Handlung (ohne zu viel zu verraten):
Junges Mädel kommt - mit den üblichen Träumen im Kopf - nach Las Vegas, um dort ihr Glück zu machen. Natürlich geht erst mal fast alles schief und sie landet in einem üblen Table-Dance-Schuppen. Doch Zufall - und eine bisexuelle Star-Tänzerin - bringen sie denn doch noch auf den Weg nach oben. Nach einigen bösen Begebenheiten dort angekommen stellt das Schicksal sie vor eine schwierige Entscheidung.
State:
Quer durch die Liste der vorgeblichen Fachrezensenten und auch von vielen Hobby-Kritikern bekam, bzw. bekommt "Showgirls" zumeist schlechte Noten - m. E. ziemlich unverdient. Sicherlich handelt es sich hier nicht um einen Meilenstein der Filmgeschichte, doch der Streifen toppt --- Dank seiner exzellenten Darsteller, etlicher sehr gut choreografierten Tanzszenen, einem starken Soundtrack, hervorragender Kameraarbeit und einem insbesondere zum Schluss hin überraschenden Plot --- so manchen bekannten Film aus dem "Ich-will-um-jeden-Preis-nach-oben"-Genre.
Warum aber erhielt er sagenhafte 7 goldene Himbeeren und so viele vernichtende Kritiken? Natürlich erst mal, weil an einen Film, der mit dermaßen viel "Titts and Ass" daherkommt andere Maßstäbe angelegt werden - weil puritanische Gemüter vor Entsetzten (über ihre aufkeimende Lust?) überschäumen, während Voyeure und Spanner von einer unterhalb des Hardcore-Genres angesiedelten Produktion vermutlich enttäuscht sein werden. Lassen wir also die sexuell Ge- und Enthemmten und die entsprechenden Szenen mal außen vor und konzentrieren uns auf die eigentliche Handlung:
Die erfüllt erst mal - wie viele entsprechende in Hollywood und Las Vegas spielende Streifen - jedes nur erdenkliche Klischee: Naive Blondchen kommen nun mal immer unter die Räder, Manager aller Gehaltsklassen sind absolut Gewissenlos und nötigen ihre Mädels eh nur zu Blow Jobs am Arbeitsplatz und/oder ins Bett, Lesben ticken irgendwie eh nicht ganz richtig und Tänzer sind natürlich alle Schwul, selbst Helfer in der Not wollen sowieso faktisch nur das Eine, etc. . Und würde der Regisseur diesen Level wirklich bis zum Ende durchziehen - die eine oder andere Himbeere währe wohl tatsächlich berechtigt. In Gedanken vielleicht schon bei der nächsten Rezension oder wegen dem Finger auf der Vorspultaste bekamen aber viele Rezensenten offensichtlich nicht mit, dass Verhoeven seinem 08/15 Blondchen im Laufe der Handlung heimlich, still und leise immer mehr Charakter verleiht, dem aufmerksamen Zuschauer nach und nach immer mehr Anhaltspunkte hinsichtlich ihrer "dunklen" Seiten gibt. So gewinnt der Film denn auch irgendwann (Bitte um Verständnis, dass ich zwecks Spannungserhalts auf Näheres hier nicht eingehe) deutlich an Klasse und Tiefgang, um dann zu einem relativ überraschenden Ende zu finden.
Die Crew:
Regisseur Paul Verhoeven hält sich nicht so gerne an Hollywoods Regeln, lieferte aber trotzdem oder gerade deswegen einige Klassiker verschiedener Genres ab: Er drehte 1987 mit "Robocop", 1990 mit "Total Recall" und "Basic Instinct" direkt 3 Blockbuster in Folge. Bei "Showgirls" (1995) unterschätzte er dann offenbar die puritanische Verlogenheit Amerikas. Dort kam sein im Verhältnis braver Film erst mal nur gekürzt in die Kinos, wofür er sich beim nächsten, äußerst blutigen Projekt, den "Starship Troopers" (1997) - bei dem amerikanischer Hurra-Patriotismus und Waffenfetischismus ordentlich auf die Schippe genommen werden - weitgehend unbemerkt rächte. 2000 folgte dann "Hollow Man", ein Film, der mit damals einzigartigen Trickeffekten und einer spannenden Handlung glänzte. Alle Titel sind bei uns auf DVD erhältlich.
Die Hauptdarstellerin Elizabeth Berkley, für deren darstellerische Leistung einige wirklich böse Worte - z. B. Blow-Job-Barbie, Dumm-bumst-gut, Beate-Uhse-Puppe, fleischgewordener Blondinenwitz - gefunden wurden (vermutlich von dem Typ Mann, der gerne mal würde, aber...), spielt durchaus überdurchschnittlich, ist natürlich keine Jodie Foster oder Meryl Streep, kann aber glaubhaft alle Rollenanforderungen erfüllen. Man muss halt nur auch außerhalb der Erotikszenen hinschauen (z. B. bei den Wort- und Blickgefechten mit Gina Gershon) um ihr Potenzial zu erkennen. Bemerkt haben es u. a. inzwischen Hugh Wilson (Der Club der Teufelinnen 1996), Oliver Stone (An jedem verdammten Sonntag 1999), Woody Allen (Im Bann des Jade-Skorpions 2001) und 9 weitere Regisseure. Sooo schlecht kann sie also nicht sein.
Auch Gina Gershon in der Rolle einer exzentrischen bisexuellen Startänzerin kann - wie schon so oft - überzeugen. Die Liste der Filme mit ihr ist lang; gesehen haben sollte man aber zumindest "Bound-Gefesselt" (1996), "The Intruder" (1999), "Face Off" (1997) und von den Älteren "Pretty in Pink" (1986). Erst als ich mitkriegte, dass sie in "Showgirls" mitspielt habe ich mir die DVD zugelegt. Vorher ließ ich mich dummerweise von den schlechten Kritiken abschrecken.
Hier auf jeden guten Darsteller detailliert einzugehen würde den vorgegebenen Rahmen sprengen, doch definitiv erwähnenswert sind noch Glenn "Chaot" Plummer (Strange Days, Menace II Society, The Salton Sea), Robert "Scarface" Davi (The Goonies, Die Hard, Der City Hai) und Kyle "Schleimbeutel" MacLachlan (Blue Velvet, The Flintstones, The Doors), denn sie wurden optimal eingesetzt, spielen routiniert ihre Charaktere und agieren - wie auch die meisten der Nebendarsteller - ohne Schwächen.
Die DVD:
Das Bild (nicht anamorphes Widescreen 2.35:1, also 4:3 mit schwarzen Balken am oberen und unteren Bildrand) ist insgesamt in Ordnung, weist außer 3 kurzen Dropouts keine Schwächen, aber leider auch keine besonderen Stärken auf.
Tonspuren gibt es Deutsch DD2.0 und Deutsch DD5.1. Letztere fordert alle Boxen, ohne das man darüber ins Schwelgen geraten würde - soweit OK.
An Extras gibt es jede Menge mehr oder weniger informative Texttafeln zu den Themen Cast&Crew und Produktion, sowie die deutschen Trailer zu Spawn, Cop Land, Terminator 2, Jugde Dredd, True Lies, Strange Days und Scream.
O-Ton, O-Trailer, geschnittene Szenen, Untertitel für Hörgeschädigte, Making Off, Interviews - auf all das müssen wir leider verzichten.
Fazit:
Der Film ist kein Meilenstein der Filmgeschichte, aber weitaus besser als sein Ruf - schwache 4 Sterne
Doch diese DVD-Umsetzung wird leider weder Film noch Medium gerecht. Abzug 1 Stern
Trotzdem - Bildet euch eine eigene Meinung und gebt "Showgirls" eine Chance!
Persönlich werde ich mir eine mit Sicherheit irgendwann erscheinende überarbeitete Neuauflage definitiv zulegen.