Bereits seit langer Zeit bin ich auf der Suche nach "dem" In-Ear Kopfhörer und habe bereits etliche Modelle ausprobiert (Monster, Sony, Sennheiser, Bose, Westone) und bin vor einigen Monaten beim Shure SE425 gelandet - unter anderem wegen dem (noch) relativ humanen Preis. Für den SE535 habe ich mich schon damals sehr interessiert, jedoch hat mich der Preis abgeschreckt.
Nachdem der Preis etwas erträglichere Regionen erreicht hat, konnte ich mich des Drangs nicht erwehren und wollte unbedingt herausfinden, ob der Klang des Shure SE535 wirklich den Differenzbetrag an Mehrwert gegenüber dem SE425 bietet. Also gab ich mir einen Ruck und bin das Risiko eingegangen und habe den 535er bestellt. Die Amazon Lieferung war (wie immer) schnell und zuverlässig.
Bevor ich auf die klanglichen Details eingehe noch etwas zum Einsatzzweck und der von mir konsumierten Musik: Der Kopfhörer sollte sich nicht nur für meinen "normalen" Musikkonsum eigenen, sondern auch Bühnentauglich sein (Schlagzeug & Gesang) und für Mischung und Mastering von Aufnahmen (Klassik bis Rock) herhalten. Dazu bedarf es schon eines analytischen Klangbildes, da leider keine Möglichkeit der Plazierung von hochwertigen Monitorlautsprechern gegeben ist.
Musikalisch bewege ich mich auch in der Klassik, jedoch mindestens ebenso gerne in Jazz-Rock/Fusion/Rock Gefilden und lausche sehr gerne Interpreten vom Sheffield Label (James Newton-Howard & Firends, Michael Ruff, Clair Marlo), Jeton (Charlie Antolini, Wolfhound) , DMP, GRP (GRP Live in Session), Karizma, Toto (Tambu!) , Joe Jackson (Big World) um nur einige zu nennen.
Um zu den klanglichen Details zu kommen: wenn ich das vorher geahnt hätte, dann wäre mir der Umweg über die Shure SE425 "erspart" geblieben. Dies ist er nun, mein Referenzhörer! Das was dieser "Kopfhörer" in die Ohren zaubert ist nur schlecht in Worte zu fassen. Glasklare Höhen, hervorragende Mitten und ein kackiger Bass (der Punch der Bassdrum ist da wo er auch hingehört!). Mit diesem Kopfhörer bekommt man nicht nur was in, sondern besser auf die Ohren. Was die SE535 in die Ohren zaubert ist wirklich ganz großes Kino.
Die Musik spielt sich nicht wirklich im Kopf ab, sondern man hat bei geschlossenen Augen wirklich das Gefühl jeden einzelnen Musiker anfassen zu können. Jeder einzelne läßt sich genau Orten und heraushören. Besonders fällt das bei Alben wie den "Westcoast All Stars" (nur Stimmen und Fingerschnipsen - ansonsten keine anderen Instrumente) oder "Friends Of Carlotta" (B&W) auf (die Liste ließe sich fast beliebig erweitern - zumindest auf Alben wo dies auch gewünscht war).
Auch bei anderen Direktschnittaufnahmen fällt (Sheffield Lab, Jeton) dies sofort auf. Man kann den Bass und die Felle förmich schwingen hören (und sehen). Es gibt bei jedem der Lieblingstracks neues zu entdecken. Als wenn ein Vorhang fällt. Auch wenn man vorher vieles schön gehört hat und es "irgendwie" da war, so bekommt das ganze Klanggebilde eine neue Tiefe, eine neue Dimension.
Das Album "James Newton-Howard & Friends" dürfte vielen, die auf guten Klang stehen (eher die Audiophilen) bestens bekannt sein. Wie jedoch hier die Percussion Parts (gespielt von Joe Porcaro)
herausgestellt werden (ohne das Gesamtgebilde in irgendeine negative Richtung zu treiben) und die kleinen "Spielereien" des Schlagzeugers (Jeff Porcaro), dass ist das was ich immer "irgendwie" vermisst habe.
Gut, nicht jeder mag die In-Ear-Technik und es gibt ausreichend viele Verfechter der On-Ear Hörer (mit entsprechenden Stax mag es da auch noch Steigerungen geben), die In-Ear Hörer als "Kompromiss" darstellen, wenn ein Kompromiss sich so anhört - gerne!
Als Zuspieler wurden unter anderem auch die vielgescholtenen Apple Produkte verwendet (neben einem Ipod Classic ein iPhone 3 und 4) und auch hier war die oben beschriebenen Effekte absolut hör- und nachvollziehbar. Ein iPod Classic muss sich nicht wirklich hinter anderen Geräten verstecken, obwohl dass sehr gerne Proklamiert wird.
Auf die Effekte und Diskussionen über das für und wieder von MP3 (Lame oder Frauenhofer), Wav oder Flac & Co. möchte ich hier nicht eingehen, aber dieser Kopfhörer verzeiht nichts - egal bei welchem Format! Jeder Fehler ist hörbar und das in der ganzen Brutalität. Jede schlechte Blende, der Einsatz von Limitern und Kompressoren, etc. alles wird schonungslos offengelegt.
Einer der Nachteile dieser Analytik ist einfach der, das viele Aufnahmen eben einfach keinen Spaß mehr machen, da diese noch viel schlechter sind als man das vorher gehört hat und glauben wollte (hierzu zählen viele, viele Aufnahmen aus den 80ern, wo das Multitrackrecording teilweise wirklich übertrieben wurde).
Wichtig ist: Für die Auswahl der "richtigen" Ohrpassstücke sollte man sich wirklich Zeit nehmen, da hier meistens schon die entscheidenen Fehler gemacht werden und viele vielleicht zu früh aufgeben, da sich der gewünschte Klang einfach nicht einstellen mag. Das liegt aber nicht nur an den Ohrpasstücken, sondern auch wie die Hörer eingesetzt werden. Letzteres bedarf etwas Übung und ist auch nach etwas Training nicht einfach mit "reinstecken und los gehts" zu realisieren. Etwas Zeit muss man sich schon geben, aber das Ergebnis entschädigt dafür um so mehr.
Persönlich finde ich den Tragekompfort sehr gut (ich verwende die Foam Sleeves in Größe "L" obwohl ich keine riesigen Gehörgänge habe) - und auch das über die Ohren geführte Kabel (bin Brillenträger) stört mich nicht im geringsten - das mag aber nicht für jeden zutreffen.
Insgesamt bereue ich an diesem Kopfhörer nur eines: das ich diese nicht früher gekauft habe.
Update (15.06.2011):
Nachdem dieser Hörer nun mehrere Wochen im Einsatz ist, kann ich meine Begeisterung und Wertung hinsichtlich des Klangs noch immer kaum bremsen. Viele, viele Alben habe ich geradezu neu entdeckt (Joe Jacksons "Blaze Of Glory" ist so ein Paradebeispiel).
Auch der Tragekomfort ist für mich auch nach Stunden noch gegeben - ich mag das Konzept das Kabel über den Ohren verlaufen zu lassen. Auch als Brillenträger stört es mich nicht - auch wenn das für jeden anders sein mag. Auch die Versteifung am Anschluss sorgt für eine Erleichterung beim Tragen, da sich die Biegung "gemerkt" wird und somit immer nachezu gleich verläuft.
Zum Zubehör noch Folgendes:
- Die Aufbewahrungsbox ist aus Nylon (oder zumindest ähnlichem Material) und bleibt in ihrer vorgesehenen Form. Allerdings, dass muss ich zugeben, machen das andere Hersteller doch einen Ticken edler. Aber wenn Shure die Differenz zu einer Luxusbox lieber in den Klang gesteckt haben sollte, dann ist es mir um so mehr recht.
- Hm, der beiliegende Lautstärkeeinsteller ist da schon extrem Grenzwertig: Man wird in nicht oft brauchen und er tut was er soll, jedoch ist dieser dem gesamten Produkt nicht angepasst. Schlecht verarbeitet, wackelig und aus billigstem Kunststoff - fehlte nur noch dass das Teil klappert. Für den einen oder anderen Nützlich, aber von der Umsetzung her wirklich schlecht.
- Der Flugzeugadapter ist stabil und macht einen robusten Eindruck - eben einfach Funktional.
- Der Adapter von 3,5mm auf 6,3mm Klinke hat vergoldete Kontakte und hat eine solide Verarbeitung.
Die Auswahl an Ohrpassstücken ist relativ gewaltig und darin liegt auch ein Problem die richtigen Ohrpassstücke zu finden. Da man jedoch allen Ohren gerecht werden möchte, sollte sich der geneigte Käufer dieser Hörer selbst Zeit geben und mit Ruhe herumprobieren. Das "AHA" Erlebnis kommt, ganz sicher - aber erst muss alles zusammenpassen.
Einen wichtigen Hinweis möchte ich noch geben: Es ist teilweise extrem schwierig diese Ohrpassstücke von den filigranen "Tonaustrittsröhrchen" zu bekommen. Die Lösung: Die Hörer für ca. 3-5 Minuten in das Gefrierfach legen, danach geht das Auswechseln deutlich einfacher. Aber bitte nicht die Hörer im Eisfach vergessen, da ich nicht sicher bin, wie diese Kopfhörer das vertragen. Dieser Tip kommt übrigens vom Shure Support und ist keine Erfindung von mir. Ich bitte entsprechend von Schadenersatzforderungen hinsichtlich dieses Hinweises abzusehen. Jeder ist für seine eingefrorenen In-Ears selbst verantwortlich!
In diesem Sinne: Viel Spaß beim hören und entdecken!!!