Ich habe mich anderthalb Jahre lang in China aufgehalten, um die Kochkunst der meisten Regionen dieses Landes zu studieren. Dabei war der Aufenthalt in der Provinz Sichuan eines der grossartigsten kulinarischen Erlebnisse, das ich je hatte. Zurück im Westen war es dann um so deprimierender, wieder nur lieblos gekochte Chop-Suey-Einheitsküche in den chinesischen Restaurants zu finden. Auch unter den westlichen Kochbuechern gab es bisher nur wenige, die über das enttäuschende Fleisch-mit-Gemüse-und-brauner-Sauce-Niveau hinausgingen, mit Julia Tropps, Yan-Kit Sos und Hugh Carpenters Büchern als seltenen Ausnahmen. Mit Sichuan Cookery ist ein Buch von einer Qualität erschienen, die ich bisher nur in Original-Kochbüchern aus China gefunden habe. Die Autorin hat als erste Ausländerin an der Kochschule in Chengdu, der Haupstadt Sichuans, studieren dürfen und weiss, wovon sie schreibt. Fast alle berühmten Gerichte der Provinz sind im Rezeptteil vertreten, dazu kommt ein allgemeiner Teil über die Geschichte und Eigenarten der Sichuan-Küche und Schneide- und Garmethoden für den Einsteiger. Neben einem englischen ist bei allen Gerichten, der chinesische Name in chinesischer und westlicher Schrift aufgeführt, um das Bestellen bei Reisen in China zu erleichtern oder um Köche in westlichen chinesischen Restaurants dazu zu bewegen, vielleicht doch einmal das Richtige zuzubereiten. Dazu kommt im Anhang eine ausführliche Vokabelliste mit den wichtigsten Wörtern der chinesischen kulinarischen Welt. Das Buch gibt einen Eindruck von der grossen Vielfalt der chinesichen Küche und eignet sich nicht nur für Kochprofis sondern auch für absolute Anfänger. Eine kurze Warnung am Schluss: die Sichuan-Küche ist berühmt für ihre Schärfe, und die Autorin macht keinerlei Zugeständnisse an den westlichen Gaumen. Wer es also etwas milder mag, dem sei vielleicht ein Buch von Yan-Kit So empfohlen, das es zudem auch in Deutsch gibt.