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Sibirischer Schwindel. Zwei Abenteuerromane
 
 
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Sibirischer Schwindel. Zwei Abenteuerromane [Gebundene Ausgabe]

Stefan Sullivan
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Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe: 345 Seiten
  • Verlag: Eichborn (Juni 2002)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3821845147
  • ISBN-13: 978-3821845142
  • Größe und/oder Gewicht: 22 x 12,6 x 2,9 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 5.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (1 Kundenrezension)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 784.738 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

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Stefan Sullivan
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Produktbeschreibungen

Neue Zürcher Zeitung

Zum Glück eine wahrhaft ungeheure Reise
Stefan Sullivans «Sibirischer Schwindel»
Die Gattungsbezeichnung Abenteuerroman ist ein wunderbar farbiges Wort. Es ruft Bilder von grünen Höllen und gelben Flüssen, von schwarzen Piraten und roten Häuten hervor. Unter dem Titel «Sibirischer Schwindel» legt Stefan Sullivan einen Band mit gleich zwei Romanen dieses bunten Genres vor, und drei Farben sind es, die seine (aber)witzigen Geschichten kolorieren: Weiss, Blau und Rot. Weiss wie die schneebedeckten Weiten Sibiriens, Blau wie der Zustand, in dem Sullivan sie durchquert, und Scharlachfarbe wie der Rote Schamane, den er sucht, und Rotkäppchen, das er findet. Verzeihung bitte? Der erste Roman mit dem Titel «Platons Tundra» führt den Abenteurer Sullivan über Paris – eine Stadt, die einen, «wenn es regnet und man allein und nicht verliebt ist, deprimiert» – nach Moskau. Hier trifft der Autor im Jahre 1990 auf «eine neue Generation von Rasputin-Klonen – Scharlatane, Quacksalber, ein buntgemischter Haufen slawischer Voodooärzte». Sullivan, 1966 als Sohn einer deutschen Mutter und eines amerikanischen Vaters geboren, spricht stets aus höchsteigener Erfahrung, sind seine bizarren Erzählungen doch keineswegs einer (Wodka-induzierten) Phantasie entsprungen, sondern weitgehend autobiographisch geprägt. Wahrhaft magisch angezogen von einer zwischen Untergang und Aufbruch oszillierenden Atmosphäre, verschaffte Sullivan sich von dem in den letzten Zügen liegenden kommunistischen Regime ein Transitvisum für Jakutien, jenes gottverlassene Land im Osten Sibiriens, im Gepäck ein fadenscheiniges Projekt, den Schamanismus Sibiriens erforschen und sein (vermutetes) Wiederaufleben filmisch dokumentieren zu wollen. Ausserdem geht es um ein traditionelles jakutisches Schmuckstück, das er und seine Zechgenossen auf dem westlichen Modemarkt gewinnbringend zu vermarkten hoffen: Den Ilinke linke beheer. Pardon, den was? Jahre später zieht es Sullivan, der in Washington D. C. lebt, wieder in den Wilden Osten, angelockt von einer Zeitungsannonce, mit der ein unseriöses Unternehmen einen «aggressiven Russlandmanager» für den Vertrieb von Hinterkippern sucht. Seine Erfahrungen mit dem wirtschaftlichen Wildwuchs im postsowjetischen Russland hielt Sullivan, der tatsächlich Schwerlaster in den Öl- und Gasfeldern Sibiriens vertrieb, im «Tagebuch einer Cowboyklitsche», dem zweiten Roman des Bandes, fest. Manifestierte sich schon in seiner Recherche zum Roten Schamanen, einer Figur des indigenen Dichters Ojunskij, ein gewisses infantiles Vergnügen an geheimnisvollen Ritualen und sagenumwobenen Orten, so zeigt uns Sullivan auch im zweiten Teil das Kind im Manne, das ein «Wiedersehn mit Tonka» feiert, den Sandkastenspass mit Spielzeuglastern wieder aufleben lässt und sich nebenbei mit einer Wasserstoffblondine vergnügt, die ihn in ihrem «Girlydress» stark an Rotkäppchen gemahnt, obschon sie «nicht mehr die Jüngste» ist. – Sullivan, der einen Doktortitel der Universität Oxford trägt, ist um grösstmögliches Understatement, ja beinahe Unseriosität bemüht, will er doch weder als wissensbewehrter Anthropologe auf Forschungsreise gelten noch als Selbsterkennungstourist mit einem Faible für «Ethnochic» – ausdrücklich distanziert er sich von jedweden bildungsbürgerlichen oder esoterischen Beweggründen. Stattdessen gibt er, der auch schon Forschungsaufträge für die CIA übernahm, den versoffenen Hochstapler mit einer Schwäche für jakutische Schönheitsköniginnen und legt eine schelmisch-provozierende Anti-Political-Correctness-Haltung an den Tag. Wie gelegentliche Exkurse in die russische Geschichte und Mythologie zeigen, ist Sullivan allerdings ein ausgefuchster Kenner seiner Materie (zuletzt erschien von ihm «Marx for a post-Communist Era: On Poverty, Corruption and Banality»). Seine ausgewogene Mischung von sense and sensibility , das Nebeneinander von wilder Orgienprosa und nüchterner Betrachtung machen seine Erzählungen zu einer abwechslungsreichen und ebenso unterhaltenden wie erhellenden Lektüre. Das Manuskript mit dem Originaltitel «The Final Slum», das in der Übersetzung von Ulrich Blumenbach als Originalausgabe vorliegt, hat übrigens im vergangenen Jahr in Amerika den Manuskript-Preis der Hollywood Writers' Association erhalten – eine Auszeichnung für potenziell verfilmbare Vorlagen. Warten wir also ab, ob Sullivan uns demnächst im Kino mit auf seine – um es mit Kafka zu sagen – zum Glück wahrhaft ungeheure Reise nimmt. Susanne Ostwald

Kurzbeschreibung

Nein, einen Reisebericht kann man dieses Buch nicht nennen, eher einen Bildungsroman oder einen Selbstversuch. Hier wirft sich ein junger Amerikaner hemmungslos seiner Lieblingsphantasie in die Arme und erlebt ein postkommunistisches Road movie in zwei Versionen: einmal als Filmemacher auf den Spuren des sibirischen Schamanentums, das zweite Mal als Handlanger einer hochstaplerischen Import-Export-Firma. In diesen beiden Rollen verwandelt er sich nicht nur selber, er erfährt auch die Absurdität und den Zerfall der postsowjetischen Welt. Ein wildes Panoptikum von Spekulanten, Auftragskillern, Bürokraten und Alkoholikern tut sich auf. Sullivan gibt sich, frei von jeder Zensur, aber nicht ohne Humor und Zärtlichkeit, dem Aberwitz der Situationen hin, in die er gerät. Selbst dem Horror kann er noch eine Lebenslust abgewinnen, die sich nicht unterkriegen läßt. Und obwohl er mit seinen literarischen Ambitionen hinter dem Berg hält, zeigt sich bald, daß Sullivan keineswegs ein naiver Abenteurer ist, sondern ein hoch reflektierter, ausgebuffter Intellektueller, der es allerdings vorzieht, sein Licht unter den Scheffel zu stellen - ein Trick, der ihm glücklicherweise immer wieder mißlingt. So kommt es, daß in der Brust des Autors mindestens zwei Seelen wohnen. Die eine erinnert an Charles Bukowski, die andere an Robert Musil.

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Format:Gebundene Ausgabe
Stefan Sullivans zwei Novellen behandeln die Reisen eines jungen Mannes aus dem Westen in den neuen Osten. Akademisch gesprochen: Die erste folgt den Spuren der Rekonstruktion einer sibirischen Nationalkultur am Beispiel des Schamanismus und enthüllt all die Fragwürdigkeiten solcher postnationalen Renationalisierung. Die zweite Novelle spielt im sibirischen Ölboom. Doch beide Geschichten sind eben keine theorielastigen Traktate, sie sind Entgrenzungserlebnisse, bei denen der Osten nicht viel anders funktioniert als der Wilde Westen in früheren Zeiten. Voller Sarkasmus geht Sullivan mit allerlei Romantizismen um, ob sie Verklärungen der jüngsten oder älteren Vergangenheit sind. Was ihm dabei gelungen ist, ist viel mehr als nur ein Porträt Russlands im ersten Jahrzehnt nach der Sowjetunion. Sullivan hat in wunderbarer, höchst präziser und gestochen scharfer Sprache beschrieben, was Kultur und ein kulturell definiertes Ich heute bedeuten - und wo Falltüren sich öffnen. Seine beiden Novellen sind ein intellektuelles Vergnügen, mal ausschweifend und derb, mal voller milder Menschlichkeit. Hinter all den großen Worten von Kultur, Nation und Identität stehen immer wieder Menschen mit höchst realen und oft körperlichen Bedürfnissen. Kaum ein Autor kann so gekonnt zwischen Sex und Alkohol und postsowjetischer Selbstsuche changieren. Sullivans Panorama ist ein Satyricon, ein an Pynchon erinnerndes Porträt einer Welt, in der sich lächerlich macht, wer allzu Hehres allzu wörtlich nimmt. Stefan Sullivan ist einer der wenigen Autoren der jüngeren Generation mit Star-Qualitäten, der seinen enormen Bildungsreichtum für Literatur nutzt, ohne ihn aufzudrängen. Seine Doppelnovelle ist eine wahre Entdeckung. Sie wärmstens zu empfehlen ist beinahe eine Untertreibung.
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