Nachdem Exodus uns im Frühjahr '04 mit ihrem Comeback Album Tempo of the Damned einen wahren Thrash-Meilenstein vorsetzten (meiner Meinung nach ist es sogar besser als die Bonded by Blood), sah es lange Zeit nicht gut für das Nachfolgewerk aus. Zuerst verzog sich Sänger Steve "Zetro" Souza 36 Stunden vor einem anstehenden Mexiko-Gig, später klinkte sich zu allem Überfluss Drummer Tom Hunting aus, um seine Drogenprobleme in den Griff zu kriegen. Kurz vor dem Studiotermin zog sich dann auch noch Gitarrenvirtuose Rick Hunolt aus der Band zurück, damit er endlich seine Sucht unter Kontrolle bekommt und sich mehr um seine Familie kümmern kann. Allein Jack Gibson (b.) blieb von der TotD-Crew erhalten. Das reinste Tohu wabohu also.
Bandkopf und einzig verbliebenes Gründungsmitglied Gary Holt ließ sich davon aber nicht unterkriegen und stellte ein starkes und neues Line-Up aus alten Bekannten auf die Beine - aber ob es sich mit dem Reunion Line-Up messen kann? Die Antwort lautet schlicht und einfach: "Ja!".
Namentlich wären die Neubesetzungen das Trommelwunder Paul Bostaph (Ex-Forbidden, Ex-Slayer), Gitarrist Lee Altus (Ex-Heathen) und als Sänger der Kanadier Rob Dukes. Letzterer dürfte der werten Thrash-Gemeinschaft gänzlich unbekannt sein - er hatte vormals den Job als Garys Gitarrentechniker inne.
Vor allem Mr. Dukes soll an dieser Stelle gelobt werden, der es schafft in die übergroßen Fußstapfen von Baloff und Souza zu treten, ihrem gewaltigen Erbe gerecht zu werden und dabei noch wie ein Hybrid aus beiden Sängern klingt.
Mit "Raze" beginnt das Thrash Gewitter, ein Uptempo Song untermalt von Bostaphs treibendem Drumsound und mit Rob Dukes wunderbar fies und angepisst klingender Stimme verfeinert. Mit "Deathamphetamine" geht es dann etwas gemächlicher, aber nicht weniger aggressiv weiter. Ein Acheinhalb-Minuten Monster, dass einem jeden Nackenwirbel zertrümmert! Der Song ist einfach großartig: Tempiwechsel, Riffgewitter, die nicht von dieser Welt sind und dazwischen grandiose Soli-Duelle zwischen dem Duo Holt/Altus - eindeutig eines der Highlights dieser Scheibe.
Weitere Killer wären "Karma's Messenger", dass ebenso überzeugen kann, wie der Uptempo-Brecher "44 Magnum Opus". Im Mittelteil ziehen Exodus die Handbremse etwas an und präsentieren uns mit "Shudder to think", "I am Abomination" und dem zu lang geratenen "Altered Boy" drei gemächliche Midtempo-Walzen, die den geneigten Hörer etwas zu Atem kommen lassen. Mit dem an "Throwing down" (Tempo of the Damned) erinnernden Mitgröhlsong "Going Going Gone" wird anschließend wieder auf das Anfangsniveau beschleunigt. "Shovel Headed Kill Machine" stellt den (vorläufigen) Schlusspunkt des Albums dar. Ein 3-Minuten Knaller, der extrem wuchtig daherkommt und noch einmal letzte Reserven mobilisiert.
Auf der Ltd. Edition hat sich zusätzlich ein Hidden Track auf den Silberling verirrt, der ebenfalls sehr gut ins Ohr geht. Nötig wäre er allerdings nicht gewesen.
Wieder einmal ein starkes Album das Gary Holt hier aus dem Ärmel geschüttelt hat. Es kommt meiner Meinung nach aber nicht ganz an die Klasse der Tempo of the Damned heran. Nichtsdestotrotz ein beachtliches Werk und ein Pflichtkauf für jeden Thrash Metal Fan.