Shyne ist einer der Rapper, mit denen man Mitleid bekommt. Nicht nur, dass er ein weiteres begnadetes Talent aus New York ist, das kaum Beachtung von der Öffentlichkeit bekommt, er bekommt sogar regelrecht Steine in den Weg gelegt. Kurz nach Biggie's Tod nahm Puff Daddy 1998 den damals erst 20 jährigen Shyne unter Vertrag. Sofort schrieben die ersten Magazine, dass dies allein an Shyne's tiefer Stimme, die der von BIG ähnelt, und nicht an seinen Qualitäten lag. Auf Tracks von Total, 112, Foxy Brown, Mase und Puff Daddy konnte er jedoch das Gegenteil beweisen. 2000 war es dann endlich soweit. Das nach sich selbstbenannte Debüt "Shyne" kam in die Läden. Und es wurde die reinste Bombe. Bad Boy Records war zwischen 1997 und 2000 immer kommerzieller geworden und veröffentlichte fast nur Pop-Rap gepaart mit R'n'B. Davon ist hier jedoch nichts zu spüren. Harte Lyrics eines echten Gangsters, der auch nicht davor zurückschreckt schamlos übers Töten zu reden, sich aber auch mit Politik Kritik befasst , was durch Wahnsinns Beats untermauert wird. Sofort beim ersten Track "Watcha Gonna Do" hämmert der Bass gnadenlos aus den Boxen, die perfekte Bühne für Shyne, der so lässig, souverän und herabblickend rappt, als wäre er ein Mafiaboss, der alle Fäden zieht. "Bang" ist lyrisch gesehen etwas seichter. Ein guter Partytrack mit wieder sehr gelungenem Beat, in dem es aber trotzdem um Gewalt geht. Das Selbe gilt für den Kracher "Let Me See Your Hands". Mein Lieblingstrack ist "Niggas Gonna Die". Wieder ein pumpender und kraftvoller Beat, der mit einer Art Steeldrum unterlegt ist, dazu Shyne's wieder sehr harten Lyrics. Jeder, der Gangsta-Rap aus N.Y.C. vermisst, sollte sich diesen Song unbedingt mal anhören. Für etwas Abwechslung wird mit "Bonnie & Shyne" feat. Barrington Levy gesorgt. Das chillige Gitarren-Instrumental ist ein wahrer Genuss, auch Shyne rappt entspannt, nicht über das harte Leben, sondern über und für seine Liebste. Ich hab selten einen so guten, alles andere als kitschigen Lovesong von einem Rapper gehört. Perfektioniert wird dieser Track durch den sehr guten Refrain von Reggae Sänger Barrington Levy. Shyne ist sogar so gut, dass man selbst "That's Gangsta", ein Song, in dem es eigentlich nur um Bling-Bling geht, gut finden muss. Allerdings kann ich mir nicht vorstellen, dass dieser Track all zu ernst gemeint ist. Genau wie "Spend Some Cheese", einer grandiosen Darbietung seines Flows, in der es auch nur darum geht, dass man als Star mit nur einem Lächeln alles bekommt, was man will und jeder einem Allerwertesten küsst. Zusammen mit dem wieder richtig krassen, abgefahrenen, harten und schnellen Beat ergibt auch dies einen echten Hammer. "Get Out" feat. Slim (von 112) ist ebenfalls ein echt cooler Track geworden. Das Instrumental ist eigentlich perfekt für einen R'n'B Song gemacht, weshalb man denkt, dass es sich um einen Lovesong handelt, doch genau das Gegenteil ist der Fall. Shyne rappt über Frauen, von denen man nur als Cash Cow ausgenutzt wird und macht seinem Ärger, v.a. im Hook, auf sehr gelassene und in Kombination mit dem Beat fast schon amüsante Art und Weise Luft ("get out, i don't wanna hug you / get out, bitch i don't love u"). Auch der Rest der Tracks ist mehr als gut. Egal ob Lead-Single "Bad Boyz", das lässige "It's OK" oder das hammerharte "Commission", alles ist perfekt, so dass man das Album ohne zu skippen in einem Guss durchhören kann. Leider wanderte Shyne kurz darauf in den Knast, weil in einer Schießerei in einem Club beteiligt war, bei der übrigens auch Puff Daddy und Jennifer Lopez anwesend waren. Während die beiden Stars jedoch freigesprochen wurden, musste Shyne in den Bau. Das ist mehr als bedauerlich, denn Shyne hätte wirklich das Talent gehabt, der Thronfolger von Jay-Z oder Nas zu werden. Im Moment laufen neue Vertragsverhandlungen mit The Game's Black Wall Street und Irv Gotti's Murder INC. Hoffen wir mal, dass er bald das richtige Label findet. Bis dahin kann man sich jedoch mit dieser Platte bestens vergnügen.