Als dieses Album 1993 erschien, hab ich's mit der Arroganz des Möchtegern-Intellektuellen gegenüber eingängigen Songs ignoriert... Das war ein Fehler, und zwar ein dicker! Immerhin ließ sich das wiedergutmachen. Heute hole ich nach, was ich mir damals entgehen ließ, und leiste Abbitte: Ein starkes, homogenes Album voller eingängiger, aber keineswegs einfach gestrickter, eher ruhiger Popsongs mit unverkennbarem Folk-Einschlag. Geprägt wird das ganze vor allem von Akustikgitarre und einem stets unaufdringlich präsenten Piano. Und dazu natürlich der ausdrucksstarke Bass von Leadsänger Brad Roberts: mal klar, mal angenehm rauchig, aber immer schlafwandlerisch intonationssicher in unauslotbaren Tiefen...
Den "Mmm Mmm Mmm Mmm"-Song mit dem abschließenden Grillenzirpen hat vermutlich schon fast jeder gehört, der ab und zu das Radio anschaltet -- einer jener Songs, die zu Recht berühmt wurden. Aber vor allem die erste Hälfte dieser CD hat noch einiges mehr zu bieten, das diesem Hammer durchaus ebenbürtig ist, wenn nicht sogar mehr:
Fast noch besser ist z.B. gleich der Titelsong (nach vollbrachtem Schöpfungsakt veranstaltet der Herrgott ein Picknick mit den funkelnagelneuen Menschen, die allerhand wissen wollen... vorder- und hintergründig witzig ist schon der Text für sich allein) -- fast schon eine Hymne, in dem Roberts' Stimme wunderbar mit dem Verzerrer kontrastiert. Das ist hier keine unnötige Spielerei, sondern die Sahne obendrauf. Überhaupt, die vielen kleinen Sahnehäubchen auf den ohnehin gelungenen Songs sollte man gesondert würdigen, denn sie machen aus einem gelungenen Album eines der Spitzenklasse: Zum Beispiel die übermütige Mundharmonika in "Afternoons & Coffeespoons", das Piano und der starke Hintergrundgesang von Ellen Reid in "In the Days of the Caveman", die genial einfache Ballade "The Psychic", oder "I Think I'll Disappear Now" mit diesem schwermütigen (!) Reggae-Grundton zum bösen Text... À propos Text: Die Songtexte halten durchweg, was das Cover mit der herrlichen Tizian-Parodie (Bacchus und Ariadne mit neuem/n Gesicht/ern...) und die etwas andere Vorstellung der Bandmitglieder im Booklet versprechen: Mal witzige, mal fiese, aber immer anspielungsreiche Songtexte, die hervorragend zur Musik passen, denn auch die ist eben nicht so harmlos, wie's im ersten Moment den Anschein hat...
"God Shuffled His Feet" hat einiges zu bieten, und das Schönste: Dieses Album verbreitet eine wunderbar entspannte Atmosphäre; wenn man grad mal keinen Sinn hat für seine musikalischen Finessen, kann man's auch "einfach so" hören...