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29 von 30 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Das menschenverachtende Gesundheitssystem der USA, 7. Januar 2008
Rezension bezieht sich auf: Sicko [UK Import] (DVD)
Die Krankenversicherung in den USA ist komplett privat, und sie ist teuer. 50 Millionen Amerikaner können sie sich nicht leisten. Krankenhausrechnungen sind der Hauptgrund für Konkurse und Obdachlosigkeit, denn es kommt schnell mal ein Jahresgehalt an Rechnungen zusammen. Aber auch diejenigen, die teuer versichert sind, merken meist erst, wenn sie krank sind, wie das Spiel läuft: Eine Privatversicherung arbeitet profitorientiert - und Profit entsteht dadurch, dass sie möglichst nicht zahlt. Das Ergebnis sind Millionen kranke Amerikaner, die geringste Lebenserwartung und die höchste Säuglingssterblichkeit des Westens. Michael Moore kritisiert das US-Gesundheitssystem und hat, zumindest hoffe ich das, eher die extremen Fälle rausgepickt. Es sind dennoch unzählige Fälle, und was will man über ein System sagen, das von zwei abgesägten Fingern nur einen annäht, weil zwei zu teuer sind? Das 9/11-Rettungskräfte einfach im Stich lässt, wenn sie nach ihrem Einsatz an Ground Zero lebenslang unter Lungenproblemen leiden? Das Schwerverletzte auf Bürgersteigen aussetzt, wenn sie die Rechnung nicht bezahlen können? Moore vergleicht das kapitalistische US-System mit staatlichen Systemen anderer Länder, die in den USA als sozialistisch kritisiert werden. Die kostenlose (bzw. steuerfinanzierte) Versorgung von Kanada, England und Frankreich erscheint wie ein Traum und ist sicher positivistisch dargestellt, aber zumindest verrecken dort keine Kranken auf der Straße. Provokant wie er ist stellt Moore fest, wo es das beste kostenlose Krankenhaus der USA steht: auf Guantánamo, für El Kaida-Verdächtige. Für den Feind also (wobei die Behandlung dort wohl eher unter Menschenversuche und Gehirnwäsche gebucht werden muss, aber das ist nicht Thema der Dokumentation). Und so packt er flugs ein paar 9/11-Rettungskräfte in ein Boot und fährt nach Kuba, um in Guantánamo für eine Behandlung zu bitten. Als dort die Sirenen losgehen, dreht er ab und fährt nach Havana. Er stellt dann auch noch das kubanische System vor, was zu den besten der Welt gehört, und die Szenen müssen für Amerikaner hart sein, wie die 9/11-Retter ausgerechnet beim Systemfeind kostenlos behandelt werden - dort wird nicht nach dem Einkommen gefragt. Moore eskaliert bestimmte Szenen und Themen, und er erzählt auch wieder mit seiner Märchenonkel-Stimme, die viele in " Fahrenheit 9/11" genervt hat. Aber genau damit zerlegt er ein komplexes System in verständlicher Form und legt den Finger dahin, wo es weh tut. Faktisch liegt er richtig, was allein schon daran erkennbar ist, dass die Systemmedien mit ihrer Kritik am Film sehr pauschal bleiben. Fazit: Beim Gesundheitssystem wird die Menschenverachtung des reinen kapitalistischen Profitdenkens besonders deutlich, und diesen Punkt hat Moore sehr gut herausgearbeitet. Bravo.
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37 von 39 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Arme, kranke USA, 6. Juni 2008
Da ist er wieder, der Aufklärer und Anprangerer Amerikas, Michael Moore. In seinem nunmehr fünften Dokumentarfilm hat er wieder mal nur eins im Visier: die negativen Seiten des ach so hochgepriesenen Amerikas. Nach Gewalt an Schulen ("Bowling for Columbine") und dem Irrsinn des Irakkriegs ("Fahrenheit 9/11") nimmt sich Moore nun mit "Sicko" das wahrhaft kranke Gesundheitssystem der USA vor. Man mag Michael Moore Polemik, subjektive Berichterstattung und mit an Fahrlässigkeit grenzende Einseitigkeit vorwerfen (was seine Gegner auch regelmäßig tun), nichtsdestrotrotz vermag er zu schockieren mit seiner schonungslosen Offenlegung der Missstände in den USA, die er sich sicher nicht ausgedacht hat. Wenn man diesen Film gesehen hat, sollte man es sich wahrlich dreimal überlegen, noch einmal über die Erhöhung der Zuzahlung bei Medikamenten oder die vermeintlich langen Wartezeiten in deutschen Praxen oder Krankenhäusern zu schimpfen. Moore zeigt ein älteres Ehepaar, das sein Haus aufgrund der immensen Krankenhaus- und Medikamentenkosten verkaufen musste, und nun seinen Lebensabend in einem Abstellraum der Tochter fristen muss. Freiwillige Helfer nach den Terroranschlägen vom 9. September, die Atemwegs- und andere Erkrankungen erlitten haben, bekommen keinerlei Unterstützung vom Staat. Kranke ohne Versicherung werden von Krankenhäusern in Taxis verfrachtet und vor Armenunterkünften abgeladen, da sie sie nicht behandeln wollen. Krankenversicherungsangestelle erleiden Nervenzusammenbrüche, wenn sie von ihrer Firma angehalten werden, todkranken Patienten die notwendige Behandlung zu verweigern. Wartezeiten in Krankenhäusern können bis zu 18 Stunden betragen. Selbst als Versicherter hat man keinerlei Garantie, im Krankheitsfall behandelt zu werden. Die Versicherungen haben spezielle Leute, die die Patienten und deren Vorleben auf "Herz und Nieren" prüfen müssen, und es ist eher die Regel als die Ausnahme, dass auch rückwirkend Kosten wieder gestrichen und von den Versicherten selbst gezahlt werden müssen, sollte bei diesen "Überprüfungen" irgendwas gefunden werden, was man eventuell verschwiegen hat. Es werden Boni an die Angestellten ausgezahlt, die der Krankenversicherung das meiste Geld eingespart haben. Durch die komplette Privatisierung des Gesundheitssystems sind den legalen Grausamkeiten der Versicherungen kaum Grenzen gesetzt. Die Preise für Medikamente sind hoffnungslos überteuert, der Tod wird von den Versicherungen mehr als billigend in Kauf genommen, so lange er ihnen - im Gegensatz zu langwierigen Behandlungen - Kosten einspart. Ein verstaatlichtes Gesundheitssystem wird vehement boykottiert und in der Presse als großes Unheil dargestellt. Und das, obwohl jährlich mindestens 50.000 Amerikaner durch das jetzige System sterben. Als Moore erfährt, dass die Gefangenen auf Guantanamo Bay kostenlose medizinische Behandlungen erhalten, chartert er drei Schiffe, packt sie voll mit Kranken und fährt nach Kuba. Nach Guantanamo lässt man ihn zwar nicht, aber seine Patienten werden in Kuba kostenlos behandelt, medikamentös richtig eingestellt, eingehend untersucht und bekommen für sie lebensnotwendige Medikamente für z. B. 50 Cent statt für 120 Dollar in den USA. Es treibt einem die Tränen in die Augen, die Dankbarkeit dieser teilweise todkranken Menschen zu sehen, wenn sie weinend einen kubanischen Arzt umarmen. Und dass, wo Kuba in den USA immer noch als Staatsfeind Nr. 1 gehandelt wird. Diese Dokumentation ist erschütternd, aufrüttelnd, sie macht betroffen und traurig. Und dankbar. Dankbar dafür, dass es solche Filme gibt und dankbar für unser staatliches Gesundheitssystem, das zu einem der besten der Welt zählt. So sollte und wird man es nach diesem Film sehen, und das ist auch gut so.
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27 von 29 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Eine wirklich gelungene moderne Dokumentation..., 29. Januar 2008
Diese Rezension bezieht sich auf die Kinofilm-Version. Man kann die Vereinigten Staaten von Amerika mögen oder nicht. Eines ist jedoch klar: Diese Reportage zeigt die negativen Seiten des amerikanischen Gesundheitssystems. Wer auf eine objektive Dokumentation dieses Gesundheitssystems hofft, wird wohl leider enttäuscht sein: Dieser Filme zeigt nichts Gutes oh doch! -, aber nur in Bezug auf die Gesundheitssysteme anderer Staaten, wie England oder Frankreich. Ich persönlich empfinde die erhöhte Subjektivität des Filmes weder als störend noch als unangebracht. Denn wie sollte man einen Film sonst zu einem so interessanten nein vollkommen genialen Kinofilm machen, wenn der Zuschauer nicht vom Hocker gerissen wird? Subjektivität hin oder her: Der Film überbringt keine falschen Informationen! Und gerade diese Informationen sind es, die den Zuschauer mitreisen. Anders als in vielen anderen Filmen, geht es hier nämlich um die Realität! Um die Realität vieler Menschen in den USA, um deren eigenen Interesse: Dem Interesse ein gesunder Mensch zu sein, was theoretisch möglich ist, jedoch von den Krankenkassen nicht immer ermöglicht wird. Fakt ist nämlich auch, dass die Storys, die private Personen zeigen, nicht erfunden sind. Auch wenn Gegenbeispiele fehlen (um einen Kritiker zufriedenstellen zu können), so bleiben die gezeigten Storys immer noch bitterer Ernst. Ob es nun 500 oder 2.000.000 Menschen sind, die so ein Schicksal durchleben müssen: Ein Ding der Unmöglichkeit bleibt es dennoch. Der Film ist sehr gut, auch wenn oder erst recht, weil - es kein Film ist, wie jeder andere.
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