Hierhold spricht mit seinem Buch alle an, die ihre Ideen wirkungsvoll weitervermitteln wollen. Dabei spielt es keine Rolle, ob seriöse Forschung an die Frau gebracht werden soll oder man sich durch eine sichere Präsentation einen besseren Job ergattern will. Das Zielpublikum lässt sich somit eigentlich nur negativ formulieren: Nicht angesprochen sind diejenigen, die nie mit und vor Gruppen kommunizieren.
Wie ein roter Faden zieht sich die wichtigste Grundaussage durch das ganze Buch: Im Mittelpunkt der Präsentation steht die Präsentatorin selbst. Und ihre Ideen. Und nicht die Technik. Dies bringt Hierhold zum Ausdruck, indem er etwa engagiert gegen die landläufige Meinung anschreibt, Folien sollten für sich selbst verständlich sein. Er ist der Ansicht, dass erst die Präsentatorin den visuellen Hilfsmitteln Sinn und damit Leben einhauchen soll und kann. Denn lesen kann das Publikum in der Regel selber.
Der Autor weist immer wieder auf seine eigenen Pleiten und Pannen hin. Er gibt mit seinem Lehrbuch eigene mühsam erworbene Erfahrungen weiter. Dies erhöht einerseits seine Glaubwürdigkeit, könnte aber andererseits auch als billiger und damit überflüssiger Marketinggag wahrgenommen werden.
Eine gute Präsentatorin ist auch durch unglückliche Ereignisse wie Stromausfall bei einer Computerpräsentation oder lästigen Fragen aus dem Publikum nicht aus der Fassung zu bringen. Hierhold hilft ihr, dies zu erreichen, auch wenn das Buch streckenweise stark an ein Kochbuch erinnert. Na und? Auch Spitzenköche brauchen Kochbücher! Und ohne die checklistenartige Komprimierung des geballten Präsentationswissens hätte dieser Inhalt nie auf 448 Seiten Platz.
Die Kurzzusammenfassungen am Ende eines jeden Kapitels sind besonders hilfreich für die Schnellleserin, die Hierholds Werk gezielt als Nachschlagewerk verwendet.
Das Buch könnte durchaus den Eindruck erwecken, dass es dem Autor nur um eines geht: verkaufen, und zwar mit allen Mitteln. Denn Hierhold hat unter anderem auch den Bestseller Verkaufspräsentationen – Selling to groups geschrieben. Und die Bibliographie enthält bei jedem Buch Preisangaben in DM oder $! Tatsächlich zeigen die vielen Beispiele im Buch, dass wirtschaftliche Überlegungen durchaus im Vordergrund stehen. Aber erstens ist das ja nicht grundsätzlich schlecht und zweitens argumentiert Hierhold treffend, dass auch "nur" Informierende oder Fachvortragende durchaus auch etwas zu verkaufen haben: Sich und ihre Informationen. Auch ihnen sollte daran gelegen sein, dass ihr Publikum nicht gelangweilt die Präsentation verlässt oder gar denkt, was denn das wieder für ein Spinner war. Gerade Wissenschaftler sind sich oft noch nicht so bewusst, dass zwischen einem geschriebenen Text und einer mündlichen Präsentation durchaus gewisse Unterschiede liegen, wenn nicht zu sagen: Welten!
Im Titel zeigt sich Hierhold recht konservativ: Er weigert sich, die aktuell korrekte Schreibweise des Wortes Tipp zu verwenden, ein p reicht ihm vollauf.
Titelbild und einige Bilder in der Mitte erinnern das ästhetisch verwöhnte Auge designmässig schmerzlich an die 80er Jahre.
All seine sehr detaillierten Anweisungen, wann welche Schriftgrösse verwendet werden soll und wie gute beziehungsweise schlechte Folien daherkommen sind zwar im Grossen und Ganzen sehr nützlich, im Detail bisweilen aber auch etwas zuviel des Guten. Denn viele Tipps Hierholds lassen sich auch auf eine kürzere Formel bringen. Beispiel: „Schreibe so gross, dass die Leute in der hintersten Reihe auch ohne Fernglas etwas lesen können" und „Vermeide, das zu tun, was dich bei den anderen schon immer gestört hat".
Aber das alles ist eigentlich nur Kritik um der Kritik willen. Das Buch hat im Wesentlichen nur einen einzigen wirklichen Nachteil: der Preis.
Insgesamt gibt das Buch einen guten Überblick über die heutzutage üblichen Präsentationsmedien. Es ist ein absolutes Muss für jede, die etwas von Präsentationstechniken hält.
Wer sollte das Buch nun nicht kaufen? Alle, die sich einen dreitägigen Workshop für knapp SFr. 2000.- leisten können. Denn im Preis ist Hierholds Bestseller schon inbegriffen.