Die besten Geschichten schreibt das Leben. Und: Wahre Meisterwerke entstehen dann wenn man es am wenigsten erwartet. Zwei Sprüche, die auf Siamese Dream geradezu perfekt zutreffen. Die Umstände unter denen dieses Album entstand, hätten kaum ungünstiger sein können: Nach dem Achtungserfolg mit dem Debüt-Album litt Billy Corgan unter einer schweren Depression, Jimmy Chamberlin war zum ersten (und leider auch nicht zum letzen) Mal im Drogennetz gefangen und James Iha und Darcey beendeten höchst dramatisch ihre langjährige Beziehung. Die Auflösung der Band war fast schon beschlossene Sache. Nachdem man nur halbherzig an neuen Songs gearbeitet hatte, schloss sich Corgan wutentbrannt im Studio ein, schrieb sich seinen Frust von der Seele, und spielte schließlich alle Instrumente im Alleingang ein. Bei diesem Egotrip ist dann so ganz nebenbei eines der besten Rockalben aller Zeiten herausgekommen. Siamese Dream war bei seinem Erscheinen einzigartig, zeigte neue Wege auf und beeinflusste eine ganze Legion von Bands (Von den vielen Abziehbildern, die danach wie Pilze aus dem Boden schossen, ganz zu schweigen). Schon der Opener Cherub Rock ist ein Musterbeispiel an intelligentem und doch kraftvollem Rock, dessen infernalisches Gitarrengewitter dazu führt, das man geplättet im Sessel sitzt und sich die Ohren reibt. Zum Erholen kommt man allerdings nicht, denn mit Quiet wird ein fast ebenbürtiger Song nachgeschoben, der seinem Namen wirklich keine Ehre macht. Mit Abstand am besten wird diese rauhe Richtung in Silverfuck verarbeitet, in der der punkige Garagensound mit Progressive Rock verbunden wird, und sich über fast neun Minuten bis zur Unerträglichkeit hochschraubt. Ein weiteres Sahnestück ist Hummer, das sich mit einer absoluten Ohrwurmmelodie und einer intelligenten und überraschenden Songstruktur zentimetertief ins Trommelfell beißt. Und last but not least gibt es auch noch die bittersüßen und wirklich zu Herzen gehenden Balladen, bei denen Corgans Verzweiflung hörbar wird. Hierzu gehören Disarm, Soma und ganz besonders Mayonaise. Letzteres ist ein absolutes Kunstwerk, dass bei jedem halbwegs gefühlvollen Menschen ganz tief ins Herz trifft, und beinahe zu Tränen rührt. Fazit: SD gehört definitiv zur Grundausstattung eines jeden Rockfans, ansonsten kennt man nur die halbe Wahrheit.