Die Autorin stellt die Frage,was kann ich als Mitarbeiter eines Unternehmens tun, um von mir aus dafür zu sorgen, dass das Klima zwischen dem Chef und mir so stimmig ist, dass wir beide zufrieden sind? Diese Frage ist gar nicht so einfach zu beantworten, und manch einer wird sich die Frage gar nicht erst stellen, denn es ist immer leichter Forderungen an andere zu stellen als an sich selbst. Das ist kein Vorwurf. Wir lernen doch schon im Babyalter, welches Auftreten uns Aufmerksamkeit, Futter oder Streicheleinheiten bringt. Wir sind in unserer Hilflosigkeit darauf angewiesen, dass wir Wünsche erfüllt bekommen. Dass wir ebenfalls Erwartungen oder die Wünsche anderer erfüllen sollen, erfahren wir erst später und meist nicht ganz freiwillig. Das angelernte Verhalten schleppen wir dann mit hinüber in die Schulzeit. Die Zeit, wo wir mehr oder weniger unsystematisch, aus reiner Neugier und Bewegungstrieb freiwillig gelernt haben, wie wir uns in der neuen Umwelt zurecht finden können, endet mit der Schule abrupt. Jetzt sollen wir lernen, was andere für uns für wichtig halten. An die Stelle des Wollens tritt das Müssen. Wir erlernen neue Verhaltensweisen, die oft genug aber nur Varianten unseres früheren unbewussten Verhaltens sind, und diese nehmen wir dann in unser berufliches Leben mit hinüber. Doch hier herrschen andere Bedingungen. Jetzt müssen wir erwachsen werden und aufhören ein „Versorgungsfall" zu sein. Wir müssen uns unser Futter, unsere Kleidung, die nötige Anerkennung und auch die Streicheleinheiten selbst verdienen. Unsere Partner in dem neuen Lebensabschnitt sind nicht mehr Mama und Papa, sondern Chefin oder Chef. Die sind weder gesetzlich noch moralisch verpflichtet für unser Wohlergehen zu sorgen. Sie erwarten von uns, ihren Mitarbeitern, dass wir ihnen helfen, möglichst schnell gutes Geld zu verdienen. Und wir erwarten, dass sie uns für unsere Arbeit möglichst viel von dem guten Geld abgeben. Das ist eine Konflikt trächtige Situation. Wie wir uns bemühen können, sie zu entschärfen, erklärt die Autorin auf 124 schlanken Seiten.
Es sind keine Tricks, sondern Ergebnisse von gut analysierten Erfahrungen. Das eine oder andere wird dem Leser bekannt vorkommen. Die Artikelüberschriften klingen manchmal fast banal, wie: „Glauben sie an sich". Schön wäre es, genau das hat man mir in der Schule ausgetrieben. Oder: „Bauen Sie ein gutes Verhältnis zu ihrem Chef auf." Wie denn, wenn der nie Zeit für mich hat. Oder: „Gehen Sie mit Fehlern selbstbewusst um." Der brüllt doch immer gleich. Die Autorin hat sich all die Cheftypen einmal genau angesehen, doch sie steckt sie nicht in Schubladen, doch sie zeigt, wie man fair miteinander umgehen kann.
Die Prämisse des Buches lautet: „Ich kann die Welt, ich kann meinen Chef nicht verändern, aber ich kann mich, ich kann mein Verhalten verändern." Eine erfolgreiche Zusammenarbeit zwischen Mitarbeitern und Chefs kann nur gelingen, wenn man die berufliche Kompetenz des anderen akzeptiert und sich menschlich auf Augenhöhe begegnet.
Ein nützliches Buch, das auch den Humor nicht gänzlich außen vorläßt und das auch für Chefs nicht ganz uninteressant sein dürfte.