Das umfangreiche Buch wurde 1992 von den beiden Töchtern Deschners herausgegeben und umfasst in teils gekürzter Form etwa 700 Briefe aus der Zeit zwischen Juni 1956 bis September 1991. Bis dahin sind dem Autor etwa 35.000 Briefe zugegangen; inzwischen sind bei anhaltendem oder steigendem Zustrom wieder 15 Jahre vergangen.
Das Buch ist in vier Teile gegliedert: Teil I fasst eine Auswahl von Briefen an Deschner zusammen, die die Herausgeberinnen einteilen in folgende Unterkapitel: Briefe von Gläubigen, Ruinierten, Befreiten; von Kritikern am Christentum oder der Evangelischen Kirche; Briefe von christlichen Sektierern; Briefe,die Erfahrungen mit Kirchen und christlichen Zeitgenossen oder die Angst vor der christlichen Gesellschaft bezeugen oder wachsender Klerikalisierung warnen. Jeder einzelne Brief dieses Ersten Teiles ist in sich ein berührendes Dokument, sogar jene Briefe, die gegen Deschner gerichtet sind. Schockierende Men-schenschicksale, durch Kirche und christliche Erziehung verkrüppelte Seelen, verlorene Leben - hier erfährt man die lebendige Seite von Deschners wissenschaftlichem Werk.
Teil II gliedert sich in Reaktionen auf die einzelnen Publikationen des Autors. Auch hier gibt es Hekatomben von nicht bloß zustimmenden, sondern von jubelnden Leserbriefen, denen man den Aufschrei aus tiefster Seele glaubt. Dabei geht es nicht alleine um die Kirchenkritik, Deschner schrieb auch Literaturkritik (Kitsch, Konvention und Kunst - 1957 sowie Talente, Dichter, Dilettanten - 1964), die bahnbrechend war: unter anderem eine Entlarvung Hermann Hesses und Heinrich Bölls, eine Abrechnung mit der Gruppe 47 und der Verriß von Ingeborg Bachmann. Interessant, witzig und manchmal nahegehend sind die Briefe von Schriftstellern oder prominenten Briefautoren (Jens Bjorneboe, Kurt Hiller, Ernst Kreuder, Hermann Raschke, Erich Bromme, Alfred Kantorovicz, Hans Henny Jahnn, Wolfgang Beutin, Erich Kästner ... um nur einige zu nennen). Sie geben oftmals einen sehr persönlichen Einblick in das Leben Karlheinz Deschners, in sein Arbeiten und in seinen Freundeskreis. Sehr berührend empfand ich das Nachwort des Verlegers von Karlheinz Deschner, Hermann Gieselbusch, der auf zwanzig Seiten ein Treffen mit Karlheinz Deschner beschreibt. In sehr persönlichen Worten wird seine Erscheinung dargestellt: die Kleidung, sein bescheidenes, unbequemes Arbeitszimmer, seine aus dem Jahr 1949 stammende Schreibmaschine sowie seine Art zu arbeiten. Gieselbusch zeichnet das Bild eines ungewöhnlich bescheidenen, zuvorkommenden, selbstlosen Menschen, dessen Unmöglichkeit, sich zu fügen, sich unterzuordnen oder gar sich mit einer Ungerechtigkeit oder Unwahrheit abzufinden sein Leben prägt und prägte. Man findet für diesen Menschen Karlheinz Deschner kaum die richtigen Worte: man muss ihn hoch-achten, aber das reicht bei weitem nicht. Man muss ihm danken für seinen Mut, seine Charakterstärke, seinen Zynismus und seine Unbestechlichkeit; für seinen gewaltigen Arbeitseinsatz und seinen unermüdlichen Schaffensdrang; Man spürt aus seinen Büchern nicht nur den kalten Wis-senschafter, den trockenen Gelehrten, sondern den mit vollem Recht Erzürnten, Zornigen, Haßerfüllten - fast aus jedem Absatz! Dabei ist er voller Geduld, voller Verständnis, man fühlt, dass er die Menschen liebt, die Tiere noch mehr - er ist naturverbunden wie kaum jemand - man lese seine Naturschilderungen aus "Die Nacht steht um mein Haus"! Dabei hat er eine Intellektualität, einen messerscharfen Verstand und die dazugehörige Fähigkeit, die Dinge auf den Punkt zu bringen, gnadenlos den Finger in die Wunde zu legen, ohne Kompromiss, ohne Rücksicht auf die oftmals eigenen Verluste. Er besitzt eine Formulierkunst, die seinesgleichen sucht. Man muss diesen Mann lieben und ich würde ihn ohne zu zögern für zwei Nobelpreise vorschlagen: zum ersten für Literatur, zum zweiten, viel wichtiger, viel passender: für Frieden!