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simone de beauvoir verarbeitet in diesem buch ihre beziehung zu jean paul sartre autobiografisch. alles laeuft bestens, keiner wird verletzt, bis xaviére, ein maedchen vom land (stellvertetend fuer beauvoirs schuelerin olga) in ihr leben tritt.
das buch beschreibt, wie einfach das theoretische konzept der absoluten freiheit in der liebe ist, doch wie schmerzhaft es scheitert, wenn einer mehr liebt, als der andere partner. eine frau muss zusehen, wie der von ihr gliebte und verehrte mann sich in eine andere verliebt, ihr regelrecht verfaellt und ihr nicht mehr die rolle der geliebten, sondern der verstaendnisvollen freundin zufaellt.
alle frauen, die bereits einmal im leben in einer aehnlichen situation waren, werden weinen ob der intensitaet und ehrlichkeit der schilderung des buches. es fuehrt auch die regeln der intellektuellen gesellschaft jener zeit ad absurdum, da liebe nun einmal nicht vorherzuplanen ist und in ihrer intensitaet alles uebertrifft.
einfuehlsam, dramatisch, traurig und - wie alle buecher der beauvoir - absolut zeitgemaess.
Also, ich habe den Roman förmlich verschlungen. Er ist komplett aus der Sicht Francoises geschrieben (fehlt nur die Ich-Form), und dennoch werden die Haupt- und Nebenfiguren eindrucksvoll und umfassend charakterisiert, und zwar in einer "reinen" Form. Sie haben etwas Konstruiertes, "Übermenschliches" an sich. Sie sind harmonisch durchkomponiert in ihren Lebensideen und ihrer starken Moral (und das ist das Elementare an diesem Roman: die geistige und emotionale Existenz der Figuren), und selbst ihre Schwächen passen sich perfekt ein. Mir waren Protagonisten solcher Art bislang noch nicht begegnet, und ich bin fasziniert vom Stil des Romans.
Das quälende Dreiecksverhältnis Francoise-Pierre-Xavière, dessen Entwicklung der Leser mitverfolgen muß, ist "natürlich" auch konstruiert ;-), es wäre sträflich, darauf zu schließen, daß de Beauvoir hier realitätsGETREU ihre persönlichen Beziehungen und Empfindungen dargestellt hätte. Ich denke, sie hat eher die real existierenden Personen, Beziehungen, Konflikte und Emotionen in eine surreale Form gebracht, hat manches überspitzt und perfektioniert und anderes, Überflüssiges weggestrichen. Dadurch entsteht für mich der Eindruck des Übermenschlichen, der unbekannten Liebes- und Leidensfähigkeit der drei Hauptfiguren, wobei die geschilderten Gefühle aber wahrhaftig sind und den Leser tief zu berühren vermögen.
Vielleicht auch wird die eigentliche Story der auf ein entsetzliches Ende zusteuernden Dreiecksbeziehung dadurch erst möglich: Wären die Charaktere weniger edel oder moralisch, wäre ihr Denken und Handeln lebenspraktischer und nachvollziehbarer, könnte sich das Drama nicht so vollkommen entwickeln, die vollkommene Zerstörung nicht stattfinden.
Ich bin persönlich sehr beeindruckt von Simone de Beauvoir als Romanautorin, denn sie hatte ein klares Konzept und hat starke Personen und Emotionen erschaffen. Das ist wohl das Bemerkenswerte und Ungewohnte, Befremdende an diesem Buch: hier wurde keine Geschichte erzählt, sondern hier wurde mit intensivstem Bemühen ein Kunstwerk geschaffen. Als Ganzes mag dieses Kunstwerk meinem "echten" Leben fern sein, und doch umfassen die großen Gefühle, die es in sich birgt auch meinen Schmerz und meine Sehnsucht nach Glück.
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