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Sich lieben [Gebundene Ausgabe]

Jean-Philippe Toussaint , Bernd Schwibs
4.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (6 Kundenrezensionen)

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Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe: 153 Seiten
  • Verlag: Frankfurter Verlagsanstalt; Auflage: 1., Aufl. (August 2003)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3627001079
  • ISBN-13: 978-3627001070
  • Größe und/oder Gewicht: 21 x 13,6 x 2 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (6 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 504.045 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)
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Jean-Philippe Toussaint
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Produktbeschreibungen

Pressestimmen

"Um Toussaint einzuordnen, müßte man ihn irgendwo neben Kafka und Beckett stellen, eine Brücke zwischen Mondrian und Pascal. Mit großer schriftstellerischer Reife lotet sein neuer Roman die Tiefen einer Liebeskrise aus. Und den Moment danach, das Nicht-mehr-Lieben." (Le Monde)
"Diese Geschichte einer unendlich traurigen Trennung ist ein Juwel an melancholischer Einfachheit, Toussaints bestes Buch bisher." (Les Inrockuptibles)
"Sich lieben besitzt dieselbe Schönheit wie ein langes Saxophonsolo in der Nacht, eine nicht enden wollende Melancholie." (Le Soir)

Le Monde

»Um Toussaint einzuordnen, müsste man ihn irgendwo neben Kafka und Beckett stellen, eine Brücke zwischen Mondrian und Pascal. Mit großer schriftstellerischer Reife lotet sein neuer Roman die Tiefen einer Liebes-krise aus. Und den Moment danach, das Nicht-mehr-Lieben. Beeindruckend und mit großer Meisterschaft vereint er in diesem Roman alle seine Gaben: Das ist große Kunst, die Toussaints Ruf als großer Autor festigt.«

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47 von 52 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Dunkel Berührend 22. Mai 2004
Von dcbe
Format:Gebundene Ausgabe
Der erste Eindruck auf dem Cover: Eine urbane Nachtszene, halb von oben, vermutlich irgendwo in Tokyo - erinnert stark an „Lost in Translation". Vielleicht gibt es ja auch thematische Nähe? „Lost in Translation" ist wohl zumindest der Buchtitel. Im Original heißt das Teil „Faire l'amour", und das deutsche „Liebe machen" erscheint mir jedenfalls für die erste Hälfte als die korrektere Übersetzung. „Sich lieben", das klingt so poetisch, so leicht abgehoben. Aber: Poetisch, leicht abgehoben, das ist dieser kleine große Roman eigentlich gar nicht. Immerhin, in der zweiten Hälfte, da könnte es auch um „sich lieben" in ganz egoistischem Sinn gehen. Aber poetisch wird es da immer noch nicht.

Mehr? Vorgeschmack

Ist es normal, eine kleine Flasche Salzsäure um den Hals zu tragen? Ist es normal, den ganzen Tag zu weinen - in Gesellschaft des Partners? Ist es normal, mit der langjährigen Partnerin auf die andere Seite der Erde zu fliegen, ohne eigenes Interesse, nur um sich dort gleich am ersten Tag zu trennen (zugegeben, es ist ein langer Tag)? Vielleicht scheint manches an der Story auf den ersten Blick abseitig, konstruiert, doch eigentlich, tja, geht es um ganz unspektakulär normale Dinge...

Wer schreibt da?

Jean-Philippe Toussaint ist französisch schreibender Belgier Mitte 40, lebt hauptsächlich auf Korsika und anteilig noch in Brüssel. Seit knapp 20 Jahren ist er in der frankophonen Literaturszene eine bekannte Größe. Fast alles von ihm ist auch auf Deutsch erschienen, z.B. „Das Badezimmer" oder „Selbstportrait in der Fremde" (dringende Kauftipps beide). Im Herbst 2002 erscheint „Faire l'amour" beim den sehr renommierten französischen Éditions de Miniut (das sind diese weißen Taschenbücher, von denen jeder Franzose mindestens ein halbes Dutzend irgendwo herumstehen hat).
Toussaint ist bekannt für seinen sehr reduzierten Stil, lakonisch, auf männliche Wahrnehmung gestützt. Oft ist er bei aller scheinbaren Spröde aber doch intensiv und zumeist leicht ironisch. Ich schätze diese Art des Schreibens sehr, um mal einen Vergleich zu wagen: Der Bursche schreibt so ähnlich, wie ein Manzanilla-Sherry schmeckt: Trocken, hell, anfangs leicht, und doch mit viel Gehalt und leicht salzigem Abgang.
Mit „Faire l'amour" geht er allerdings aus seiner gewohnten abgründigen Leichtigkeit heraus - in deutlich dunklere Gefilde.

Na denn, zur Story

Gegenwart. Der namenlos bleibende Ich-Erzähler begleitet seine Freundin Marie nach Tokyo. Beide sind so um die Vierzig, sie ist Künstlerin und Modedesignerin, in Tokyo wird sie eine Ausstellung zu ihren Ehren gestalten und eröffnen. Seit sieben Jahren sind die beiden zusammen, gefangen im Jetlag werden sie den ersten Tag und die erste Nacht in Tokyo erleben. Dort ist es kalt und regnerisch. Marie weint, viel.
Die Nacht im teuren Hotel wird schlaflos bleiben, von nicht vollendeten Annäherungen geprägt. Irgendwann in den frühen Morgenstunden werden die beiden zu dünn bekleidet durch den Schneeregen irren, ein kleines Erdbeben wird noch einen letzten „Liebes"akt unter einer Brücke provozieren - doch er hat Schluss gemacht.
Der nächste Morgen ist nur zwei Stunden entfernt, und eine erste Besichtigung der Ausstellungshalle steht auf dem Programm. Der Erzähler flüchtet schon nach kurzer Zeit, während Marie sich auf die Räumlichkeiten zu konzentrieren beginnt. Er flüchtet weit, aus Tokyo, nach Kyoto. Dort war das Paar mal vor Jahren, und ein alter Freund wohnt immer noch da.

Der nimmt ihn auch auf, am Abend wird noch ein Fax in ihr Hotel gesandt: „Warte nicht auf mich". Einige Tage werden vergehen, geprägt von Schlaf und heftiger Erkältung. Irgendwann wird er halbwegs genesen durch Kyoto wandern, und sie im Hotel anrufen. Das Gespräch hat starke Sogwirkung und abrupt bricht er wieder nach Tokyo auf, abends ist Ankunft, doch Marie ist nicht im Hotel.
Er wird sich Zugang zur nächtens geschlossenen Ausstellung verschaffen. Die ist mittlerweile aufgebaut, noch nicht eröffnet. Vom Wachpersonal vertrieben flüchtet er in den Park vor der Ausstellungshalle, leert die bislang stets mitgeführte kleine Flasche Salzsäure auf den Boden, eine kleine Blume findet ein schnelles Ende.
Ende.

Worum es geht

Der gute Toussaint stellt eine ganz einfache These auf. Der aktive Teil dieser Trennung, die eigentliche Hauptperson, der Erzähler, ja der egoistische Hund, der die attraktive und ihn liebende Frau verläßt - der leidet letztlich mehr. Es fällt ihm irrsinnig schwer, die Trennung wirklich zu vollziehen, seine Flucht nach Kyoto ist Selbstkasteiung, sein Taumeln ist bei aller vordergründigen Gefühlskälte vor allem eins: Sauschwer und schmerzhaft. Sie kann sich in eine Aufgabe flüchten, ihm bleibt kleines und bitteres Leiden. Ziemlich traurig, diese kalte kleine Geschichte. Und ziemlich groß!

Wer sollte das lesen?

Eigentlich ist es ja ganz einfach. Die Sprache ist nicht kompliziert, die Sätze kurz. 150 knapp bedruckte Seiten, das Teil lässt sich schnell lesen. Vordergründig.
Für Entspanner, Unterhaltungssucher und Realitätsflüchter ist es allerdings gänzlich ungeeignet. Es spielt zwar in Tokyo, doch dieses kalte regnerische Tokyo ist kein bißchen exotisch oder fremd. Es geht zwar um Liebe, doch „Romantik" gibt es hier wohl kaum. Dies ist ein Buch für Leute,
- die schon ein bisserl gelebt haben,
- die beim Lesen nicht „abschalten" wollen,
- die Interesse an realen Figuren haben,
- nicht vor Nachdenklichkeit zurückschrecken,
- sich auch mal lesend mit weniger angenehmen Themen beschäftigen können.

Für solche Leute, die dann auch noch den ökonomisch trockenen Stil Toussaints gut vertragen können, für die ist „Faire l'amour" eine zutiefst bewegende und ziemlich großartige Lektüre. Klar, ich habe mich selbst in so mancher Szene wiedergefunden, und das prägt natürlich das Urteil auch ein wenig mit. Für mich ganz persönlich kommt es locker auf fünf Sterne.
Dies ist das bisher beste Buch eines ohnehin schon brillianten Autors - mit Abstand. Es ist ordentlich übersetzt, ein wenig zu altväterlich manchmal, aber durchaus in Ordnung. Eine Entdeckungsreise wert...

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8 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Wie stirbt eine grosse Liebe? 22. November 2006
Von Salome
Format:Taschenbuch
Der namenlose Erzähler fährt mit seiner Freundin Marie, einer Modedesignerin, nach Tokio, um dort eine Austellung Maries vorzubereiten. In der Tasche trägt er die ganze Zeit ein Fläschen mit Salzsäure...

Die beiden wollen sich trennen. Sie verbringen eine letzte schlaflose Nacht in einem Hotelzimmer in Tokio miteinander, doch beide spüren immer bewusster und voller Wut, Trauer und Ohnmacht, wie ihre Liebe langsam Schritt für Schritt stirbt.

Der Erzähler dieser Geschichte bringt es auf den Punkt.

"Aber mit ihr zu brechen, ich begann, mir das klarzumachen, war eher ein Zustand als ein Tun, eher Trauer als Agonie."

Toussaint schwelgt in diesem Roman in einer aussergewöhnlich schönen, bildhaften und poetischen Sprache. Er lässt die Bilder des nächtlichen Tokios vor dem geistigen Auge des Lesers auferstehen.

Der Autor lässt uns am Leben, Lieben und Leid der Protagonisten haunah teilhaben. Lässt all die, fast surreale, Widersprüchlichkeit und die Leidenschaft einer sterbenden Liebe, klar und natürlich erscheinen.

Wie viele Bücher von Autoren der französischen Gegenwartsliteratur, mit 150 Seiten, ein kleines, aber inhaltlich riesiges Buch. Einzigartig, poetisch, ergreifend.

Wer den Film "Lost in Translation" mochte, wird diesen Roman mehr als lieben.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Das Ende einer Liebe...? 12. April 2011
Format:Taschenbuch|Von Amazon bestätigter Kauf
Das Thema selber finde ich sehr berührend - der anonyme Erzähler entführt den Leser mit seiner Liebe (oder ist es sie doch nicht mehr)namens Marie nach Tokio, um dort Zeuge sein zu können, wie der Abschied, die Trennung von statten geht. Wie schwer die Trennung ist, das Zerren zwischen Loslassen, Wegstossen und Festklammern.
Dieser Gefühlszustand ist berühend, zugleich verwirrend geschrieben - aber das spiegelt wohl nur das wieder, was viel in solcher Situation fühlen - Verwirrung und Orientierungslosigkeit.

Das Kernthema ist somit wirklich sehr gut, plastisch und unter die Haut gehend erzählt. Obwohl es nicht zum tatsächlicne Ende kommt - es ist vielmehr eine unvollendete Liebe...

Die Hintergrundsory ist der Grund, warum es dann doch massiven Sterneabzug gibt. Sie ist konstruiert, hat nichts mit der Kernstory zu tun...sie wirkt fehl am Platz und störend. Scahde - so habe nur drei Sterne vergeben, obwohl es ein Anwärter für einen Volltreffer war.
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