert absolut sauer auf diese "biografischen Meditationen" über die Gründerväter Amerikas. Er findet, dass Joseph J. Ellis mit seiner Darstellung der amerikanischen Gründerväter der "Postmoderne ins Gesicht spuckt ", weil ohne Scheu einzelne Personen allein für geschichtliche Entwicklung verantwortlich gemacht werden, ungeachtet des "Dekonstruktivismus und der Enthierarchisierung" der mittlerweile verbreiteten Geschichtsauffassung. Zudem kommen Frauen nur am Rande vor und "Minderheiten nur als Sklaven", ärgert sich der Rezensent. Für sein Gefühl hat Ellis' "Verehrung" der historischen Figuren etwas "Kniefälliges". Raethel weist auch darauf hin, dass Ellis, der an einem "reinen Frauencollege" unterrichtet, seinen Studentinnen falsche biografische Details aufgetischt hat - zum Beispiel, dass er in Vietnam gekämpft haben. Tatsächlich war Ellis nie in Vietnam, weiß Raethel. Diese "persönliche Unaufrichtigkeit" des Mannes "nässt" seiner Ansicht nach auch auf Ellis' wissenschaftliches Urteil durch. So nehme Ellis die "unbewiesene These", Thomas Jefferson habe seine schwarze Sklavin Sally geschwängert, zum Anlass, Bill Clinton zu verteidigen. Dessen sexuelle Eskapaden seien aus historischer Sicht entschuldigt. Schließlich rügt der Rezensent auch noch die fehlerhafte und unelegante Übersetzung. Das nennt man wohl einen Verriss.
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Buchnotiz zu : Frankfurter Allgemeine Zeitung, 08.10.2002
Mit wahrer Begeisterung hat Rezensent Andreas Platthaus Joseph J. Ellis Buch über die Gründerväter der Vereinigten Staaten gelesen und darüber eine ellenlange, äußerst wortreiche Rezension geschrieben, die in weiten Teilen den Inhalt von Ellis' Buch bisweilen recht umständlich nacherzählt. Er hebt hervor, dass sich Ellis gegen eine Vereinnahmung George Washingtons für die Sache der Südstaaten, sprich: die Befürwortung der Sklaverei, wendet. Ein wiederauferstandener Washington hätte sich nach Ellis Ansicht auf die Seite Lincolns geschlagen, hält Platthaus mit Blick auf den Bürgerkrieg von 1861-1865 fest. Wie Platthaus dann ausführt, mangelte es den "Founding Brothers" (so der Originaltitel des Buches) George Washington, John Adams, James Madison, Thomas Jefferson und Benjamin Franklin an Übereinstimmung hinsichtlich der Ziele der Revolution und der Intentionen der Verfassung - ein wesentlicher Streitpunkt war dabei vor allem das Thema Sklaverei, die nicht mit Jeffersons Unabhängigkeitserklärung zu vereinbaren war. Ellis verfolgt in seiner Darstellung die Ursachen des Bürgerkriegs bis in die Biografien der Gründer, vermerkt Platthaus. Statt der Chronologie gebe dabei der innere Zusammenhang das Raster ab, die Zeitsprünge von Kapitel zu Kapitel seien kaum spürbar, so geschickt verzahne Ellis seine Gegenstände. Platthaus erblickt darin das "ingeniös umgesetzte Konzept einer narrativen Historiographie" im "scheinbar reaktionären Stil" ("Große Männer machen die Geschichte"), das mit allen Wassern von Strukturalismus und Postmoderne gewaschen sei. Genaueres hierzu erfährt man von Platthaus allerdings nicht. Eines stellt der Rezensent jedoch klar: Ellis Buch "setzt Leser voraus, die weiterdenken". Er fügt hinzu: "Was für ein schöneres Kompliment soll man einem Buch machen?"
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