Kevin Spacey hat schon Filme mit bekannteren Regisseuren gedreht, mit bekannteren Schauspielkollegen zusammengearbeitet und in Filmen mitgewirkt, die einen größeren Bekanntheitskreis erlangt haben. Doch dieses von Jonas Pate inszenierte Werk ist ein Juwel - klein, aber wertvoll. In ausdrucksstarken Bildern, begleitet von einem Soundtrack, der immer zu den Bildern passt, zeigt Pate einen kiffenden, depressiven Seelenklempner, im Englischen als Shrink bezeichnet, der eigentlich zur Ausübung seines Berufes kaum noch in der Lage ist. Warum das illustre Völkchen der Reichen und Schönen Hollywoods auf Dr. Henry Carters Couch Platz nimmt, weiß es wahrscheinlich selbst nicht so genau, doch wie wissenschaftlich fundierte Therapiegespräche wirken die Gespräche nun wirklich nicht.
Nach dem Selbstmord seiner Frau ist der angesehene und erfolgreiche Carter immer mehr in einen Strudel aus Drogen und Alkohol geraten, die verzweifelten Hilfsangebote seiner Familie lehnt er kategorisch ab. Groteskerweise ist sein Drogendealer Jesus der einzige Ansprechpartner und die Rückbank von Jesus altem Mercedes ist die Couch, auf der Carter sich niederlässt. Als Henrys Vater ihm den Fall der schulschwänzenden Jemma überträgt, entdeckt er in ihr Parallelen zu seinem eigenen Leben und die Dinge scheinen sich zu ändern.
Pates Tragikomödie enthält zahlreiche herrlich skurrile Szenen, wobei zugegebenermaßen auch das eine oder andere Klischee aufgewärmt wird. Dabei ist 'Shrink' einerseits ein ironischer Seitenhieb auf die Glitzerwelt Hollywoods, andererseits aber auch eine Ode an die Magie dieses Ortes. In der Stadt, in der Filmträume wahr werden, kämpfen die Gestrandeten um ein wenig Struktur und Orientierung im Leben. Ob man sich dabei der Hilfe Henrys annehmen sollte und ob ihn seine Schwäche zu einem schlechten Therapeuten macht, will der Film nicht beantworten. Doch die persönliche Krise macht auch vor dem Experten nicht Halt und seine Kompensationsstragien aus Drogen, Alkohol und Verdrängung wirken doch allzu menschlich und normal.
Ein wenig erinnert 'Shrink' vom Aufbau an Episodenfilme wie 'L.A. Crash', in denen mit fortschreitender Handlung verschiedene Erzählstränge zusammenlaufen und ein großes Ganzes ergeben. Das wirkt leider im Falle von 'Shrink' gegen Ende hin etwas zu bemüht und konstruiert. Das ist aber auch der einzige gravierende Schwachpunkt in diesem Film über Erfolg, die Schattenseiten desselben, Sinnkrisen, Selbstfindung und den Wert des Lebens. Ein ruhiger, berührender Film mit ausgefeilten Dialogen und einem überragenden Kevin Spacey, der hier seine vielleicht beste schauspielerische Leistung abliefert. Großes Kino im kleinen Rahmen, für Therapeuten allerdings nur bedingt geeignet.